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Kreis Heinsberg
Wie Gewaltopfern geholfen wird

Kreis Heinsberg. Der Runde Tisch gegen Häusliche Gewalt und Sexuellen Missbrauch im Kreis Heinsberg hat getagt. Moderator Franz Heinrichs, der Jugendbeauftragter der Polizei im Kreis ist, berichtet von der Konferenz und von Trends, die sich in den vergangenen Jahren ergeben haben.

60 Teilnehmer von Jugend- und Beratungsorganisationen sowie Behörden saßen dieses Mal am Runden Tisch gegen Gewalt.

Wie entstand der Runde Tisch und der Arbeitskreis (AK) gegen Häusliche Gewalt und Sexuellen Missbrauch? Und welche Ziele verfolgt er?

Heinrichs Der AK existiert seit 20 Jahren und ist ein kleinerer Zusammenschluss der Organisationen im Kreis, die sich mit Prävention in diesen Bereichen befassen. 2007 haben wir eine Fachkonferenz zum Thema häusliche Gewalt durchgeführt, und dabei entstand der Wunsch, einen größeren Kreis, nämlich den Runden Tisch, zu gründen. Ziel ist das Kennenlernen der Partner, damit wir ganz zielgerichtet und vor Ort helfen können. Persönliche Kontakte sind hier sehr wichtig. Bei der Konferenz legten die Teilnehmer Zahlen offen, wie stark ihre Angebote 2009 nachgefragt wurden. Auch die Polizeistatistik der Strafanzeigen in diesem Bereich lag vor.

Lassen sich Trends ablesen?

Heinrichs Zunächst sollte die Präsentation deutlich machen: Das Problem ist bei uns vorhanden. Es gibt auch bei uns Gewalt in Beziehungen und Frauen, die sich ins Frauenhaus flüchten. Es gibt jedoch einige Trends. In einigen Jugendamtsbereichen hat die Anzahl der Betreuungsfälle zugenommen. Ich sehe das positiv, denn das zeigt nicht, dass es mehr Fälle gibt, sondern dass die Sensibilität gestiegen ist. Es wird heute mehr dem Jugendamt vorgetragen oder zur Anzeige gebracht als vor einigen Jahren. Gleichzeitig dokumentieren die Wohnungsverweise der Polizei, bei denen Täter zehn Tage die Wohnung nicht betreten dürfen, eine hohe Sensibilität der Beamten. Diese Zahlen sind zwar rückläufig, aber im Landesvergleich sehr hoch. Das Mittel der Wohnungsverweisungen wird kaum in einer Behörde so effektiv eingesetzt wie im Kreis Heinsberg. Was uns noch nicht so gefällt, ist eine ausreichende Information der Opfer. Die Nachricht "Es gibt ganz, ganz viele Stellen im Kreis, bei denen es für euch Hilfe gibt" muss noch stärker kommuniziert werden. Man muss ja nicht gleich zur Polizei gehen, um den Weg aus der Gewaltspirale zu finden. Kaum einer, der die Situation nicht erlebt hat, ist in der Lage, sich in die Situation der Opfer einzufinden.

Mit welchen Problemen haben die Opfer vor allem zu kämpfen?

Heinrichs Die meisten Opfer schämen sich und geben sich oft eine Mitschuld am Geschehen. Das ist einer der Gründe, warum so etwas nicht offengelegt wird. Hinzu kommen meist eine emotionale und die wirtschaftliche Abhängigkeit. Viele Frauen stecken in dem Zwiespalt: Ich will, dass das Schlagen aufhört, aber ich liebe diesen Mann noch. Das kann man nicht mit sachlichen Argumenten lösen. Hier muss auch Paartherapie stattfinden. Familien werden also nicht immer auseinandergerissen. Für Täter gibt es zum Beispiel Anti-Aggressionstrainings. Im Vordergrund steht aber immer das Opfer. Es nehmen viele Organisationen am Runden Tisch teil.

Gibt es dennoch nicht abgedeckte oder problematische Angebotsbereiche?

Heinrichs Wir hatten vermutet, dass es bei gerichtlichen Beschlüssen zu längeren Wartezeiten für die Opfer kommen könnte. Zwei Richterinnen des Runden Tischs bestätigten aber, dass es oft schon am Antragstag zu Beschlüssen kommt. Sie sagten, es läuft im Kreis vorbildlich. Verbessern kann man aber immer noch was. Das sind aber keine Probleme, die man einfach auf einer Checkliste abhaken kann. Es bedeutet, sensibel auf immer andere individuelle Probleme einzugehen.

Wie lautet Ihr Fazit der Konferenz?

Heinrichs Ich persönlich war sehr zufrieden. Es hat sich gezeigt, dass wir im Kreis schon eine sehr gute und vor allem schnelle Hilfestruktur für Opfer von Gewalt und sexuellem Missbrauch haben. Die konstant hohe Teilnehmerzahl auch bei der dritten Tagung zeigt, dass der Wunsch zu gemeinsamem Austausch nach wie vor sehr hoch ist.

Wie sieht die künftige Arbeit aus?

Heinrichs Unsere regelmäßigen Treffen, wie der Runde Tisch am 22. März zum Tag des Kriminalitätsopfers, finden weiter statt. Gleichzeitig gibt es im November in Geilenkirchen die Ausstellung "Opfer" des Weißen Rings. Vor allem Schulklassen werden dazu eingeladen.

Carsten Preis führte das Gespräch.

Quelle: RP
 
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