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Erkrath/ Wuppertal
Bankräuberin: "Ich hatte hohe Schulden"

Erkrath/ Wuppertal: Bankräuberin: "Ich hatte hohe Schulden"
In der Filiale der Kreissparkasse Düsseldorf an der Schildsheider Straße brach die Angeklagte die Tat ab. Sie sei wieder gegangen, weil sie sich nicht ernst genommen fühlte, sagte sie gestern vor Gericht. FOTO: Dietrich Janicki
Erkrath/Wuppertal. Weil sie innerhalb von 24 Stunden mit einer Spielzeug-Pistole zwei Banken und die Post überfallen hat, steht eine 50-jährige Erkratherin jetzt vor Gericht. Die Beute aus dem zweiten Überfall lagerte sie im Hausflur vor ihrer Wohnung. Von Dirk Lotze

Eine frühere Zahnarzthelferin (50) aus Erkrath-Hochdahl hat vor dem Landgericht Wuppertal drei schwere Raubüberfälle gestanden. Zum Beginn ihres Strafprozesses gestern gab sie zu: Sie hat an zwei aufeinanderfolgenden Tagen Ende November mit vorgehaltener Spielzeugpistole in einer Bank an der Bergstraße in Hochdahl-Millrath 11 800 Euro erbeutet. Weil ihr das nicht reichte, habe sie wenige Stunden später noch einen Kiosk mit Postangebot nahe der S-Bahnstation Hochdahl beraubt - um mehr als 3000 Euro. Mit der Beute habe sie drückende Schulden begleichen wollen. Kurz nach dem Überfall auf den Kiosk wurde sie von der Polizei festgenommen.

Einen Tag zuvor war sie in einer Bank im Ladenzentrum an der Schildsheider Straße mit einem Raubversuch gescheitert. Sie sei wieder gegangen, sagt die Angeklagte, weil sie sich nicht ernst genommen gefühlt habe. Laut Zeugenaussagen hat dort sogar jemand gelacht - trotz der Ansage "Das ist ein Überfall" und trotz des finsteren Aufzugs der Frau mit schwarzer Kapuzenjacke und Mütze.

Dass eine ganze Reihe Kunden und Mitarbeiter in den beraubten Geschäften sehr ernsthaft erschrocken waren, ist auf den stummen Überwachungsvideos zu erkennen, die das Gericht gestern öffentlich vorspielen ließ: Ein Mann führt mit steinerner Miene seine Frau aus dem Gefahrenbereich; sie hält sich die Hände vors Gesicht. Schließlich legen sich beide auf den Boden - offenbar auf Anordnung der mutmaßlichen Täterin.

Die sichergestellte Pistole hielt Landrichterin Susanne Schleger über dem Richtertisch hoch: ein schwarzes Stück Plastik mit Lüftungsschlitzen am Lauf. Die Angeklagte sagt, das Spielzeug habe sie vom Sohn einer Freundin genommen. Unter welchen Umständen auch immer. Schleger hielt der 50-Jährigen vor: "Die Leute konnten nicht sehen, dass diese Pistole nicht gefährlich ist." Sie wisse das ja, antwortete die 50-Jährige unter Tränen. Die Fahndung nach ihr hatte starke Kräfte der Erkrather Polizei zwei Tage lang gefordert. Die Frau wurde schließlich in der Nähe des letzten Tatorts an der Hildener Straße festgenommen, weil eine Beschreibung auf sie ungefähr passte. Unterwegs gewesen war sie per Bus von ihrer Wohnung im beschaulichen Ortsteil Willbeck aus.

Die Beute wurde laut Gericht inzwischen an die Geschädigten zurückgegeben. Die mehr als 11 000 Euro aus der Millrather Bank hatte die Frau in einem Schirmständer vor ihrer Wohnungstür deponiert; im Treppenhaus, wo jeder Nachbar hineingreifen konnte. "Ich weiß auch nicht mehr, warum ich das gemacht habe", sagt die Angeklagte. Die ganzen Taten seien nicht sehr klug gewesen, merkte ihre Anwalt Klaus Wülfing an. Trotz der Angaben der Angeklagten bleiben vorerst viele Fragen offen. So berichtet die 50-Jährige immer wieder von hohen Schulden, über die sie den Überblick längst verloren habe. Mit dem Gerichtsvollzieher und Inkassobüros habe sie Ärger. Andererseits soll sie nur eine Woche vor der ersten Tat einen Kaufvertrag über ein Pferd unterschrieben haben - über 17 500 Euro. Laut Angeklagter hatte ein Bekannter ihr zugesichert, die Anschaffung zu zahlen und auch Reitunterricht für ihre Tochter zu übernehmen. Einzige Bedingung: Sie müsse ihre sonstigen Schulden loswerden - "weil es so nicht weiter geht". Das Gericht hat für heute weitere Zeugen geladen.

Der Prozess wird am Mittwoch um 9.15 Uhr vor dem Wuppertaler Landgericht fortgesetzt.

Quelle: RP