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Erkelenzer Land
Zug-Tradition nicht nehmen lassen

Erkelenzer Land: Zug-Tradition nicht nehmen lassen
Starke Präsenz zeigte die Polizei in diesem Jahr beim Tulpensonntagszug in Ratheim. FOTO: Laaser (Archiv)
Erkelenzer Land. Die Absage des Granterather Karnevalszugs 2017 schlägt Wellen. Der Veranstalter hatte in der Vorwoche erklärt, erstmals nach knapp 40 Jahren keinen Zug auszurichten - bis auf Weiteres. Als Hauptgrund nannten sie massive Probleme mit alkoholisierten und aggressiven Personen am Rande ihrer Brauchtumsveranstaltung. Von Anke Backhaus

Über die Absage des Karnevalszugs für 2017 in Granterath wird viel diskutiert. Mittlerweile sagen die Verantwortlichen von der Granterather Vereinsgemeinschaft, dass sie viel Zuspruch für die schwerwiegende Entscheidung erfahren haben. Auch andere Veranstalter großer Karnevalszüge zeigen Verständnis, bringen aber auch ihr großes Bedauern zum Ausdruck. Leider habe es eine Personengruppe geschafft, das Brauchtum ein Stück kaputtzumachen.

Als Granterather Jung' fühlt sich Franz Rick, der Vorsitzende der Erkelenzer Karnevalsgesellschaft von 1832, "irgendwie befangen". "Das Aus finde ich sehr schade, habe allerdings die Entwicklung gesehen. Es sind Zustände, die nicht schön und nicht mehr zu verantworten sind. Darum ist die Absage des Zuges eine logische Folge. Dem Veranstalter dürfen und sollten wir keine Vorwürfe machen", sagt Rick. Mit großem Bedauern sehe er, wie wieder ein Stück des Karnevals sterbe, dabei sei es doch das gemeinsame Ziel, Karneval für alle zu machen.

Peter Moll hatte eine ganze Zeit mit ähnlichen Problemen wie Granterath zu kämpfen. Er ist Zugleiter der RKG "All onger eene Hoot" und stemmt in Ratheim den großen Tulpensonntagszug. Mit Schrecken denkt er zurück: "Oft mussten wir den Zug stoppen, weil wir Alkoholisierte quasi von der Straße räumen mussten. Irgendwann sahen wir uns an dem Punkt, mit der Stadt Hückelhoven Gespräche zu führen." Gemeinsam habe man die erheblichen Probleme erörtert, schnell kam man schließlich zu Ergebnissen: "Wir haben eine Einigung darüber erzielt, dass die RKG für professionelles Sicherheitspersonal sorgt, die Stadt stellt Absperrgitter - vor allem am früheren Problempunkt Schmitter-/Heerstraße - und lässt die Mitarbeiter des Ordnungsamtes den Zugweg entlanggehen. Gerade jugendliche Besucher haben mittlerweile verstanden, dass es nichts bringt, als Alkoholleiche zu enden, denn die Stadt stattet deren Eltern Besuche ab, die für die jungen Leute sicher nicht angenehm sind. Und: Gaststätten am Zugweg dürfen während des Zugs keinen Tropfen Alkohol ausschenken."

Sind die Ratheimer mit diesen Maßnahmen zur Ruhe gekommen? "Und ob", bekräftigt Peter Moll. "Die Wege waren zwar hart, haben aber für einen reibungslosen Ablauf des Zugs gesorgt. Es kann doch nicht sein, Züge in Granterath, Hetzerath oder auch Opspringen absagen zu müssen, weil manche Leute ihre Grenzen nicht kennen. Das ist mehr als schade und macht denen alles kaputt, die friedlich und fröhlich Karneval feiern möchten. Wir in Ratheim sind gerne bereit, mit anderen Veranstaltern wie Granterath als jüngstes Beispiel zu reden, damit auch sie ihre Tradition wieder erfolgreich fortsetzen können."

Einer, der auch einen traditionsreichen Karnevalszug veranstaltet, ist Norbert Müschen, Präsident der Karnevalsgesellschaft "De Japstöck" Kückhoven. Stets am Tulpensonntag schicken die Rot-Weißen ihren Zug auf den Weg. "Im Moment weiß ich noch gar nicht genau, ob ich gut oder schlecht finden soll, dass der Zug in Granterath bis auf Weiteres nicht stattfindet. Er hat am Karnevalssamstag in Erkelenz das Zuggeschehen eingeläutet. Das war schon eine exklusive Sache." Generell, so hat er ausgemacht, habe der Granterather Zug viele auswärtige Gruppen angezogen, "darunter auch sicher solche, die darauf aus waren, ihre eigene Party zu feiern".

Auswärtige Gruppen gibt es auch in Kückhoven, wo sich der Zug auf die fünf Nachbarschaften stützt, die seit Anfang an als Wagenbau- und Kostümgruppen den Zug "tragen". Trotz dieses familiären Charakters ist es laut Müschen aber auch in Kückhoven eminent wichtig gewesen, einem negativen Trend entgegenzuwirken: "Wir haben früh angefangen, klare Regeln aufzustellen. Das fängt mit der Musik und deren Laustärke an und hört beim Zugausklang auf." Genau das betont auch Wassenbergs Zugleiter Heinz Wynen. Müschen stellt aber letztlich positiv fest: "Probleme mit Randale hatten wir noch nie."

Quelle: RP
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