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Erkrath
Erkrather lieben Grass' "Krebsgang"

Erkrath. An den Tod von Günter Grass vor einem Jahr erinnerte die Hochdahler Germanistin Elke Nußbaum jetzt im Kultur-Café der Volkshochschule mit dem Vortrag "Günter Grass - Künstler und Mensch". Ein halbes Jahr lang habe sie sich vorbereitet, sagte Elke Nußbaum, denn nicht selten umfassen die weltberühmten Romane bis zu 800 Seiten. "Das eine oder andere Buch habe ich quergelesen", gesteht sie. Von Gundel Seibel

Die rund 40 Besucher des Kultur-Cafés in der Stadtbücherei des Bürgerhauses erlebten einen interessanten, fundierten Vortrag über den streitbaren Intellektuellen und Bildhauerdichter Grass, anhand von Roman- und Gedichtpassagen und autobiographischen Bekenntnissen des Jahrhundertschriftstellers. Sein Leben und die Menschen, die ihm wichtig waren oder solche, die er hasste, lernte der Besucher ebenso kennen. Und sie erfuhren mehr über den politischen "Bürger Grass". Der war zum Beispiel nur zehn Jahre lang SPD-Mitglied und beschloss seinen Austritt, als die Partei die Abschiebung von Roma und Sinti unterstützte. "Sie fehlen uns", hat Grass seine Entscheidung begründet.

Viel verband ihn mit Düsseldorf. Hier hat er nach dem Krieg an der Kunstakademie bei Otto Pankok Bildhauerkunst studiert, 1959 hat er die Blechtrommel geschrieben, 1963 wurden in Düsseldorf öffentlich seine Bücher verbrannt, 1999 erhielt er den Nobelpreis für Literatur, sein Buch "Das Häuten der Zwiebel" gibt Einblicke in das Altstadt-Lokal Czikos.

Bis drei Tage vor seinem Tod soll Grass an seinem letzten Buch "Vonne Endlichkeit" mit Prosa, Gedichten und Zeichnungen geschrieben. Dieses Buch darf in der Stadtbücherei Erkrath kostenfrei ausgeliehen werden. Das am häufigsten entliehene Grass-Buch der Bücherei ist "Im Krebsgang", das 2003 erschien. Insgesamt hat die Erkrather Bücherei acht Bücher im Repertoire. "Grass wird im Ausland mehr gelesen als in Deutschland", weiß Elke Nußbaum. Weltweit seien vier Millionen Bücher in 40 Sprachen verkauft worden.

In "Vonne Endlichkeit" bestimmen Günter Grass und seine Frau unter anderem, aus welchem Holz ihre Särge gearbeitet werden sollen. Er hat sich Birke ausgesucht. In Danzig ist Grass geboren, in Lübeck starb er am 13. April 2015. Über das, was danach kommt, sagt er: Futsch und vorbei!

Nächster Termin im Kultur-Café: Am Mittwoch 1. Juni, 19.30 Uhr, singt Max Erben, wohnhaft in Köln, gebürtig aus Frankreich, französische Lieder und Chansons.

Quelle: RP
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