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Erkelenz
Wofür Wegekreuze stehen

Erkelenz. Sie prägen das Erkelenzer Land: Wegekreuze waren für die Menschen nahe und permanente Gelegenheiten, Heil zu erbitten und für empfangenes Heil zu danken. Das älteste Erkelenzer Wegekreuz ist in Holzweiler. Von Willi Spichartz

Sie gelten als "Ausdruck der Volksfrömmigkeit", die Wege- oder auch Feldkreuze, die teils über Jahrhunderte ihren Platz im ländlichen Raum haben. Morgen, an Karfreitag, steht das wichtigste Symbol der christlichen Religionen im Fokus. Das Erkelenzer Land prägen zahlreiche Wegekreuze. Das Kreuz ist eine der Betstätten, die vor allem der Katholizismus neben den Kirchen kennt. Weitere Betstätten sind Fußfälle, Bildstöcke und die Kapellen, an und in denen Bitt- oder Dankgebete verrichtet wurden, sicher auch noch werden. Wobei von der Zahl her die Kreuze dominieren, wie Paul Blaesen für den Heimatverein der Erkelenzer Lande 1998 umfangreich ermittelte.

Wofür die Kreuze stehen

Auf dem Erkelenzer Stadtgebiet fand Blaesen 273 Objekte, die unter die Kategorie Betstätten fallen, darunter 73 Wegekreuze. Die Kreuzigung war im Römischen Reich, dem über Jahrhunderte größten Staat seiner Zeit, und im Mittelmeerraum ein viel geübtes Tötungsritual, das bewusst zur Demütigung des Delinquenten und zur Abschreckung der Bürger diente. Es war die Höchststrafe, die Jesus vor knapp 2000 Jahren zuteil wurde, sie bildete damit auch die Grundlage für die Glaubenskette von Last, Leid und Tod, mit der Versöhnung mit Gott und zur Erlösung. Von daher waren die 73 Wegekreuze für die Menschen nahe und permanente Gelegenheiten, Heil zu erbitten, für empfangenes Heil zu danken.

Das älteste Wegekreuz im Stadtgebiet Erkelenz steht an einer markanten Stelle: das Holzweiler Hagelkreuz an der Kreuzung der Landstraßen 117/19 in Richtung Katzem, Jackerath und Kückhoven. Mit sieben Metern Höhe ist es markant wie sein Standort, spätgotisch aus dem 15. Jahrhundert. Geschlagen aus Trachyt, einem vulkanischen Mineral, auch topografisch markant, diente es den Fürbitten zum Schutz vor Ernteschäden wie Hagel und Gewitter. Belegt ist, dass es an der Stelle ein Vorgängerkreuz gab. Vielfach standen vor allem Unwetterschutzkreuze auf Erhöhungen – wie auf Golgatha vor 2000 Jahren.

Gemäß dem jeweiligen Zweck, Bitten oder Danken, war das Wegekreuz eine Stiftung. Von Menschen, die zu bitten oder zu danken hatten, sie waren damit auch Zeichen der jeweiligen Zeit. Wobei der Dank für die Überwindung von Notzeiten sich gewöhnlich mit Verzögerung als "Zeichen am Wege" (Buchtitel von Dr. Paul Blaesen, Band 17 der Schriftenreihe des Heimatvereins Erkelenzer Lande) zeigte, also nach der wirtschaftlichen Erholung.

Gottes Segen für Autofahrer

Wegekreuze waren auch Bitt-Stellen für unfallfreie Reisen, so war es Brauch, an jedem ein kurzes Gebet zu sprechen, sich zu bekreuzigen. Wenn auch die meisten Kreuze im 19. Jahrhundert und früher errichtet wurden, so sind mehr als 20 im 20. Jahrhundert entstanden. Und eins davon als besonderes Zeichen der Zeit: Auf der Laurentius-Kirche in Houverath montierte die Dorfgemeinschaft 1983 ein Leuchtkreuz, das mit seiner Höhe von 1,50 Meter und Neonröhren "besonders den auf der Autobahn Fahrenden sagen soll, dass … wir ihnen Gottes Segen für ihren Weg erflehen", hielt die Pfarrchronik fest.

Quelle: RP
 
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