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Erkrath
Flüchtlingsmädchen tanzen mit

Erkrath: Flüchtlingsmädchen tanzen mit
Beim "Dance for Girls" im TSV Kinder- und Jugendzentrum sind Sprachbarrieren kein Thema. Tanzen kann man auch ohne Worte. FOTO: Nicole Marschall
Erkrath. Mit dem Angebot "Dance for Girls" bringt der TSV Hochdahl Mädchen aus den Übergangswohnheimen mit den Besucherinnen seines Kinder- und Jugendzentrums gemeinsam in Bewegung. Von Nicole Marschall

Aktuelle Chart-Hits schallen durch die Turnhalle des TSV Kinder- und Jugendzentrums am Bürgerhaus Hochdahl. Vor dem großen Spiegel haben sich 18 Mädchen im Alter von sechs bis 14 Jahren aufgestellt und imitieren die Schritte, die ihnen Übungsleiterin Claudia Andraczek und Anika Kaiser vormachen. "Vorige Woche haben wir eine Choreographie zur Musik vom Justin Biber gelernt. Das ist schon ganz schön schwer", sagt Lima, mit 14 Jahren eines der ältesten Mädchen in der Gruppe, "aber durch die Art, wie wir das hier einüben, lernt man es ganz leicht." Besonders von Ehrenamtlerin Annika Kaiser ist die Schülerin begeistert: "Sie kann super tanzen und ist eine gute Freundin für uns geworden."

Annika geht selbst noch zur Schule und besucht die 12. Klasse eines Berufskollegs in Düsseldorf. Als im vergangenen Jahr immer mehr Flüchtlinge nach Erkrath kamen, meldete sie sich bei der Ehrenamtsbörse; in der Flüchtlingsunterkunft an der Freiheitstraße traf sie dann auf Gabriela Klosa vom TSV Hochdahl. Dass Annika ein Händchen für den Umgang mit Kindern und Jugendlichen hat, hatte schon ihre eigene Tanzlehrerin gemerkt und sie darin bestärkt, jungen Menschen das Tanzen beizubringen.

Im Sommer bot der TSV sein "Dance for Girls" erstmals in der Unterkunft an der Freiheitstraße an. "Dort konnten dann auch die Eltern sehen, was wir mit den Kindern machen", erklärt Diplom-Sozialpädagogin Klosa. "Wir haben uns mit dem Angebot speziell an die Mädchen gerichtet, denn die Jungs sind oftmals schon durch die Fußballvereine gut versorgt." Nach den Sommerferien wurde der Kurs dann im TSV Jugendzentrum in Hochdahl weitergeführt, damit die Mädchen aus den Flüchtlingsunterkünften gemeinsam mit den Besucherinnen des Jugendzentrums spielen und trainieren können. Dabei übernahmen die deutschsprachigen Jugendzentrumsbesucherinnen ganz von selbst die Rolle von jungen Übersetzerinnen. "Viele unserer Kinder sprechen als zweite Sprache Arabisch oder Türkisch", weiß Klosa. Und wenn das mal nicht weiterhilft, ergänzt Anika Kaiser, verständigen sich die Kids halt mit Händen und Füßen.

Damit die Flüchtlingskinder von der Freiheitstraße und aus dem Tamara Hotel aber überhaupt zum TSV Hochdahl kommen können, ist Harald Mars donnerstagsnachmittags regelmäßig als Busfahrer im Einsatz. Der ehemalige Lehrer und Banker engagiert sich im Verein Tinkerbell, über den er als Busfahrer für den TSV tätig wird. Auch den Bürgerbus fährt er zeitweise. Die Fahrten mit den Kindern machen ihm aber besonders Spaß. "Es ist toll zu sehen, wie sie sich freuen, wenn ich sie abhole." Manchmal gebe es regelrechte Kämpfe, wer denn mit darf, denn in dem Kleinbus kann Mars nur acht Fahrgäste mitnehmen und die Jungs wollen oft mit, um im Jugendzentrum zu spielen.

Zurzeit werden aber nicht mehr ganz so viele Sitzplätze benötigt, denn mehrere Familien aus den Übergangswohnheimen haben in den letzten Wochen eigene Wohnungen beziehen können. Darüber freut sich Mars für seine Schützlinge, denn er weiß, dass es für sie nicht einfach war: "Bei schlechtem Wetter saßen die zu dritt oder viert in einem Zimmer. Auch für die Kinder war das nicht prickelnd. Da waren die Angebote vom TSV eine willkommene Abwechslung."

Und das sind sie für viele auch weiterhin: Einige Mädchen kommen nun selbständig von ihrem neuen Zuhause aus zum Tanzkurs.

Quelle: RP
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