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Erkrath
Erkrath im Wahlfieber

Erkrath. Gestern gaben sich die Bürger in den Wahllokalen die Klinke in die Hand - mit Wartezeiten musste gerechnet werden. Von Cordula Hupfer

Die ältere Dame hatte Glück und konnte gleich zur Wahlkabine vorrücken. Sie sei eine stetige Wählerin, erzählte sie nach der Stimmabgabe im Gespräch mit der Rheinischen Post. "Ich habe nicht nur das Recht, wählen zu können, für mich ist das auch eine Pflicht", sagt sie. Seit langem schon halte sie dabei einer Partei die Treue, nur ein einziges Mal habe sie ihre Zweitstimme einer anderen Partei gegeben, ergänzt die Seniorin, die ihren Namen aber lieber nicht in der Zeitung lesen möchte. Jungwählerin Jil McDowell hatte damit kein Problem. Sie kam gestern gemeinsam mir ihrer Mutter ins Rathaus und freute sich über deren Empfehlung: "Nehmen Sie mal meine Tochter aufs Foto, die ist viel fotogener als ich." Allgemeine Heiterkeit im Wahlbüro, in dem gestern Nachmittag ordentlich zu tun war.

"Die Berichterstattung über ein mögliches Kopf-an-Kopf-Rennen in NRW hat vielleicht viele motiviert, ihre Stimme doch noch abzugeben", so die Einschätzung von Vize-Wahlvorstand Jörg Birkhölzer. Gemeinsam mit vier Kollegen wachte er im Rathaus über die ordnungsgemäße Abwicklung des Wahlgeschäfts. Jemandem, der seine Stimme abgeben will, zu helfen, sei zwar erlaubt, aber nur im Ausnahmefall, etwa wenn ein älterer Mensch seine Brille vergessen habe. Hin und wieder kamen auch Erkrather ins Rathaus, die ihre Wahlbenachrichtigung und damit die Information über ihr Wahllokal verlegt hatten und im Zweifelsfall erst einmal die Zentrale, das Rathaus, ansteuerten. "Das kommt immer mal vor, dass Leute ins falsche Wahllokal gehen, aber da können wir schnell helfen", berichtet Birkhölzer. Wer in Erkrath lebt, aber kein deutscher Staatsbürger ist, konnte gestern übrigens nicht an der Wahl teilnehmen. "Da standen dann schon ein paar verwunderte Niederländer und Franzosen in den Wahllokalen und fragten nach, warum sie keine Stimmzettel bekommen", erzählte Wahlleiter Carsten Döhr. Bei ihm liefen alle Fäden zusammen, landeten alle Fragen und Zweifelsfälle aus 20 Erkrather Wahllokalen mit zirka 33.000 Wahlberechtigten - was sich vor allem am ziemlich häufigen Klingeln des Telefons ermessen ließ. Sein Arbeitstag im Wahlamt dauerte gestern von 6 bis 24 Uhr. "Wir sind hier zum Glück ein sehr erfahrenes Team", sagte Döhr. Erfahren genug auch, um sich für den langen Tag mit Kuchen, Brötchen und Obst einzudecken. Nervennahrung war angesagt, denn schon wieder klingelte das Telefon. Diesmal ging es um die Briefwahlumschläge, die aber ebenfalls erst nach 18 Uhr geöffnet, geprüft und ausgezählt werden. Die Abstimmung per Brief werde in den letzten Jahren stetig nachgefragt, sie liege recht konstant bei 17 bis 20 Prozent, erzählt Döhr. Früher habe man nur im Ausnahmefall mit einer guten Begründung per Brief wählen dürfen, heute könne das jeder ohne Angabe von Gründen. Es gebe also streng genommen keine Ausrede mehr, wenn es ums Wählen geht.

Allerdings seien die Erkrather ohnehin recht wahlfreudig, berichtet Carsten Döhr. Die mit Abstand meisten Stimmen würden stets bei der Bundestagswahl abgegeben, zuletzt rund 80 Prozent.

Quelle: RP
 
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