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Erkrath
Besondere Fotografien im Kunsthaus

Erkrath. Karl-Heinz Esseling zeigt in Erkrath eine Auswahl seiner Aufnahmen. Von Lars Mader

Hummeln haben ein untrügliches Gespür für Orte von blühender Schönheit. So kam es für den Fotografen Karl-Heinz Esseling einem großen Kompliment gleich, als unter der Woche eine jener brummenden Stechimmen einige Runden durch seine frühlingshaft anmutende Ausstellung in der alten Millrather Schule flog.

So wie die Hummel ihr Blütenstaubstöbern verfeinert, ist Esseling als Autodidakt in die Fotokunst hineingewachsen. Als er zwölf Jahre war, entdeckte er seine Passion für die Motivschatzsuche, die er zunächst in steter Begleitung eines sehr simplen Agfa Clack-Geräts anging: "Man konnte den Apparat nur zwischen Sonnenschein und Wolken einstellen. Aber er passte zu meinem Taschengeld damals." Später während seines Studiums der Sozialpädagogik bot sich ihm an der Fachhochschule in Kaiserswerth die Gelegenheit, ein kleines Fotolabor zu betreiben und auch das Entwickeln von der Pike auf zu lernen. "Dort haben wir im Keller gesessen und Bilder gebadet."

Als Kreativwerkzeug fiel die Wahl des Studenten auf eine günstige Praktica-Spiegelreflexkamera aus der DDR-Produktion. Inzwischen fotografiert er digital, doch aus dem titanenhaften Dauerstreit zwischen Canon-isten und Nikon-ianern hält er sich als Pentax-Nutzer gänzlich heraus: "Die Qualität der Ausrüstung ist nicht entscheidend." Letztlich bestimmend sei die Motivwahl und Esseling macht am liebsten bildhauerisch wirkende Fotos von Leuten. Angefangen von einem Pflegepraktikum im Krankenhaus, später mit der Betreuung von Kindern in Psychiatrien und Heimen, hat er sich über sein gesamtes berufliches Leben viel mit Menschen beschäftigt. In den letzten Jahren arbeitet für die VHS Erkrath als Dozent der Erwachsenenbildung und gab Fotokurse.

Eine Auswahl der besten Beispiele für sein Werk der letzten sieben Jahre hat er nun aus seinem umfassenden Archiv herausgefiltert. Gut die Hälfte der Bilder präsentiert er als Schwarz-Weiß-Abzüge: "Die wesentlichen Bildinhalte kann man damit besser transportieren. Da lenkt keine Farbe ab und kein buntes Chichi. Es ist reduziert auf die Aussage." So müsse nach seinem Empfinden eben einfach manches Portrait zwingend kontraststark, andere wieder unbedingt in farbig facettenreich sein, auch wenn er die hohe Kunst sonst mit humoriger Distanz angeht:

"Menschen finde ich spannend. Da kenne ich mich aus, denn ich bin selber einer und kenne auch ganz viele." An einer Prominentenwand zeigt Esseling seine Paparazzischüsse von Bühnengrößen, die immer knapp neben den Allgemeinfokus zielen. Gern kombiniert er Digitalkameras mit jenen analogen Objektiven, welche man heute sehr günstig gebraucht erstehen kann. Derzeit experimentiert er mit einem Objektiv mit der winzigen Blende 64, die eine außergewöhnliche Tiefenschärfe ermöglicht.

Inszeniert sind seine Figuren nie. Esseling hat sie en passant entdeckt; ob bei einer Stadtführung durch die Altstadt von Münster oder bei den Mysterienspielen eines Mittelaltermarktes. Wie Caspar David Friedrich schaut er - und die Bildbetrachter - mit umschlungenen Liebespaaren in deren rosaschattierte Welt: "Ein Bild ist für mich dann interessant, wenn ich beim Betrachten mehr als zwei Sekunden verweile." Dem Förderkreis Kunst + Kulturraum, der das Kunsthaus mit immer neuen Aktionen belebt, gehört Esseling seit einiger Zeit an, doch ist dies seine erste eigene Ausstellung.

Quelle: RP
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