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Erkrath
Total verstrahlt? Der Mobilfunk in Erkrath

Erkrath. Im April wird vermutlich erneut über die Aufgabe des umstrittenen Mobilfunkkonzepts nachgedacht. Die Betreiber haben sich nicht daran gehalten. CDU und FDP sagen: In Erkrath ist die Strahlung am Ohr des Benutzers zu hoch. Von Oliver Wiegand

Wenn man die Erkrather FDP zum Thema Mobilfunkkonzept fragt, bekommt man ziemlich eindeutige Antworten: "Unnötig, überaltert, teuer und vor allem gesundheitsschädlich". Inge Berkenbusch forderte deshalb erst vor wenigen Tagen im Rat, das vor zehn Jahren beschlossene Konzept komplett einzustampfen.

So auf die Schnelle war das allerdings nicht möglich. Bürgermeister Christoph Schultz schaute sogar in der Geschäftsordnung nach. Denn die komplette Streichung des vor zehn Jahren ins Leben gerufenen Konzepts - die stand eigentlich nicht zur Debatte. Jetzt wird es etwas kompliziert: Der Rat sollte lediglich entscheiden, ob eine Sperrfrist aufgehoben wird. Mit dieser Sperrfrist wird in der Gemeindeordnung geregelt, das ein Thema innerhalb von sechs Monaten nicht zwei Mal in den Ausschüssen beraten wird. Genau das wollte die FDP aber. Denn im Oktober vergangenen Jahres war im zuständigen Ausschuss ein Antrag auf Aufhebung des Mobilfunkkonzepts vertagt worden. Um aber in der nächsten Sitzung des Fachausschusses am 26. April darüber beraten zu können stellte die FDP den Antrag.

Jetzt wird es noch komplizierter: Vor jeder Ratssitzung haben Einwohner die Möglichkeit Fragen an Politik und Verwaltung zu stellen. Zahlreiche Befürworter des Mobilfunkkonzepts nutzten diese Fragestunde aus, um eine fast zwei Stunden dauernde Generaldebatte zum Thema Mobilfunk-Konzept anzustrengen. Sie alle gehören zur Bürgerinitiative "Bürger für ein mobilfunkfreundliches Erkrath". Ihr Sprecher Dr. Günter Berg brachte in der Ratssitzung seine Fassungslosigkeit zum Ausdruck. Seit mehr als zehn Jahren sei das Konzept jetzt in Kraft und habe dazu geführt, viele Sendemasten auf Wohnhäusern zu verhindern. Im vergangenen halben Jahr redeten die Politiker nur noch vom Abschaffen. "Was ist bei Ihnen passiert?", fragte Berg.

CDU und FDP haben da ziemlich deutliche Ansichten. "Das Bundesamt für Strahlenschutz empfiehlt, das Handy wegen der höheren Sendeleistung nicht bei schlechtem Empfang zu nutzen", sagte Inge Berkenbusch (FDP). Auch Wolfgang Jöbges von der CDU betonte, dass Erkrath schlecht versorgt sei. In vielen Stadtteilen habe man sehr schlechten oder so gut wie gar keinen Empfang.

Telefoniere man, habe man ein Gerät mit einer hohen Sendeleistung direkt am Ohr. "Das ist viel schädlicher, als ein Sendemast in der Nähe", so Jöbges. Darüber hinaus habe man sich vor zehn Jahren - zurzeit der Erstellung des Mobilfunkkonzepts - nicht denken können, dass Smartphones daueraktiv sind, um Kontakt mit dem Internet herzustellen. Für Bürger und Unternehmen sei das Konzept schädlich. Ein funktionierendes Handynetz sei Grundvoraussetzung auch für die Wirtschaft. Das Konzept eigentlich gut - das findet Detlef Ehlert von der SPD. Doch er hat einen Kardinalfehler ausgemacht. "Die Betreiber haben sich ja nie daran gehalten", sagt Ehlert. Vorgesehen und vorgeschlagen war, dass in Erkrath an sechs Standorten sechs große Masten aufgebaut werden, mit denen das gesamte Stadtgebiet versorgt wird. Im Konzept steht, dass sechs große Masten für die Gesundheit vorteilhafter seien, als viel kleine, die gesamten Stadtgebiet verteilt sind.

"Doch diese sechs Masten an den sechs Standorten sind nie gebaut worden", sagte Ehlert. Auch Ehlert sprach in diesem Zusammenhang von der gefährlichen hohen Sendeleistung der Handys direkt am Kopf der Telefonierenden. Nun haben die Faktionen am 26. April erneut Gelegenheit, über das Mobilfunkkonzept nachzudenken. Die Bürgerinitiative wird Unterschriften sammeln.

Quelle: RP
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