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Erkelenz
Wallweinfest und Protestaktion in einem

Erkelenz: Wallweinfest und Protestaktion in einem
Rolf Oberdörster (Mitorganisator), Bürgermeister Peter Jansen, Landtagsabgeordneter Thomas Schnelle, Michael, Tim und Monika Königs (Initiator und Organisator) sowie Marie Weiß beim Wallweinfest in Kaulhausen. FOTO: RUTH KLAPPROTH
Erkelenz. Kaulhausen gestaltet seine Zukunft am Tagebaurand, wozu jetzt das erste Wallweinfest gehörte.

"Wir wollen die Dorfgemeinschaft stärken", sagt Michael Königs. Das sei das wichtigste Ziel des ersten Wallweinfestes, zu dem der 52-Jährige auf sein Grundstück am Wall am Ortsende von Kaulhausen eingeladen hatte. Die Idee zu diesem Fest kam ihm, als vor einem Jahr zum Abschluss einer Planungswerkstatt zur Zukunft der Tagebauregion und zur Gestaltung des Tagebaurands direkt am Wall auf dem Grundstück von Königs eine Weinrebe gepflanzt wurde. "Wir müssen am Wall in unmittelbarer Nähe zum Tagebau Garzweiler II leben", erläutert Königs. "Da wollen wir mit unserem Fest darauf hinweisen, was das bedeutet." Insofern sei das Fest durchaus auch als Protestaktion zu sehen.

Wogegen er und die Menschen protestieren, die in Kaulhausen leben, wurde durch ein Banner unübersehbar: 400 Meter Abstand zur Abbaukante werden gefordert. Das ist ein deutlich größerer Abstand als die bisher vorgesehenen 100 Meter. Auch die Gestaltung und fehlende Bepflanzung des sieben Meter hohen Walls, der die Erkelenzer Börde zwischen Venrath und Kaulhausen durchschneidet, wird kritisiert. Bisher sind es die Bürger, die dort Mäharbeiten vornehmen. Vollkommen unverständlich ist für Königs und seine Mitstreiter, dass ein Wasserrückhaltebecken direkt am Wall in Richtung Kaulhausen und nicht hinter dem Wall entsteht. Und nur Kopfschütteln verursacht der Plan von RWE Power, bei der Verlängerung über die Straße hinweg den Wall "mitten durch das Wohnzimmer eines Bauernhofs" zu führen. Der Landwirt werde umgesiedelt, was nicht sein bräuchte, wenn der Wall um 50 Meter östlich verschwenkt würde, meint Königs.

Diese Themen, aber auch andere, die Dorfentwicklung von Kaulhausen betreffende, kamen bei den mehr als 200 Besuchern zur Sprache. So wünschen sich die Menschen in dem 200-Seelen-Ort eine Bürgerwiese als Treffpunkt und einen Kinderspielplatz, wie bei einer Ausstellung erkennbar wurde, die die Ergebnisse eines Dorfinnenentwicklungskonzepts dokumentierte.

Doch bei allen Problemen, Nöten und der Ungewissheit lassen sich die Kaulhausener das Feiern nicht vermiesen. Sie und ihre Gäste blieben lange zusammen, demonstrierten auch mit einer spektakulären Aktion nach Einbruch der Dunkelheit, bei der die Teilnehmer auf dem Wall stehend Pyrotechnik abbrannten - und obendrein feierten sie in den Geburtstag ihres Gastgebers hinein. Der hat schon das nächste Fest im Blick: "Am 22. September 2018 gibt es das zweite Weinwallfest." Dann wird Bilanz gezogen, was in einem Jahr passiert ist und was zu machen ist, um die Zukunft Kaulhausens weiter positiv zu gestalten.

(kl)
 
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