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Erkelenz
Was bleiben wird

Erkelenz: Was bleiben wird
Grafisch gestaltet: Was vom Immerather Dom bleiben wird sind viele Erinnerungen. FOTO: Andreas Speen
Erkelenz. Ein Bagger mit einem langen Ausleger wird am Montag, 8. Januar, ab 9 Uhr die einstige Kirche von Immerath abreißen. Viele Menschen aus dem Ort, der für den Tagebau Garzweiler II verschwindet, sprechen vom Immerather Dom – ihre persönlichen Erinnerungen an diese Kirche, die im 19. Jahrhundert im Wesentlichen von der Immerather Bevölkerung selbst erbaut worden war, haben einige Immerather für eine - auch grafisch Erinnerung - festgehalten.

Wilfried Goeres Meine besonderen Momente mit unserem Dom sind folgende: Wenn man die Heilige Messe zum Schützenfest als König erlebt hat, der Dom rappelvoll war und man anschließend vor dem Hauptportal steht und die Musik einem zur Parade spielt - das war jedes Mal ein Gänsehautmoment. Ein weiterer Moment war bei der Hochzeit meiner Tochter, als sie zu Dudelsackmusik zum Altar gegangen war.

Durch die einmalige Akustik war auch dies ein tolles Erlebnis. Was aber in meinem Kopf eingebrannt ist, sind die Heiligen Messen in der Weihnachtszeit. Wenn die Kirche weihnachtlich geschmückt und die schöne Krippe aufgebaut war. Einfach unvergesslich. Man könnte noch viele weitere Momente erwähnen - Taufen, Hochzeiten, Konzerte -, so vieles ist im Dom passiert, dass man fast ein Buch schreiben könnte.

Gisela Berger Der Immerather Dom war eine "der" Landmarken in der Erkelenzer Börde. Egal, aus welcher Himmelsrichtung ich kam, wenn ich seine Türme sah, wusste ich, ich bin zu Hause.

Gina Bolten Ich bin im Immerather Dom zur Kommunion gegangen, und der Dom bedeutet für mich Zusammenkommen mit dem Dorf, gemeinsam Zeit verbringen. Glaube, Sitte, Heimat.

Wolfgang Steike Die seinerzeitliche Entwidmung und der bevorstehende Abriss der Kirche sind für mich ein größeres Verlustgefühl als das mittlerweile nicht mehr vorhandene, von meinem Vater selbst gebaute Haus. Im "Dom" wurde ich getauft, feierte meine Erstkommunion und Firmung, war viele Jahre Messdiener. Über die Stationen Köln und Düsseldorf kehrte ich 1992 nach Immerath zurück, und wieder war die Kirche ein fester Bestandteil des Lebens unserer Familie. Meine Kinder wurden dort getauft und erlebten ihre Erstkommunion, meine Eltern, Verwandten und Freunde musste ich nach ihrem Ableben im "Dom" verabschieden. Die Erinnerungen sind vielfältig und vielschichtig, und der fehlende Anblick wird die Endgültigkeit des Verlustes der Heimat verdeutlichen.

Hedwig Stark Im Immerather Dom wurde ich getauft, ging mit zur Kommunion, habe geheiratet, meine Kinder wurden dort getauft. Die Glocken unserer Kirche begleiteten mich 60 Jahre lang ... der markante, bis ins Mark gehende dunkle Ton unserer Totenglocke begleitete meine Eltern zur letzten (oder vorletzten) Ruhestätte. Die Silhouette unserer Kirche mit den beiden Türmen war für mich immer ein Gefühl des Nachhausekommens und Geborgenseins, was nun leider für immer nur noch in meiner Erinnerung sein wird.

Hans Goeres Der Immerather Dom war von meiner Geburt an ein prägendes Bauwerk in unserem Ort. Wie auch ich haben viele Immerather die eigene Taufe, Kommunion, Firmung, Heirat und so weiter sowie die der Kinder und teilweise der Enkelkinder in dieser Kirche gefeiert. Der Abriss unseres Immerather Doms ist der letzte unwiderrufliche Akt der Vertreibung der Immerather, Pescher und Lützerather Bevölkerung und Zerstörung der seit Jahrhunderten gewachsenen Dörfer.

Jörg Thiede Als Vereinsvorsitzender des SV Immerath habe ich einen besonderen Bezug zum Immerather Dom. Denn das Vereinswappen des SV Immerath wird durch die Kirche geprägt und wird auch zukünftig die sichtbare Identifikation des Vereins zum alten Ort sein. Aber auch privat habe ich eine besondere Erinnerung zum Dom. Ich hatte das Glück, als letzter Schützenkönig von Alt-Immerath die Insignien des Schützenkönigs während der Heiligen Messe 2010 dort überreicht zu bekommen. Die einzigartige Atmosphäre während der Zeremonie bleibt bis zum heutigen Tage irgendwie immer gegenwärtig.

Heike Heyll Ich bin 1969 in Immerath geboren und wurde in der Kapelle des Krankenhaus Nazareth getauft! Meine Erstkommunion, die Firmung und auch die Hochzeit fand im Immerather Dom statt. Ich habe ihn nie DOM genannt, für mich war es eine Kirche! Die Kirche, die uns durchs Leben begleitet hat! Mit Pfarrer Robens die erste Verbindung - streng, brav in der Bank gesessen, als Kind erst mal alles wahrgenommen, welche Schätze diese Kirche zu bieten hat! Das ehrfürchtige Gotteshaus!! Mit Pfarrer Jansen eine lockere Kirche, wo zum Karneval auch mal gelacht werden durfte! Nicht nur Stille! Als Jugendliche war dort, auf den Stufen zum Hauptportal, unser Treffpunkt! Von manchen nicht gern gesehen, aber .... unser Herz im Dorf. Mit dem Umzug nach Immerath (neu) wurde die Beziehung zur Kirche weniger! Die Erstkommunion wurde leider sehr schnell nach Kückhoven und Holzweiler verlegt! Ein Stück Erinnerung an die eigene ging hier schon verloren. Mit dem Tod meiner Mutter 2010, sie wurde noch in der Kirche aufgebahrt, bin ich ehrlich, habe ich jegliche Beziehung zum DOM verloren. Mit dem Lied "Niemals geht man so ganz" bin ich aus dem Dom ausgezogen und werde meine Erinnerungen an ihn im Herzen aufbewahren. Ein Stück Heimat!!!

Professor Ralf Georg Czapla Der "Dom" hatte sein Gegenstück in der Mühle. Von Weitem grüßend, erinnerten die beiden symbolisch an das, was das Leben des Menschen ausmacht: an den Glauben und an die Arbeit für das tägliche Brot. Es scheint, als teile St. Lambertus nun das Schicksal seines Patrons: Der Heilige Lambert von Maastricht, der auf Bildern oft mit glühenden Kohlen dargestellt wird, wurde erschlagen, weil er seine Kirche vor dem Zugriff der Herrschenden zu bewahren versuchte. Der "Dom" von Immerath dagegen stand auf einem Braunkohleflöz und wurde so ein Opfer der Interessen von Wirtschaft und Politik.

Marie Otten Mein besonderstes Erlebnis mit dem Immerather Dom war seine Entweihung. So viele Menschen hatten sich versammelt, um bei diesem bedauerlichen Moment dabei zu sein, und ich stand voller Wehmut als Messdienerin und Pfadfinderin in der ersten Reihe.

Marc Bolten Ich bin in Immerath aufgewachsen, ich finde es in der heutigen Zeit unvorstellbar, dass man seine Heimat für Braunkohle aufgeben muss. Es schmerzt mich so in der Seele, dass ich meinen Kindern nie diesen wunderschönen Ort zeigen kann und all die Geschichten, die ich dort erlebt habe. Aber dieses Erlebnis teile ich mit meinen besten Freunden, und dadurch sind wir noch enger zusammengerückt. Die Wahrzeichen trage ich sogar auf meiner Haut. Jeder, der seine Heimat verloren hat, kann das nur verstehen. Das neue Dorf entschädigt nicht für alles, aber für die nächste Generation wird es wunderschön. Das ist das Ziel von uns.

(spe)
 
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