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Andreas Wendholz
Zuschauer werden zu Mordermittlern

Erkelenz. Die Vielfalt der Theaterspielzeit in Mönchengladbach erläutert Operndirektor Andreas Wendholz.

Zwölf Titel enthält der Spielplan im Bereich Musiktheater in dieser Spielzeit, darunter Schwergewichte wie "Ein Maskenball", "Der Rosenkavalier", "Der Barbier von Sevilla" und "Katja Kabanova". Dazu kommen Musicals, eine Operette, eine Kinderoper und eine romantische Oper. Wie schaffen Sie das mit dem knappen künstlerischen Potenzial?

Andreas Wendholz Es wird nicht leicht, aber es ist alles gut durchgeplant. Wir wollen Vielfalt bieten für ganz unterschiedliche Bedürfnisse. So wollen wir mit dem Musical-Programm, voran "Das Geheimnis des Edward Drood", besonders auch Jugendliche ansprechen. Dabei setzen wir auf Regieteams, die bereits vielversprechendes Profil an unserem Theater gezeigt haben.

Und die Gesangspartien sind auch komplett aus dem Haus zu besetzen?

Wendholz Nicht vollständig, wir kommen nicht ganz ohne Gäste aus. Aber naturgemäß sind unsere finanziellen Mittel stark eingeschränkt.

Die Spielzeit eröffnen wird am 11. September die Verdi-Oper "Ein Maskenball". Die ist hier lange nicht mehr zu sehen gewesen, oder?

Wendholz Das war in der Spielzeit 1989/90. Andreas Baesler inszeniert die Oper aus Verdis mittlerer Schaffensperiode, Generalmusikdirektor Mihkel Kütson wird dirigieren.

Damit holen Sie erneut einen erfahrenen Regisseur, der hier schon mehrfach gearbeitet hat.

Wendholz Ja, Baesler hat hier "Das Gesicht im Spiegel", "Tod in Venedig" und "Die lustigen Weiber von Windsor" inszeniert. Es ist jetzt seine vierte Arbeit am Niederrhein.

Nach zwei Mozart-Opern - "Figaros Hochzeit" und "Don Giovanni" - wird auch der Südafrikaner Kobie van Rensburg wieder hier inszenieren. Diesmal ein Stück von Rossini.

Wendholz Wir glauben, dass Herr van Rensburg mit seiner speziellen, experimentierfreudigen Video-Gestaltung auch für die Komische Oper "Der Barbier von Sevilla" die passenden Ideen haben wird. Und wir freuen uns schon sehr auf den jungen südafrikanischen Tenor Levy Sekgapane, der gerade mehrere große Gesangswettbewerbe, unter anderem den Belvedere-Preis, gewonnen hat, er singt den Grafen Almaviva. Die Produktion kommt im November in Krefeld heraus und wird in der nächsten Spielzeit dann auch in Mönchengladbach zu sehen sein.

Dafür werden die Gladbacher mit dem "Rosenkavalier" von Strauss und Janáceks Sozialdrama um Schuld und Sühne, "Katja Kabanova", entschädigt. Aber was tut sich bei der leichteren Muse?

Wendholz Da bieten wir mit "Marlene, Judy, Marilyn" eine Uraufführung. Es wird ein hoch unterhaltsamer Abend mit Evergreens von Marlene Dietrich, Judy Garland und Marilyn Monroe. Zusammen mit Heinz Hox hat Roland Hüve diesen musikalisch-szenischen Abend entworfen. Es singen Debra Hays, Gabriela Kuhn und Susanne Seefing. Und dann gibt es mit "Frau Luna" die Berliner Operette schlechthin.

Und was hat es mit dem Geheimnis des Edwin Drood auf sich?

Wendholz Das ist ein spannender musikalischer Krimi, ein Musical, das auf dem gleichnamigen, Fragment gebliebenen Roman von Charles Dickens basiert. Der Clou besteht darin, dass das Musical vor dem Ende abbricht - und nun das Publikum gefragt wird, wen es für den Mörder im Stück hält. Die Zuschauer stimmen also ab, es wird dann ganz offiziell ausgezählt. Und schließlich wird die vom Publikum mehrheitlich gewünschte Schlussfassung aufgeführt. In Krefeld nahmen die meisten Besucher an, der Pfarrer sei der Täter. Ich bin gespannt, ob das auch in Mönchengladbach so gesehen wird.

Haben Sie einen Tipp aus dem Bereich "Theater extra"?

Wendholz Am 10. Oktober in Mönchengladbach und am 11. Oktober in Krefeld gibt es ein Gastspiel mit der Sopranistin Helen Donath und ihrem Ehemann Klaus Donath. Unter dem Titel "Ein glückliches Künstlerleben" erzählen sie aus ihrer 50-jährigen gemeinsamen Karriere.

DIRK RICHERDT STELLTE DIE FRAGEN.

Quelle: RP
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