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Erkrath
Umstrittener Caterer beliefert Erkrather Kitas

Erkrath: Umstrittener Caterer beliefert Erkrather Kitas
Die Mittagessen eines Wuppertaler Lieferanten sind durch die RTL-Sendung "Team Wallraff" in die Kritik geraten. Eine Erkrather Tagesstätte kochte jetzt ihr Essen lieber eine Woche lang selbst. FOTO: seyb
Erkrath. Die Falkenzwerge haben sich einen neuen Anbieter gesucht. Fragen zum Kita-Essen sollen im Rat beantwortet werden. Von Marita Jüngst

Verschimmeltes Gemüse und abgelaufenes Hackfleisch soll laut RTL-Sendung "Team Wallraff" von der Wuppertaler Firma "Vitesca" verarbeitet worden sein. Die Großküche, die rund 25 000 Essen täglich produziert, liefert bundesweit auch an Kindergärten und Schul-Mensen.

Aufgrund des TV-Berichts hat Marc Hildebrand, Ratsmitglied und Vorsitzender der CDU Alt-Erkrath, der Erkrather Stadtverwaltung einen Fragenkatalog zukommen lassen. Darin möchte er bis zur Ratssitzung am kommenden Donnerstag unter anderem wissen, ob Einrichtungen in Erkrath von einer der beiden Firmen beliefert wurden und wenn ja, ob inzwischen darauf reagiert wurde. Denn die Fragen beschäftigen nicht nur die Politiker, sondern vor allem die Eltern der Kita-Kinder.

Hintergrund: Die schlimmsten Lebensmittel-Skandale FOTO: ddp

Fest steht bisher: Von den zehn städtischen Kindertagesstätten in Erkrath wurden drei vom Wuppertaler Caterer beliefert. Eine Einrichtung bezieht inzwischen kein Essen mehr von "Vitesca". Das ist die Kita Falkenzwerge. "Ich habe den Bericht selbst gesehen", sagte Kita-Leiterin Jutta Jakob. Danach stand für sie fest, sich einen neuen Anbieter zu suchen, auch wenn "das Essen immer sehr schmackhaft war". Die schnelle Reaktion war den Kindern geschuldet. "Wir haben hier auch U3-Kinder, da müssen wir besonders auf das Essen achten." Zur Überbrückung haben die Falkenzwerge nun eine Woche lang selbst gekocht, nämlich zusammen mit den Kindern. Auf Dauer jedoch wäre das zu aufwendig.

Eine zweite Erkrather Einrichtung überlegt laut Stadtverwaltung derzeit noch, ob sie die Zusammenarbeit der Wuppertaler Firma beenden soll. Die dritte betroffene Kita will erst einmal das Essen von dort weiter beziehen. Wie der zuständige Dezernent Ulrich Schwab-Bachmann erklärte, schließen die Kitas eigenständig die Verträge mit den Essenszulieferern. Sie sind völlig frei in der Entscheidung, bei wem sie das Essen für die Kinder bestellen. Denn die einzelnen Einrichtungen haben ganz unterschiedliche Bedürfnisse, je nach Ausstattung der Küche. Einige beziehen Tiefkühlware, andere setzen auf ein Aufwärmsystem. Selbst gekocht wird in den städtischen Kitas allerdings nicht, wie beispielsweise in der katholischen Einrichtung Heilig Geist. "Im Schulbereich und im offenen Ganztag können wir ausschließen, dass Essen aus Wuppertal bezogen wurde", sagte Schwab-Bachmann.

Wie man Gammelfleisch erkennt FOTO: ddp

Bis zur Ratssitzung soll auch die Frage beantwortet werden, wie oft und von wem das Essen in den Erkrather Einrichtungen überprüft wird und auch, wer das Essen der Tagesmütter beziehungsweise der Großtagespflegeeinrichtungen kontrolliert. Denn auch dort werden die Kinder mittags verpflegt.

Ob es an dem Essen aus Wuppertal tatsächlich etwas auszusetzen gibt, steht bisher noch nicht fest. "Zum gegenwärtigen Zeitpunkt lassen sich die Vorwürfe nicht bestätigen". So lautet die Stellungnahme des Bergischen Lebensmittelüberwachungsamtes zu den Vorwürfen, die gegenüber dem Wuppertaler Unternehmen "Vitesca Menü Reimann" laut wurden. Vitesca-Vertreter hatten das in Solingen ansässige Bergische Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt einige Stunden vor der abendlichen Ausstrahlung von der geplanten Berichterstattung in Kenntnis gesetzt.

Team Wallraff undercover in der Pflege FOTO: RTL

Das Unternehmen geht derzeit in die Offensive. Bei Wallraff sei ein Gesamtbild gezeichnet worden, das mit der Realität bei "Vitesca" wenig zu tun habe, erklärte die Firma in einer Stellungnahme. Die Aufnahmen seien vor neun Monaten gemacht und seien in selektiver, manipulativer Weise zusammengestellt worden. "Dem begegnen wir derzeit mit der größtmöglichen Transparenz: Alle Einrichtungen und natürlich auch Elternvertreter sind herzlich eingeladen, sich ein eigenes Bild von unserem Betrieb zu machen. Viele unserer Kunden haben dieses Angebot in den vergangenen Tagen schon genutzt und so ihr Vertrauen wieder herstellen können", erklärte Pressesprecher Erik Schweitzer. Zusätzlich zu den bisherigen Kontrollen, sei eine weitere Instanz hinzugezogen worden.

Quelle: RP
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