Erkrath Diesen Handy-Abzockern drohen jetzt noch höhere Strafen

Erkrath/Wuppertal · Hohe Haftstrafen hatten zwei junge Männer bereits 2016 vom Mettmanner Amtsgericht aufgebrummt bekommen, weil sie mehrfach und brutal Passanten in Erkrath ihrer Handys beraubten. Im Berufungsverfahren drohen jetzt sogar noch längere Strafen.

 Vor dem Wuppertaler Landgericht müssen sich die beiden jugendlichen Räuber derzeit verantworten.

Vor dem Wuppertaler Landgericht müssen sich die beiden jugendlichen Räuber derzeit verantworten.

Foto: magu

Sie lauerten ihren arglosen Opfern am Millrather Bahnhof auf. Mitten in der Nacht und immer dann, wenn niemand hätte zu Hilfe eilen können. Aus einer vermeintlichen Ansprache wurde schnell die Androhung von Gewalt. Dann wurde geschubst, eines der Opfer erinnert sich an einen Schlag ins Gesicht. Der junge Mann fiel rückwärts auf die Straße und hatte noch Tage später an den Folgen einer Gehirnerschütterung zu leiden.

Ein anderer wagte sich nach den Übergriffen noch nach Monaten nachts nicht mehr allein auf die Straße. Und warum das alles? Die beiden Täter hatten es auf die Handys ihrer Opfer abgesehen. Im vergangenen Jahr hatten sie vor dem Mettmanner Amtsgericht über ihre Handy-Abzocke gesprochen und die Taten zugegeben. Dennoch fiel die Strafe mit drei Jahren für den einen, und drei Jahren und sechs Monaten Freiheitsentzug für den anderen vergleichsweise hoch aus.

Nicht nur, weil bei beiden so einiges im Vorstrafenregister zusammengekommen war. Sondern wohl auch, um klar zu machen, dass es sich nicht um eine harmlose Bagatelle handelt. Die Anwälte der beiden 25 und 24 Jahre alten Angeklagten hatten damals Berufung gegen das Urteil eingelegt und hofften auf eine geringere Strafe für ihre Mandanten, die dann möglicherweise hätte zur Bewährung ausgesetzt werden können.

Nun also wird vor der Strafkammer des Wuppertaler Landgerichts neu verhandelt und ziemlich schnell war klar: Mit einer Bewährung ist allem Anschein nach nicht zu rechnen. Denn plötzlich tauchte noch eine weitere Anklage wegen ähnlicher Delikte gegen die beiden Männer auf, von der weder die Angeklagten noch deren Verteidiger etwas wussten. "Das können dann insgesamt schon fünf bis sieben Jahre werden", rechnete Richter Thomas Bittner den Angeklagten vor, womit sie als Gesamtstrafe zu rechnen haben.

Schon vor dem Beginn der Verhandlung hatte das Verhalten eines der Angeklagten den Richter recht ungehalten werden lassen. Denn der kam beinahe eine Dreiviertelstunde zu spät, während alle anderen Beteiligten des Verfahrens auf ihn warten mussten. Dann erzählte er auch noch, in Düsseldorf ohne gültiges Ticket in die S-Bahn gestiegen zu sein. "Stehen Sie beim nächsten Mal früher auf und kommen Sie pünktlich und mit Fahrschein", mahnte der Richter den Angeklagten zu mehr Respekt.

Der wiederum plauderte munter drauflos und verfolgte im Laufe des Verfahrens die Worte seiner Anwältin kopfnickend. Auch als die Szene in der Bahn zu Sprache kam, bei der die Angeklagten die Hilfsbereitschaft eines Jugendlichen ausgenutzt hatten, der ihnen sein Handy zum vermeintlichen Telefonieren lieh, verzogen die beiden jungen Männer keine Miene. Auch dieses Handy wanderte in die Taschen der Angeklagten. Dazu auch noch die Bankkarte ihres Opfers, das sie zuvor noch gezwungen hatten, die PIN herauszurücken und eine Vollmacht zu schreiben.

Es wird noch einen weiteren Verhandlungstag geben, zu dem der psychiatrische Gutachter gehört werden soll. Einer der Täter hatte bislang vier vereinbarte Gutachtertermine verstreichen lassen - nun soll er im Vorfeld der nächsten Verhandlung befragt werden.

(magu)
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