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Erkrath
Die Schuldnerberatung hat viel zu tun

Erkrath: Die Schuldnerberatung hat viel zu tun
Ihre Arbeit kann man nicht hoch genug schätzen: Ulrike Conrad (links) und Carmen Wolf helfen verschuldeten Erkrathern durch die Verbraucherinsolvenz. FOTO: Dietrich Janicki
Erkrath. Im Jahr 2016 nahmen 174 Ratsuchende das Beratungsangebot des SKFM in Anspruch. Der Bedarf ist weitaus größer. Von Cordula Hupfer

"Unsere Klientel ist gewachsen - und die meisten kommen leider erst, wenn es richtig brenzlig wird", sagt Ulrike Conrad von der Schuldnerberatung des Sozialdienstes Katholischer Männer und Frauen (SKFM). Auf Antrag der Grünen erläuterte der Fachdienst im Sozialausschuss seinen Jahresbericht für 2016. Er bestätigt den bundesweiten Trend, dass die Überschuldung privater Haushalte ein Massenphänomen ist.

174 Ratsuchenden wurde 2016 in Erkrath geholfen, davon 122 mit einer Langzeit- und 52 mit Kurzzeitberatung. Doch die Nachfrage ist wesentlich größer als das Aufnahmevermögen der Beratungsstelle, so dass Wartelisten mit Zeiten bis zu einem halben Jahr geführt werden müssen. In akuten Fällen werde allerdings immer eine Sofortberatung gewährt, "damit nichts anbrennt".

Alleinlebende und besonders alleinerziehende Frauen haben ein hohes Armutsrisiko und häufig Schulden. FOTO: voba

Insgesamt sind die Beratungen zeitintensiver und anspruchsvoller, komplexer geworden. Weil es vielen, die in die Schuldenfalle geraten sind, offenbar an grundlegenden alltäglichen Fähigkeiten mangelt - und/oder weil sie, was auch nicht selten vorkommt, mit Erkrankungen kämpfen, physisch oder psychisch. Dies kann Ursache der Verschuldung sein oder die Arbeitsfähigkeit so weit beeinträchtigen, dass ein Entrinnen aus dem Schuldenkreislauf erheblich schwieriger wird. Keine leichte Aufgabe also für das zweiköpfige Kernteam der Fachberatung, Sozialarbeiterin Ulrike Conrad und Sozialpädagogin Carmen Wolf, die beide über therapeutische Zusatzqualifikationen verfügen und diese auch immer öfter für ihre Arbeit brauchen.

Zu ihnen kamen 2016 Männer (55 Prozent) und Frauen (45 Prozent) in die Beratung, wobei die Frauen den Männern bis zu einer Schuldenhöhe von 50.000 Euro mittlerweile fast gleichgezogen sind. In der Kategorie 50.000 bis 100.000 haben die Männer dann wieder eindeutig die Nase vor, sie machen also nach wie vor deutlich höhere Schulden als Frauen. Die meisten Schulden melden weiterhin alleinlebende und alleinerziehende Menschen. Auch ausländische Ratsuchende haben einen großen Anteil an der Fachdienst-Klientel, da ihre Sprachkenntnisse häufig derart mangelhaft sind, dass ihnen die Regelung finanzieller und vertraglicher Angelegenheiten sehr schwerfällt oder kaum möglich ist.

Auch das Thema Altersüberschuldung macht sich zunehmend in der Beratungsstelle bemerkbar. Waren 2015 schon elf Prozent der Ratsuchenden älter als 60, ist die Zahl 2016 auf 14 Prozent gestiegen. Gar nicht zur Beratung kommen die unter 20-Jährigen, obwohl die Zahl junger überschuldeter Verbraucher laut Schuldner-Atlas 2016 immer noch bei 14,5 Prozent liegt. So bleibe "die fehlende präventive Arbeit insbesondere bei jungen Menschen, um sie in der Entwicklung eines kritischen Konsumverhaltens und dem Erwerb von Finanzkompetenz zu unterstützen", ein wichtiges Thema, betonen die Berater.

Auch ein drängendes Thema aus dem Schuldnerberatungsalltag: Armut trotz Arbeit. Die allgemein gesunkene Arbeitslosenquote verschleiere die Tatsache, dass immer mehr Erwerbstätige, die Beratung brauchen, in sogenannten prekären Arbeitsverhältnissen oder Minijobber sind, denen nach Abzug aller fixen Kosten kaum Geld genug für Essen und Trinken übrig bleibt. Eine Arbeits- und Sozialpolitik, die vorbeugend Armut reduziert beziehungsweise verhindert, sei auch Schuldenprävention, heißt es im Jahresbericht. Hier sei der Gesetzgeber gefordert, entsprechend tätig zu werden, damit Arbeitgeber zum Beispiel den Mindestlohn zahlen.

Quelle: RP
 
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