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Erkrath
Straßen in Erkrath werden schlechter

Erkrath: Straßen in Erkrath werden schlechter
An der Hauptstraße in Hochdahl besteht offenbar schon seit Jahren Sanierungsbedarf. Die immer wieder auftretenden Lächer werden nur notdürftige geflickt. Spätestens beim ersten Frost platz alles wieder auf. FOTO: Oliver Wiegand
Erkrath. Die Stadt hat nicht genug Personal, um sich ausreichend um die Instandhaltung zu kümmern. Ingenieure sind auf dem freien Markt nur schwer zu bekommen. In einzelnen Fachbereichen sind Mitarbeiter fast 28 Tage pro Jahr krank. Von Oliver Wiegand

Wenn man den Statistiken der Krankenkassen glauben kann, fehlen die Deutschen im Jahr etwa 14 Tage lang krankheitsbedingt am Arbeitsplatz. In Teilen der Erkrather Stadtverwaltung wird dieser Wert verdoppelt. So fehlten Mitarbeiter im Immobilienmanagement wegen einer Erkrankung im Schnitt 27,9 Tage pro Jahr.

Im Tiefbauamt - dort arbeiten Angestellte, die sich um Straßenreinigung, Straßenbau und Kanäle kümmern - sind es 18 Krankheitstage pro Jahr.

An der Morper Allee darf man aufgrund von Straßenschäden nur 30 fahren. Es gibt aber Straßen, die im schlechteren Zustand sind. FOTO: Oliver Wiegand

Die Folgen bekommen die Erkrather Bürger hautnah zu spüren. Nicht nur viele Schulen sind teilweise in einem desolaten Zustand. Wer täglich, ob mit dem Rad oder dem Auto, die Straßen benutzt, kann die vielen Schäden in den Wegen mit dem bloßen Auge erkennen. Im Haupt- und Finanzausschuss werden die Politiker heute die Fakten erfahren: Im Jahr 2013 befanden sich 7,4 Prozent des städtischen Straßennetzes in der schlechtesten Zustandsklasse 5. Das bedeutet starke flächen- und linienhafte Schäden. In der Klasse 4 - mittlere flächen- und linienhafte Schäden - sind es bereits 19,4 Prozent. Der größte Anteil liegt mit 43,7 Prozent in der Klasse 3, das heißt leichte flächen- und linienhafte Schäden.

Die Stadt geht selbst davon aus, dass die laufenden Sanierungen mit dem tatsächlichen Verschleiß nicht Schritt halten können und der derzeitige Straßenzustand somit nicht gehalten werden kann. "Die Straßenabschnitte werden sich weiter verschlechtern", heißt es in einer Vorlage der Verwaltung, über die heute ab 17 Uhr im Großen Sitzungssaal des Rathauses diskutiert werden wird.

Der Weg zun den Schulen in Hochdahl ist ein einziges Flickwerk. Auch hier müsste dringend was getan werden. FOTO: Oliver Wiegand

Die Verwaltung weiß selbst: "Um diesen Trend aufzuhalten, bedarf es der Intensivierung der Straßenunterhaltung und Erneuerung in allen Schadensklassen". Doch wer soll die nötigen Arbeiten beauftragen, überwachen und abnehmen? In der Stadtverwaltung gibt es einen hohen Altersdurchschnitt. In den kommenden Jahren werden altgediente Mitarbeiter auch in der Führungsebene das Rathaus verlassen. Dazu kommt die überdurchschnittlich hohe Zahl krankheitsbedingter Ausfälle, die zu erheblichen zusätzlichen Einbußen in der Personalkapazität führen.

Doch die Stadt hat noch mehr Personalprobleme: Gute Ingenieure, die sich etwa mit Straßen- oder Tiefbau auskennen, sind auf dem Arbeitsmarkt zu schwer zu bekommen. Wer doch zur Stadt Erkrath kommt, bleibt meist nicht besonders lange, weil es auf dem freien Markt deutlich mehr Geld zu verdienen gibt. Seit Jahren ist vor allem bei den Ingenieuren eine hohe Fluktuation zu beobachten. Wer sich gerade eingearbeitet hat, ist schon wieder weg. Und von jetzt auf gleich findet keiner in einen neuen Job.

Hinzu kommt: Gerade im technischen Bereich kommt es immer wieder zu unvorhergesehenen Herausforderungen, die keinen Aufschub dulden. Dabei ging es in der Vergangenheit um die Versorgung von Flüchtlingen oder plötzlich auftretende Schäden an technischen Anlagen. So hat erst vor wenigen Wochen der Ausfall einer Trafo-Station zu Unterrichtsausfall an der Sechseckschule in Trills geführt. Die Schadensfälle habe sich in der Vergangenheit gehäuft. Was so eine gute Konjunktur, wie sie derzeit in Deutschland herrscht, ausmachen kann, merkt man bei der Stadt. Die Firmen haben volle Auftragsbücher, neue Aufträge wie etwa die Sanierung von Schulen können nicht angenommen werden, da das Personal fehlt. Die Folge sind drastische Preissteigerungsraten, zunehmend erfolglose Ausschreibungsverfahren sowie Qualitätseinbußen. Bauverzögerungen und Schadensersatzanforderungen werden von den Anbietern nach Angaben der Stadt schon von Vornherein mit in den Preis einkalkuliert. Hautnah erlebt hat man das beim Bau der neuen Polleranlage an der Bahnstraße. Während die Stadt mit 65.000 Euro Baukosten rechnete, fand man mit Mühe und Not ein Unternehmen, das den Auftrag für 110.000 Euro erledigte. Wohlgemerkt: Es ging um den Aus- und Einbau von elektrisch betriebenen Pollern,

Die Verwaltung und allen voran Bürgermeister Christoph Schultz wissen um diese Missstände. Mit einer neuen Organisationsstruktur innerhalb der Verwaltung versucht er, Stellen zu schaffen und die Arbeitsplätze attraktiver zu machen. Denn so ganz nebenbei muss die Stadt auch noch den kompletten Neubau der Feuer- und Rettungswache im Volumen von fast 20 Millionen Euro stemmen.

Quelle: RP
 
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