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Gedanken Zum Weihnachtsfest
" ... weil in der Herberge kein Platz für sie war." (Lk 2, 7)

Erkelenz. Die Weihnachtsgeschichte ist auch eine Geschichte von Flucht und Vertreibung. In den bedürftigen hilfesuchenden Flüchtlingen heute können wir hören und spüren, wie Maria und Josef zur Zeit Christi Geburt unterwegs waren. Von Pater Gerald Tanye und Propst Thomas Wieners

Diese Worte Jesu aus dem Lukasevangelium sind sehr aktuell. Weihnachten ist ein Fest der Freude, ein Familienfest der Verbundenheit, ein Fest, in dem Gott sich zu uns Menschen gesellt, denn wir feiern die Geburt des Gottessohnes Jesus Christus. Obschon Weihnachten ein Fest der Freude ist, finden wir es wichtig, dass die harte Realität der Geburt Jesu zu Weihnachten nicht außer Acht gelassen werden darf. Denn als Maria und Josef nach Bethlehem kommen, suchen sie nach einer Herberge und werden immer wieder abgewiesen, bis sie schließlich den armen Stall finden. Der Gottessohn, Jesus Christus, ist Mensch geworden, der nach Aufnahme, Heimat und Zukunft sucht. Auch bald nach der Geburt Jesu müssen Maria und Josef mit ihrem kleinen Kind vor den Gefahren des Lebens, vor dem Terror und der Verfolgung des Herodes nach Ägypten fliehen. Diese Szenen des jungen Lebens Jesu stellen uns deutlich vor Augen, dass die Weihnachtsgeschichte auch eine Geschichte von Flucht und Vertreibung ist. Gott wird Mensch in einem Kind, das der Verfolgung ausgesetzt ist, welche sich jedes Mal wiederholt, wenn Menschen die Flucht ergreifen müssen, um ihr Leben zu retten. Aktuell leiden viele Menschen auf der Welt in ihrer Heimat unter Verfolgung und Unterdrückung, auch unter Terror und Krieg und vielfacher Not. Sie ergreifen die Flucht oft unter lebensbedrohlichen Bedingungen und suchen nach Sicherheit, Aufnahme und Zukunft. Diesen Menschen geht es so, wie es Maria und Josef mit dem Jesuskind ging. In diesen bedürftigen Hilfssuchenden können wir hören und spüren, wie Maria und Joseph unterwegs sind - fern der Heimat auf Hilfe, auf Zuwendung, auf Menschlichkeit angewiesen sind. Ohne die Hilfe von denjenigen, die den Stall zur Verfügung stellten, hätten sie diese Zeit nicht überstanden. Weihnachten verheißt Leben. Dieses Fest zu feiern bedeutet, Leben zu schützen, es aufzubauen. So können wir unmöglich die Augen und Herzen vor dem Schicksal so vieler Flüchtlinge verschließen.

Wir sind den vielen Menschen guten Willens dankbar, die sich in unseren Gemeinden und Kommunen in Deutschland und weltweit für Flüchtlinge einsetzen. Weihnachten bedeutet schlicht Zuwendung. Gott wendet sich uns in seinem Sohn Jesus Christus zu und lädt uns ein, dasselbe zu tun. So ist es richtig, dass viele durch Spenden, Beratung, Sprachunterricht oder einfaches Zuhören sich den Betroffenen zuwenden. Viele investieren ihre Zeit, um den Flüchtlingen zur Seite zu stehen, ihnen eine neue Heimat und Zukunft zu bieten und sich um ihre Integration bemühen. Dafür ein herzliches Dankeschön!

Dass Jesus der Verfolgung und Tötung durch Herodes entkommen konnte, verdankte er den offenen Grenzen Ägyptens. Weihnachten bedeutet daher Grenzüberschreitung zweierleiweise: Das Geburtsfest Jesu lädt Menschen ein zur Horizonterweiterung, ja zur Öffnung der eigenen engen Grenzen, zur Öffnung der Landesgrenzen oder Europagrenzen sowie zur Öffnung bedrohlicher Grenzen, die Leben und Gemeinschaft behindern und Solidarität verweigern. "Ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen", sagt uns Jesus.

Für manche, die schon sehr viel tun, geht die Frage aber in die andere Richtung: Respektiere ich meine eigenen Grenzen? Meine Kraft, meine Zeit, mein Raum ist nicht unbegrenzt. Damit das Zusammenleben auf lange Sicht gelingen kann, bedarf es auch der Klugheit und fester Entschiedenheit.

Weihnachten lehrt uns, dass in Solidarität und ausgewogenem Gemeinsinn Zukunft liegt, denn dies sind Werte, die aufbauen, die aufrichten, die Leben schenken und Gemeinschaft stiften. Ja, es sind Werte, die Weihnachten nicht nur an ein Datum binden, sondern Weihnachten zum Lebensstil werden lassen.

Diese tiefgreifende Freude von Weihnachten, die Leben aufblühen lässt, wünschen wir Ihnen allen von ganzem Herzen. Mögen die Hilfsbereitschaft, Nächstenliebe und Solidarität mit unseren Mitmenschen, die der Gottessohn uns vorgelebt hat, uns prägen und uns motivieren zu handeln. Allen ein gesegnetes Weihnachtsfest! Möge Jesus, dessen Geburt wir feiern, Sie alle durch das Neue Jahr 2016 hindurch begleiten und schützen und mit Freuden erfüllen!

Quelle: RP
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