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Prozess-Auftakt in Wuppertal
Hells-Angels-Schläger stehen vor Gericht

Massenschlägerei in Erkrath mit Rockern und Clan
Massenschlägerei in Erkrath mit Rockern und Clan FOTO: Patrick Schüller
Erkrath. In Wuppertal beginnt der Prozess gegen vier Männer, die im August 2016 auf dem Hochdahler Markt Polizisten geschlagen und schwer verletzt haben. Libanesische Großfamilien und Hells Angels waren beteiligt. Von Sabine Maguire

Mit einem lapidaren Streit um einen Parkplatz soll alles angefangen haben. Was daraus jedoch in einer Nacht im August des vergangenen Jahres folgte, war eine Eskalation der Ereignisse, die einen Polizeisprecher später sagen ließen: "Es handelt sich hier um eine ungeahnte Dimension von Gewalt".

Zwei libanesische Großfamilien waren aneinander geraten, darunter sollen auch Mitglieder eines Charters der Hells Angels gewesen sein. Aus dem anfänglichen Parkplatzstreit war schnell eine unübersichtliche Gemengelage geworden. Die der Rockerszene nahestehenden etwa 25 Libanesen verbarrikadierten sich in einer Kneipe, während ihre etwa 175 Gegner versuchten, ins Innere zu gelangen.

Die von Anwohnern alarmierten Polizisten sahen sich lautstark streitenden und gewaltbereiten Personen gegenüber und versuchten, sich mit Pfefferspray und Schlagstöcken gegen die Übergriffe zu wehren. Als die aus Duisburg herbeigeeilte Einheit der Bereitschaftspolizei zur Verstärkung anrückte, flohen die Schläger. Die Hundertschaft war noch die ganze Nacht über damit beschäftigt, stetig irgendwo im Stadtteil aufkeimende Streitereien zu schlichten, um erneute Schlägereien zu verhindern.

Zwei Polizisten und eine Frau verletzt

Razzia in Erkrath-Hochdahl im März 2017 FOTO: RPO

Die Bilanz des Gewaltexzesses: Zwei Polizisten und eine Frau wurden mit Faustschlägen und Gegenständen im Gesicht verletzt. Wenige Wochen später gerieten die gleichen Familien erneut aneinander. Wieder musste eine Hundertschaft der Polizei anrücken, um die kritische Situation unter Kontrolle zu bringen. Die Staatsanwaltschaft Wuppertal ermittelt seither gegen 17 vermeintliche Täter, die unter anderen die am Tatort eintreffenden Polizisten mit Knüppeln ins Gesicht geschlagen und schwer verletzt haben sollen.

Gegen vier der mutmaßlichen Täter beginnt nun der Prozess vor dem Wuppertaler Amtsgericht. Ihnen wird gemeinschaftliche gefährliche Körperverletzung, Widerstand gegen die Staatsgewalt und unerlaubter Besitz von Betäubungsmitteln vorgeworfen. Die Angeklagten sollen Mitglieder und Unterstützer der Hells Angels sein. Im Anschluss an die Schlägereien hatte es eine Großrazzia im Umfeld der Rockergruppe gegeben. Dabei waren unter anderem nach dem Arzneimittelgesetz verbotene Substanzen und andere verbotene Gegenstände gefunden worden.

Anklageschrift bringt Details ans Licht

Mit der Anklageschrift gelangen nun erstmals Details zu den Vorkommnissen im vergangenen Jahr an die Öffentlichkeit. Demzufolge soll einer der Angeklagten einer Polizeibeamtin mit der Faust auf den Kopf geschlagen haben, als diese einem verletzten Kollegen helfen wollte. Der Beamte wiederum soll zuvor von einem der Angeklagten derart heftig ins Gesicht geschlagen worden sein, dass er zu Boden ging.

Als eine weitere Polizeibeamtin ihren Kollegen mit gezogenem Schlagstock zu Hilfe eilen wollte, wurde sie von einem der Angeklagten mit erhobenen Fäusten bedroht. Der wiederum schlug später noch einem Polizisten ins Gesicht. Die Beamten sollen dabei Prellungen des Gesichtsschädels und Platzwunden erlitten haben.

Einem der Angeklagten wird zudem vorgeworfen, Wochen nach der Schlägerei einem Zeugen mit der Faust ins Gesicht und auf den Oberkörper geschlagen zu haben. Als der Mann zu Boden ging, soll der Angeklagte ihn in den Rücken getreten haben. Der Zeuge soll eine Schwellung der linken Gesichtshälfte erlitten und im Mund geblutet haben. Ein weiterer Zeuge soll nach Fußtritten ein Hämatom mit Einblutungen am linken Auge und Schwellungen an Stirn und Jochbein erlitten haben.

Erst vergangene Woche hat die Polizei mit einem Großaufgebot mehrere Wohnungen und Häuser von Hells-Angels-Mitgliedern In Hochdahl durchsucht. Dabei sind an zwei Standorten Harley-Davidson-Motorräder abtransportiert worden. NRW-Innenminister Herbert Reul hatte die Organisation mit den Namen "Hells-Angels-Concrete-City" verboten.

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Quelle: RP
 
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