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Erkrath
Neanderstuben schließen bald

Erkrath: Neanderstuben schließen bald
Das Café-Restaurant wurde vor 53 Jahren im Neandertal eröffnet. Erst Jahrzehnte FOTO: Georg Salzburg
Erkrath. Inhaberin Gerlind Hünecke hört nach 53 Jahren auf. Am 10. September wird das Inventar vertrödelt. Von Cordula Hupfer

So richtig Lust auf ein Gespräch mit der Zeitung hat Gerlind Hünecke nicht. Über das Neandertal werde ja doch immer nur negativ berichtet, meint die Gastwirtin, und winkt ab. So viel erzählt sie immerhin: Das Steinhaus, das ganze Besucher-Generationen des Tals seit August 1963 als "Neander-Stuben" kennen, sei bereits verkauft und werde ab Oktober umgebaut.

Dem Vernehmen nach soll es dort weiterhin ein gastronomisches Angebot geben. Zuvor aber gilt erst einmal: Alles muss raus. Am Sonntag, 4. September, schließen die Neanderstuben, und am Samstag, 10. September, soll dann bei einem Haus-Trödelmarkt von 11 bis 18 Uhr das Inventar verkauft werden: Geschirr, Küchenmaschinen, Tische, Gläser, Bilder, Dekoration, Kaffeemaschinen, Tischdecken, Lampen, Gartenstühle, Tische und vieles mehr, so die Ankündigung in einem Internet-Forum.

Das trutzige Haus war seit fünf Generationen in Familienbesitz und hat eine bewegte Geschichte, diente nach seiner Errichtung im Jahr 1851 erst als Tagelöhner-Herberge, war dann Tante-Emma-Laden und wurde schließlich zur Gastwirtschaft: Im August 1963 gab es in den "Neander-Stuben" (gegenüber des heutigen Neanderthal Museums) erstmals Kaffee und Kuchen für Wanderer auf ihrer Tour durchs Tal. Direkt nebenan wurden damals noch im Lebensmittelgeschäft der Familie Hünecke Eier und Brot verkauft - das war, bevor das Wirtschaftswunder immer mehr Autos ins Tal brachte, mit denen die Besitzer dann in alle Himmelsrichtungen zum Einkauf ausschwärmen konnte. Gerlind Hünecke, damals 22 Jahre alt, musste gemeinsam mit ihrem Ehemann eine Entscheidung treffen, um die Existenz unter den neuen Gegebenheiten zu sichern - denn der Laden der Eltern hatte keine Zukunft mehr. Wie also künftig die Familie ernähren, die seit Generationen im Haus mit der Adresse "Neandertal 1" wohnte?

Eine neue Geschäftsidee musste her und war wegen der vielen Tal-Wanderer auch schnell gefunden. Der Laden wurde also nach und nach zum Lokal umgebaut und der Wechsel vom Tante-Emma-Laden zur Gaststätte eingeläutet, wobei es zu Beginn neben der Gaststube immer noch Eier und Brot zu kaufen gab.

Nachdem ihr Ehemann verstorben war, führte Gerlind Hünecke die Gaststätte alleine weiter. Die Gäste schätzen die Lage, die Auswahl an Beerenweinen, die frischen Waffeln. Hin und wieder helfen die vier Söhne aus. Das Lokal weiterführen wollen sie aber nicht.

Bis zum 4. September ist das Lokal noch geöffnet - täglich außer mittwochs, da ist Ruhetag.

Quelle: RP
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