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Erkelenz
Weihnachten ist Familienzeit

Erkelenz: Weihnachten ist Familienzeit
"Der Kirchgang gehört zu Weihnachten", auch wenn man sonst nur sporadisch Gottesdienste besucht, sagt ein Großteil der Schüler aus den Klassen 10 der Europaschule Erkelenz. FOTO: KN
Erkelenz. In der Europaschule Erkelenz lernen Jugendliche unterschiedlicher Glaubensrichtungen und Kulturkreise gemeinsam. Auch im Fach Religion. Ein Gespräch über Weihnachten, über Trennendes und Gemeinsamkeiten. Von Angelika Hahn

Wie feiern junge Menschen Weihnachten, welche Bedeutung hat das Fest für sie? Spielen christlicher Glaube und die "frohe Botschaft" von der Geburt Jesu noch eine Rolle? Die RP diskutierte mit zwölf 15- und 16-jährigen Jugendlichen unterschiedlicher Glaubensrichtungen und Herkunft aus zehnten Klassen der Europaschule (Realschule) Erkelenz.

Eines eint die bunte Runde: Alle nehmen – obwohl sie nicht dazu gezwungen sind – am evangelischen oder katholischen Religionsunterricht teil. Auch Tobias, der "noch nicht so wirklich an Gott glauben kann" und sich auf der Suche sieht. "Aber Religion gehört einfach zum Allgemeinwissen", sagt er wie auch Waldemar. Baptistin Cristine will im Unterricht "noch mehr über Gott und die Bibel lernen".

Auch Muslim Hilmi ist oft im christlichen Religionsunterricht dabei. "Ich finde es interessant, über das christliche Denken zu erfahren, schließlich gilt Jesus ja auch im Islam als Prophet", sagt er. Wie sich Glaube in der Geschichte verändert hat, nimmt Katholikin Sina aus dem Religionsunterricht mit. Alina zieht eine Verbindungslinie zum Konzept der Europaschule: "Hier erfahren wir viel über andere Glaubensrichtungen und Religionen", und das beste Forum dafür biete eben der Religionsunterricht.

Wie feiert Ihr Weihnachten, worauf kommt es an? – Die Vielfalt der Herkunft spiegelt sich auch bei den Antworten auf diese Frage. Sina etwa, die sich als Halb-Niederländerin vorstellt, erzählt vom Sinterklaas-Fest (Nikolaus), das fast eine größere Bedeutung habe als Weihnachten. Wie in Deutschland jedoch spiele das Familienleben zu Weihnachten eine zentrale Rolle.

Familie muss sein beim Fest – da sind sich alle in der Runde einig, auch Erika aus Kasachstan und Waldemar, der russische Wurzeln hat. Für beide spielen zwei Traditionen eine Rolle: die russisch-orthodoxe und die westeuropäisch-christliche. "Wir feiern zweimal Weihnachten: am 24. Dezember und am 6. Januar." Für Muslim Hilmi ist Weihnachten hingegen ein ganz normales Ferienwochenende.

"Bei uns spielen das islamische Zuckerfest und das Opferfest eine ähnliche Rolle wie Weihnachten bei Christen", berichtet er. Tobias ist nicht der Einzige in der Runde, für den auch Rituale in der Familie zu Weihnachten eine besondere Bedeutung haben: Den Weihnachtsbaum gemeinsam zu schmücken gehört ebenso dazu wie Plätzchen zu backen oder zu kochen – auch das gemeinsame Singen gilt offenbar noch nicht als "uncool".

"Der Kirchgang gehört zu Weihnachten", sagt ein Großteil der Schüler, auch wenn man sonst nur sporadisch Gottesdienste besucht. Für Maurice heißt Weihnachten zudem Musizieren in der Christmette. Dass die zentrale Botschaft vom "Fest der Liebe" (Waldemar) heute so oft von Geschenk-Stress und Geschäftsrummel in der Vorweihnachtszeit überdeckt wird, sehen die Schüler kritisch. "Mich stört, dass schon Monate vorher alle Regale voll sind mit Weihnachtskram", sagt Maurice. Und Tobias hat beobachtet, "dass der Druck in Familien, alles perfekt zu machen, oft zu Spannungen führt".

Geschenke gehören zum Fest. "Aber nicht der Preis ist wichtig, sondern dass es ein persönliches Geschenk ist, das Freude macht", wie Sina sagt. Auch Selbstgebasteltes ist wieder in Mode. Und Angela hat festgestellt, dass überraschende Kleinigkeiten oft viel mehr Spaß machen: "Die Gemeinschaft, nicht Geschenke, sollte Weihnachten im Mittelpunkt stehen." Frage des Tages

(RP/rl)
 
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