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Erkrath
Afghane darf wieder in Apotheke arbeiten

Erkrath: Afghane darf wieder in Apotheke arbeiten
Bahir Barna darf immer noch nicht hinter der Ladentheke stehen. Der Aufruf bei Facebook sorgte für viel Wirbel. FOTO: Screenshot RPO
Erkrath. Bahir Barna kämpft um die Anerkennung als Apotheker. In der Bären-Apotheke in Unterfeldhaus hat er sich auf die Prüfung vorbereitet. Kurz vor dem Test wird ihm die Arbeitserlaubnis entzogen. Nun gibt es einen kleinen Erfolg. Von Oliver Wiegand

Gute Nachrichten aus der Bären-Apotheke in Unterfeldhaus: "Ab 1. Juli ist Herr Barna wieder bei uns angestellt. Die rechtliche Situation im Zusammenhang mit der Anerkennung seines Abschlusses ist leider noch nicht geklärt, aber es ist Bewegung in die Sache bekommen", schreibt Apotheker Wolfgang Wittig im sozialen Netzwerk Facebook. Bis zur Klärung habe man Barna eine Anstellung angeboten, die er gerne angenommen hat. "Beraten und Arzneimittel abgeben darf er im Moment leider nicht, aber er unterstützt uns beim Wareneingang. Wir freuen uns sehr, ihn wieder an Bord zu haben", so Wittig weiter.

Rückblick: Vor etwas mehr als einem Monat war Wittig verärgert und machte seiner Wut ebenfalls bei Facebook Luft. "Wir bedauern sehr, uns von unserem Mitarbeiter Bahir Barna verabschieden zu müssen", hieß es da. In den vergangenen sieben Monaten hat sich der Afghane auf die so genannte "Gleichwertigkeitsprüfung" zur Anerkennung seines abgeschlossenen pharmazeutischen Studiums an der Uni Kabul vorbereitet. Neben den notwendigen Fachkenntnissen müssen auch ausreichende Deutschkenntnisse durch zuvor besuchte Kurse nachgewiesen werden. Zuständig für diese "Gleichwertigkeitsprüfung" ist die Bezirksregierung in Düsseldorf.

Die hatte im Fall Bahir Barna zunächst eine Arbeitserlaubnis erteilt damit er als "Apotheker unter Aufsicht" in Erkrath arbeiten kann. Apotheker Wolfgang Wittig schwärmte in höchsten Töne vom Engagement des afghanischen Flüchtlings: "Viele von euch haben erlebt, wie Herr Barna in sehr gutem Deutsch fundiert zu allen Arzneimittelfragen beraten hat".

Eigentlich habe der Prüfung nichts mehr im Weg gestanden und er hätte in Kürze als Apotheker arbeiten dürfen. Doch kurz vor der Anerkennung sei in einer Behörde aufgefallen, dass ein notwendiges Dokument fehlt und eigentlich auch überhaupt keine Arbeitserlaubnis hätte ausgestellt werden dürfen. Eine Behörde in Berlin soll sich nun darum kümmern, dass das Dokument aus Kabul angefordert wird. Ob das funktioniert und wie lange das dauert, konnte niemand genau sagen. Das Problem: Bahir Barna bekam in der Zwischenzeit auch keine Verlängerung seiner Arbeitserlaubnis, um sein Praktikum in der Unterfeldhauser Apotheke fortsetzen zu können. Die Geschichte wurde auf Facebook in Windeseile weiter verbreitet und von vielen Menschen geteilt und kommentiert. Viele äußerten ihr absolutes Unverständnis über das Verhalten der Behörden. Es gab zahlreiche Interview-Anfragen, sogar Fernsehsender wollten den Fall der Erkrather Apotheke öffentlich machen.

Bahir Barna hat den großen Rummel um seine Geschichte allerdings eher mit gemischten Gefühlen betrachtet. Er wolle auf keinen Fall gegen das System arbeiten und sorgte sich, dass die ganze Aufmerksamkeit am Ende eher schaden als nützen könnte. "Herr Barna ist ein bescheidener, zurückhaltender Mensch", sagt Wolfgang Wittig.

Kunden beraten und Arzneimittel verkaufen darf Bahir Barna nach wie vor nicht. Derzeit ist er bei der Waren-Annahme beschäftigt. Wittig hofft, mit der Anstellung ein Zeichen gesetzt zu haben und freut sich über den kleinen Erfolg. Barna hofft natürlich, dass die endgültige Anerkennung seines an der Uni in Kabul erfolgen Abschlusses bald erfolgt.

Quelle: RP
 
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