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Erkrath
DVD: In 50 Minuten durchs Neandertal

Erkrath: DVD: In 50 Minuten durchs Neandertal
Die Filmemacher Hans-Joachim Dietz, Sonnia Menke, Gottfried Bander und Peter Menke (v.r.) am Lokschuppen vor den 380 Millionen Jahre alten Steinen aus dem Neandertal. FOTO: Lars Mader
Erkrath. Der Film führt die Zuschauer in frühere Jahrhunderte zurück und zeigt die Entstehungsgeschichte des Neandertals. Von Lars Mader

Manche Momente möchte man festhalten. Gottfried Bander erging es so etwa vor zwei Jahren anlässlich eines Vortrages über das Naturschutzgebiet Neandertal, den Dr. Hans-Joachim Dietz bei der Arbeiterwohlfahrt im Bürgerhaus Hochdahl hielt: "Das hat mir so gut gefallen, dass ich dachte, es wäre zu schade, wenn das jetzt verlorengeht."

Die Aufgabe, die gehaltreichen Ausführungen des Vorsitzenden des Erkrather Geschichtsvereins in Filmsprache zu übertragen, vertraute Bander der Grafikdesignerin Sonnia Menke und deren Mann Peter an. Mit ruhiger Hand und drei Kameras komponierte der die Visualisierung: "Das war absolutes Neuland. Bislang hatten wir bloß Naturfilme und Konzertaufzeichnungen gemacht." Um die Zuschauer in frühere Jahrhunderte zurückzuversetzen, drehte Menke einige Panoramen in Schwarz-Weiß. Mit diesem verblüffenden, historisierenden Effekt lässt er jene Sequenzen tatsächlich wie vor Urzeiten gedreht erscheinen: "Es war einfach interessant, die Information von Dietz im Bild umzusetzen. Auch haben wir uns sehr darüber gefreut, dass wir im Neanderthal Museum Aufnahmen machen konnten."

Sonnia Menke schwärmt von den vielen Mitwirkenden des Projektes: "Allein die Recherche war schon eine spannende Aufgabe. Wo kriegt man was her?" Der Wülfrather Zeittunnel lieferte Kartenmaterial; die Archivare der Stadt und des Kreises stellten zahlreiche Quellen zur Verfügung. Das Grundgerüst des Films lieferte eine Wiederholung des Vortrages, diesmal aufgezeichnet im Dorf Gruitener Haus am Quall, dessen Fachwerkwände eine Kulisse mit Lokalkolorit boten. Dietz stellt neben bekannten und dank örtlicher Straßennamen stets präsenten Zeitzeugen Neander, Fuhlrott, Bongard und Daelen auch den weniger bekannten Friedrich Leopold Graf zu Stolberg vor. Zu dessen romantischen Reisebeschreibungen des Tals durchfliegt eine fantastische Computeranimation des Hildeners Ralph Gellwitzki die Knochenfundhöhle Leuchtenburg.

Dietz weiß als überzeugter Lokalhistoriker: "Wenn man im Kleinen mit der Geschichte arbeitet, kann man so viel entdecken. Man braucht dafür nicht nach Pompeji oder auf die Akropolis zu fahren." Das vor knapp hundert Jahren entstandene Naturschutzgebiet sei heute vorbildhaft, urteilt er: "Es war einst ein durch den industriellen Kalkabbau völlig desertifiziertes Gelände, in dem dann Gaststätten entstanden und Erholung stattfand." Die ungewöhnliche Kombination aus Zerstörung und Bewahrung hat immer wieder Ideen inspiriert. So war in den 30er Jahren geplant, Schauhöhlen ins Gestein zu schlagen. In den 60er Jahren sollte das Gebiet dann zu einem riesigen Naturpark erweitert werden. Dietz schließt mit einer Gegenwartsbetrachtung: "Die Natur nimmt sich zurück, was ihr geklaut wurde. Es gibt dort lauter Pionierpflanzen und die Naturschützer sind begeistert." Damit die nun fertige historische Dokumentation ihr Publikum findet, denkt Produzent Bander über Verbreitungswege nach: "Man könnte die Schulen ansprechen. Der Lokschuppen bietet sich für eine Präsentation geradezu an. Ich könnte den Film natürlich auch einmal beim Trillser Straßenfest zeigen." Dort führt Bander jährlich Schätze aus seinem Privatarchiv zur Ortsgeschichte vor: "Die Kosten werden wohl nicht wieder eingespielt."

Quelle: RP
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