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Erkrath
Radfahrer haben viel zu kritisieren

Erkrath. Bei der zweiten "Critical Mass" in Erkrath waren 45 Teilnehmer als Verband unterwegs und tauschten sich über Probleme auf und neben der Straße aus.

Zum zweiten Mal haben sich Erkrather Radler vor dem Rathaus zu einer "Critical Mass" (CM) getroffen. Dahinter steckt eine neue Bewegung, die die sich genau so, nämlich "Critical Mass", zu Deutsch "kritische Masse", nennt. Der Begriff stammt aus der Kernphysik, aber die Radler nutzen ihn anders: Die kritische Masse sind sie selbst. Sie berufen sich auf die Straßenverkehrsordnung, nach der mehr als 15 Radfahrer als ein geschlossener Verband auf der Straße fahren. Die gesamte Gruppe gilt dann als ein Fahrzeug von der Spitze bis zum Ende. Fährt dann der erste Radfahrer über eine grün zeigende Ampel, dürfen alle hinterherfahren, auch wenn die Ampel beim letzten Fahrer bereits auf Rot steht. Darüber hinaus ist dieser Verband nicht verpflichtet, die Radwege zu nutzen, auch wenn es welche gibt. Die Polizei im Kreis Mettmann hat nichts dagegen. Sprecherin Claudia Partha hatte auf RP-Anfrage bestätigte, dass eine Gruppe von mehr als 15 Radfahrern als geschlossener Verband angesehen wird. Es gibt also keine Knöllchen, wenn der letzte Radler bei Rot fährt. Mit 45 Teilnehmern ist die zweite Erkrather "Critical Mass" nun durch Alt-Erkrath in Richtung Neanderthal-Museum gefahren. Zum Gruppenfoto hielten sie dort die Buchstaben "Neanderthalradweg" in die Höhe, als "Hinweis auf die zum Teil mangelnde Pflege beziehungsweise Wartung und den Ausbau des vorhandenen Radweges entlang des Neandertals" - aber auch als gedanklichen Anstoß für die Verantwortlichen beim Kreis und den anliegenden Städten, den Radweg so zu benennen.

Gemeinsam mit Radlern aus Mettmann setzten die Erkrather ihre Fahrt Richtung Kreisstadt fort. Der Rückweg führte noch einmal durch Alt-Erkrath zurück zum Rathaus, wo Bilanz gezogen wurde: "Die zweite Critical Mass war eine noch deutlichere Demonstration für eine sicherere und bessere Rad-Infrastruktur. Viele kamen spontan aufgrund der Informationen in den Medien", berichtet Teilnehmer Peer Weber. Bei den anschließenden Gesprächen in gemütlicher Runde wurden laut Weber immer wieder die gleichen Probleme geschildert: Autofahrer nähmen Fahrräder häufig nur als Hindernis wahr. Immer wieder werde der vorgeschriebene Mindest-Abstand von 1,5 bis zwei Meter beim Überholen nicht eingehalten, kritisieren die Radler.

Es wurde aber auch deutlich, dass vielen Radfahrenden nicht bewusst ist, dass sie selber einen Mindest-Abstand von 1 bis 1,5 Meter zum Fahrbahnrand einhalten müssen. Der ADFC empfehle, als Orientierung dort zu fahren, wo man in einem Auto als Beifahrer säße. Aus den Zahlen ergebe sich, dass ein legales Überholen eines Rades ohne vollständigen Spurwechsel praktisch nicht möglich sei, schlussfolgern die Radler. Die Teilnehmer sprachen bei ihrer Zusammenkunft auch über vernachlässigte Radwege und "die zum Teil diskriminierende Radwegeführung". Welcher Autofahrer würde wohl akzeptieren, dass er drei Ampeln vor sich hätte, um eine Kreuzung zu überqueren, fragen die Aktiven. Es sei an der Zeit, dass die Stadt einen verbindlichen Zeitplan für die Umsetzung des 2015 verabschiedeten Radverkehrskonzeptes vorlege.

Wichtig sei auch, dass sich die Stadt bei Kreis und Land für die Instandsetzung/-haltung der Radwege entlang der Land- und Kreisstraßen einsetze. "Auch wenn sie dort nicht direkt verantwortlich ist, sind es doch im wesentlichen Erkrather Bürger, die unter dem sehr schlechten Zustand dieser Radwege leiden", unterstreichen die Critical-Mass-Teilnehmer.

(RP/hup)
 
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