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Erkrath
Trainer brachte die Damen ans Netz

Erkrath: Trainer brachte die Damen ans Netz
Jeden Montag spielen die Frauen und Männer mit Trainer Gerd Clemens in der Turnhalle am Millrather Weg. FOTO: Dietrich Janicki
Erkrath. Vor 40 Jahren übernahm Gerd Clemens als Trainer die ehemalige gemischte Volleyballgruppe der Volkshochschule.16 der heutigen Spielerinnen und Spieler waren schon damals dabei. Von Nicole Marschall

"Unser Durchschnittsalter ist 75,6247 Jahre", sagt Gerd Clemens nicht ohne ein wenig Stolz in seiner Stimme. Das habe er extra ganz aktuell ausgerechnet. Außerdem wartet der Trainer mit weiteren beeindruckenden statistischen Daten auf: Drei Mitglieder sind über 80, nur zwei unter 70 Jahre alt, 16 der 21 aktiven Spielerinnen und Spieler waren schon 1975 dabei, als Clemens (inzwischen selbst 77) die ehemalige VHS-Volleyballgruppe übernahm.

Der Trainerwechsel brachte insbesondere den Frauen einige sportliche Veränderungen: Bevor Gerd Clemens Trainer wurde, durften sie nämlich nicht angreifen. Ging es ans Schmettern, hatten die weiblichen Team-Mitglieder schön hinten im Spielfeld zu bleiben! Clemens brachte die Damen ans Netz.

Zurzeit spielen jedoch nur noch zwei aktive Damen im Team. Zwei weitere müssen seit einiger Zeit auf der Bank sitzen: Maria Osthege (83) und Franziska Zint (88) haben bis 2009 aktiv Volleyball gespielt - bis die Gesundheit ihnen einen Strich durch die Rechnung machte. Zum 40-jährigen Trainingsjubiläum von Gerd Clemens sind sie noch einmal in die Turnhalle der Regenbogenschule gekommen und haben ganz nah am Netz Platz genommen. "Es juckt einem immer noch in den Fingern", sagt Franziska Zint während sie das Spiel der anderen beobachtet.

Und Maria Osthege fügt lachend hinzu: "Das war anfangs ganz schön hart, auf der Bank zu sitzen. Wir fiebern immer noch mit."

Mit der Kursbezeichnung "Volleyball für Ehepaare" habe die Volkshochschule Erkrath 1971 in einer Zeitung Teilnehmer gesucht, berichten die beiden, wie sie zum Sport gekommen sind. "Ich hatte als Kind gerne Ball gespielt, durch den Krieg aber nie eine Turnhalle von innen gesehen", erzählt Osthege. Die Entscheidung für den Kurs schien goldrichtig: Sowohl die beiden Frauen als auch ihre Ehemänner blieben beim Volleyball - auch als die VHS 1979 den Sport aus dem Programm strich.

"Bei der VHS konnten wir nicht weiterspielen", erzählt Gerd Clemens, "also mussten wir ein Verein werden." Anfangs trainierte die Gruppe beim TSV Hochdahl, schloss sich dann aber dem Volleyballclub Erkrath 1982 (VCE) an. "Die Mitgliedsbeiträge sind hier wesentlich geringer", so der Teamleiter. Die zunächst vom TSV bereit gestellte Halle am Millrather Weg durften die Volleyballer auch nach dem Vereinswechsel weiterhin benutzen.

Bis in die 80er Jahre hinein nahm die Mannschaft an Turnieren teil. Heute spielen die "Uhus" (Unter Hundertjährigen), wie Clemens seine Team-Mitglieder selbst nennt, als reine Hobby-Mannschaft - was allerdings dem sportlichen Ehrgeiz keinen Abbruch tut. Genau so wichtig wie das wöchentliche Training ist aber auch die Geselligkeit. Ein Bierchen oder ein Glas Wein gönnen sich die Volleyballer daher regelmäßig gemeinsam nach dem Sport. Bei runden Geburtstagen gibt das jeweilige Geburtstagskind eine heiße Suppe aus und gelegentliche Radtouren mit Zelt und Lagerfeuer stehen auch schon mal im Programm. "Wir sind ein eingespieltes Team und eine nette Gemeinschaft", fasst Lilo Becker, eine der beiden noch aktiven Spielerinnen, zusammen.

Das können auch Franziska Zint und Maria Osthege nur bestätigen: "Wir haben immer viel Spaß zusammen. Streit gab es nie", sagen sie übereinstimmend und freuen sich, dass sie auch als nicht mehr aktive Spielerinnen noch in alle weiteren Aktivitäten einbezogen werden.

Quelle: RP
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