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Erkrath
Rollstuhl wurde dreimal gestohlen

Erkrath: Rollstuhl wurde dreimal gestohlen
Sabine Scheibe ist auf der Willbecker Straße auf ihren E-Rollstuhl angewiesen. Im Moment hat sie nur ein Ersatzmodell. An ihrer Seite: Marion Kremerius von der MS-Selbsthilfeguppe. FOTO: dietrich janicki
Erkrath. Innerhalb eines Jahres ist der Rolli einer Erkratherin mehrmals verschwunden oder mutwillig beschädigt worden. Kein Einzelfall, wie die Behindertenbeauftragte der Stadt berichtet. Von Thomas Peter

Sabine Scheibe (42) ist frustriert: Innerhalb eines Jahres ist ihr E-Motion-Rollstuhl dreimal gestohlen oder mutwillig beschädigt worden. Aktuell ist er in Reparatur, und mit dem Ersatzgerät ohne elektrische Unterstützung kommt sie nicht so recht klar. Ohne Hilfe kommt sie kaum noch aus dem Haus, weil das Gelände in der Willbeck steil ist und der Bürgersteig an der Hauptstraße durch Treppenstufen unterbrochen ist. "Da haben sich Jugendliche einen geschmacklosen Spaß gemacht" kommentiert Marion Kremerius, Behinderten-Beauftragte der Stadt. Bestimmt sei das kein Einzelfall, doch wie oft so etwas passiert, könne man nicht sagen, da sich Betroffene meist gar nicht melden würden. "Das bringt ja doch nichts", sei eine verbreitete, aber fatale Einstellung.

Seit 2010 weiß Sabine Scheibe, dass sie an Multipler Sklerose (MS) leidet. Ihren Beruf als Malerin musste sie aufgeben, eine Fortbildung im kaufmännischen Bereich wegen akuter Krankheitsschübe abbrechen. Die Nervenkrankheit MS wird die "Krankheit der tausend Gesichter genannt", weil einige Patienten wie Marion Kremerius kaum Beeinträchtigungen haben, während andere nicht einmal mehr stehen können.

Sabine Scheibe kann je nach Tagesform ein paar Schritte laufen, ist für außerhäusliche Aktivitäten aber auf den Rollstuhl angewiesen. Den jugendlichen Tätern scheint das egal gewesen zu sein. Der erste Fall ereignete sich im letzten Oktober. Der E-Motion-Rollstuhl, der im Eingangsbereich des Hochhauses abgestellt war, war plötzlich weg. Nur durch einen Aufruf bei Facebook konnten die Diebe ermittelt werden. Weil sie noch keine 14 Jahre alt waren, wurde das Verfahren eingestellt. Der Rollstuhl wurde von einem älteren Herrn gefunden und beim Hausmeister abgegeben.

Als Konsequenz ließ Sabine Scheibe ein Schloss an ihrem Rollstuhl anbringen, das das einfache Wegschieben verhindern sollte. Darüber waren die Jugendlichen scheinbar sauer, so dass sie ihn nur zwei Monate später einfach die Treppen hinunter warfen. Aus Mangel an Beweisen wurde auch dieses Verfahren eingestellt.

Richtig gefährlich war der dritte Fall vor wenigen Wochen. Sabine Scheibe hatte nicht bemerkt, dass eines der Vorderräder abmontiert worden war und machte sich auf den Weg über die Straße, um die Treppenstufen zu umfahren. Da kippte der Rollstuhl um - und wenn sie sich nicht zurückgelehnt hätte, hätte sie mitten auf der Straße gelegen. Sabine Scheibe wendet sich damit an die Öffentlichkeit, um das Bewusstsein für Rollstuhl-Vandalismus zu wecken. "Die Leute sollten sich nicht scheuen, das publik zu machen" sagt sie. Diebstähle und Beschädigungen sollten immer bei der Polizei gemeldet werden, auch die Behindertenbeauftragte wüsste gerne Bescheid. Zudem sollten Passanten aufmerksam werden, wenn sie etwa eine Gruppe von Jugendlichen mit einem Rollstuhl sehen.

Barrieren gebe es auch so schon genug, S-Bahn-Fahren sei vom Haltepunkt Millrath nur mit zwei Helfern möglich und es gebe Busfahrer, die bei einem Rollstuhlfahrer an der Haltestelle einfach durchfahren.

Sabine Scheibe harrt zuhause aus, während ihr Rollstuhl in der Reparatur ist. Gerade ist das Ersatzteil geliefert worden, diese Woche könnte sie ihn wiederbekommen.

Quelle: RP
 
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