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Erkrath
Erster Informationstag rund ums Handicap

Erkrath: Erster Informationstag rund ums Handicap
Marion Kremerius, Behindertenbeauftragte der Stadt Erkrath, organisiert unter dem Titel „Behindert? Na und?“ Erkraths ersten Infotag für Menschen mit Behinderung. FOTO: Nicole Marschall
Erkrath. Zahlreiche Vereine, Organisationen und Unternehmen bieten in Erkrath und Umgebung Hilfe für Menschen mit Behinderung an. Sie alle zu einem Infotag ins Bürgerhaus zu holen, hat sich Erkraths Behindertenbeauftragte Marion Kremerius zum Ziel gesetzt. Von Nicole Marschall

"Behindert? Na und?" steht auf dem Flyer, den Marion Kremerius für den Infotag, den sie am 16. September im Bürgerhaus Hochdahl organisiert, entworfen hat: "Ich möchte viele Leute, die Unterstützung anbieten, in die Halle holen. Die Betroffenen sollen sehen, dass es hier in Erkrath ganze Pakete an Hilfsmöglichkeiten gibt", sagt sie. Gerade auch Jugendlichen und jungen Erwachsenen möchte die Behindertenbeauftragte mit der erstmals in Erkrath geplanten Aktion zeigen, dass sie mit ihrem Handicap nicht alleine sind: "Die Betroffenen sollen das Gefühl bekommen, dass sie zu ihrer Behinderung stehen können." Und sie sollen sehen, dass es viele andere mit Handicaps gibt, und dass es ein großes Angebot - von Unterstützung im Haushalt bis zur Freizeitgestaltung - gibt.

Die im Bürgerhaus präsentierten Angebote sollen auch Ängste und Blockaden abbauen. "Behinderte dürfen sich nicht durch ihre eigene Angst lähmen lassen. Die Theatervorstellungen in Erkrath beispielsweise sind barrierefrei besuchbar", nennt Kremerius ein Beispiel: "Man hindert sich oft selbst mit seiner Scheu." Das weiß sie als Multiple-Sklerose-Betroffene und Leiterin der Selbsthilfegruppe MS-Treff Erkrath selbst sehr gut. Wer andere anspreche, "sich oute", erfahre viel mehr Hilfsbereitschaft, als er oder sie denke. Die Selbsthilfegruppe ist am 16. September auch vor Ort und lässt mit einem "Fühlkoffer" Nichtbetroffene die Welt so wahrnehmen, wie sie die Multiple-Sklerose-Patienten erleben: Dicke Handschuhe und Gewichte an den Beinen, die einem jede Bewegung erschweren, oder eine Brille, die das Sehvermögen reduziert, gehören dazu.

Wie viele Vereine, Organisationen und Unternehmen an der Messe teilnehmen wollen, überrascht selbst die Organisatorin: "Ich bin begeistert, dass die Leute so mitmachen. Sogar das Team des Franziskus-Hospiz Hochdahl hat angefragt, ob es mitmachen darf."

So sind beispielsweise die Wohnberatung der Stadt Erkrath und des Kreises Mettmann vor Ort. Letztere beraten auch zur Frühförderung und Behindertenausweisen. Eine Rechtsanwältin referiert zu Problemen mit der Krankenkasse oder dem Versorgungsamt, verschiedene Pflegedienste, Krankengymnasten und Logopäden, die Kontakt- und Beratungsstelle für Menschen mit Behinderung (KoKoBe) und Hephata Wohnen stellen sich vor, Awo und VHS Erkrath bieten Bewegungsaktionen an und die IG Erkrath sorgt gemeinsam mit der Großen Erkrather Karnevalsgesellschaft fürs Catering. Interessant sind auch das Angebotsspektrum der Hundeschule CaNeo, die Assistenz-, Blinden- und Diabetikerhunde ausbildet, oder der behindertengerechte Fahrzeugumbau der Firma Kadomo.

Die Messe möchte auch Lust auf diverse Freizeitaktivitäten machen und zeigen, was mit Behinderung möglich ist: Bustouren mit dem auf Reisen mit Behinderten spezialisierten Unternehmen DL MedTrans oder begleitetes Radfahren für Sehbehinderte mit dem ADFC oder Appelbaum beispielsweise.

Das Naturschutzzentrum Bruchhausen stellt seine unterfahrbaren Hochbeete vor, in denen sich vom Rolli aus gärtnern lässt, das benachbarte Planetarium Stellarium ist geöffnet und zeigt neben seinem regulären Programm, dass es einen Aufzug gibt, mit dem auch Gehbehinderte problemlos die im ersten Stock liegende 360°-Kuppel erreichen können.

Und auch die Bücherei ist geöffnet und stellt unter anderem spezielle Medien für Sehbehinderte vor. Die schwerstbehinderte Düsseldorfer Künstlerin Annette Jablonski stellt vor Ort Wachsbilder her, die Neanderart-Group sorgt für die kreative Unterhaltung der Kinder und Percussion-Musiker mit Handicap für musikalische Untermalung.

Freuen würde sich Marion Kremerius auf jeden Fall noch über die Anmeldung weiterer Selbsthilfegruppen; die seien in Erkrath recht rar gesät.

Quelle: RP
 
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