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Erkrath
Fotografin zeigt den Charme welkender Blumen

Erkrath. Blumen sind Wegwerfartikel, aber: "Alt werden hat Würde", sagt Annette Hempfling. Ähnlich wie in den Gesichtern älterer Menschen entdeckt die Münchner Fotografin auch in welkenden Pflanzen wahre Schönheit. "Ich glaube, wir werfen unsere Blumen viel zu früh weg" - Sätze wie diese hat sie schon öfters von Besuchern gehört, die überwältigt vor ihren großformatigen Scannogrammen stehen. Das Morbide hat Charme - genauso wie die aufkeimende Schönheit der jungen Knospe. "Ich konnte mir zuerst gar nichts darunter vorstellen, als unsere Förderkreis-Kollegin Helga Dieringer mir von Annette Hempflings Arbeiten erzählte", sagt Werner Rutz vom Förderkreis Kunst und Kulturraum Erkrath: "Als ich dann Annettes Katalog sah, war ich total begeistert." Als Gastkünstlerin hat der Förderkreis die Münchner Fotografin nun eingeladen, passend zur dunkler werdenden Jahreszeit ihr Projekt "Still bewegt" im Kunsthaus auszustellen. Zu sehen sind Zeitrafferaufnahmen von erblühenden und allmählich verwelkenden Pflanzen und Scannogramme, die an Stillleben alter niederländischer Meister erinnern. Die Aufnahmetechnik gibt den Bildern aus dem Großbildscanner ungewöhnliche Tiefe, leuchtende Farbigkeit und anmutige Ästhetik. Außerdem werden Details sichtbar, die die Künstlerin mit dem Fotoapparat in dieser Art nicht hätte einfangen könnten: Der Blütenstaub bleibt zum Beispiel auf der Scanplatte liegen und friert den Moment in der Szene ein. Von Nicole Marschall

"Bis zu vier Wochen beobachte ich die Pflanzen unter Laborbedingungen - und hoffe, dass sie das machen, was ich erwarte", lacht Hempfling. Nicht immer tun sie das, musste sie dabei lernen. Die Tulpen beispielsweise brauchten zu viel Wasser und waren schneller "dahin" als vorgesehen. "Man lernt dabei viel über die Blumen. Und man denkt gar nicht, wie viel sie sich in dieser Zeit bewegen." Die Zeitraffer-Videos belegen das: Vier Wochen - von der Knospe bis zum Kompost - verdichtet sie mit bis zu 10.000 Einzelbildern auf wenige Minuten. "In ihrer Auflösung zeigt jede Pflanze ihre Einzigartigkeit noch charakteristischer als in ihrem Erblühen", beschreibt Annette Hempfling die Anziehungskraft der Bilder welkender Pflanzen. Wer sie gesehen hat, wird seine Schnittblumen künftig mit anderen Augen sehen und ganz bestimmt eine Weile länger vor der Biotonne bewahren.

Geöffnet bis 8. November samstags von 15 bis 18 Uhr und sonntags von 11 bis 18 Uhr im Kunsthaus Erkrath, Dorfstraße 9 - 11.

Quelle: RP
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