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Erkrath
"Was du Gutes gibst, bekommst du zurück"

Erkrath: "Was du Gutes gibst, bekommst du zurück"
Renate Schäfer hilft im SKFM-Shop am Sandheider Markt. Auf dem Hochdahler Weihnachtsmarkt verkaufte sie im Waggon-Café des Lokschuppens. Sie hat aber noch mehr Ehrenämter. FOTO: Janicki Dietrich
Erkrath. Diesen Satz kann man sich gar nicht oft genug vor Augen halten. Aber an vielen Orten in der Stadt ist er Helfer-Alltag: Karin Blomenkamp, Renate Schäfer und Annette Mues sind nur drei Beispiele von vielen.

"Was Du Anderen gibst, kriegst Du auch zurück", sagt Renate Schäfer, Hochdahlerin, Ehrenamtlerin als Weihnachtsmarkt-Verkäuferin, Konditorin, Alten-Betreuerin, Kinder-Begleiterin. Die 49-jährige alleinerziehende Mutter von zwei Söhnen treffen wir auf dem Hochdahler Weihnachtsmarkt im Waggon-Café des Lokschuppens. Sie verkauft und serviert Waffeln mit Kirschen und Sahne, dazu Kaffee oder Tee. Den Teig hat sie selbst hergestellt. Gerne macht sie das für die Freunde des Eisenbahn- und Heimatmuseums. Feine Kuchen hat sie auch gebacken. Die finden ebenso reißenden Absatz wie die belegten Brötchen. Renate Schäfer macht das, weil die Lokschuppen-Freunde Hilfe brauchen. Und dann ist helfen für sie selbstverständlich. Zusammen mit anderen 30 Ehrenamtlichen (28 Frauen und zwei Männer) ist Renate Schäfer auch im Secondhand-Laden des SKFM am Sandheider Markt als Verkäuferin tätig. "Das macht Freude", sagt sie. Und Birgit Grüning, ihre SKFM-Betreuerin im Laden, bestätigt, mit wie viel Engagement Renate Schäfer und ihre Kolleginnen bei der Sache sind. "Einmal in der Woche ist jede dran", sagt Grüning. Und wenn mal "Not am Mann" sei, komme Renate Schäfer umgehend als Aushilfe für eine verhinderte Kollegin. Geboren ist Renate Schäfer in Hindenburg in Oberschlesien. Für die Menschen hierzulande seien sie immer die Spätaussiedler gewesen und für die Polen in ihrer ehemaligen Heimat waren sie "die Deutschen". Aber "ich bin ein Mensch", sagt sie. Seit 16 Jahren leben die Schäfers in Hochdahl. Die Söhne sind hier zu Hause, sind Auszubildende bei örtlichen Firmen. Robin, der älteste, ist aktiv bei der Hochdahler Freiwilligen Feuerwehr und unterstützt die Mutter wie auch sein Bruder René. Als Robin neulich einen schweren Betriebsunfall hatte, kümmerte sich die Feuerwehr-Familie vom Löschzug Millrath und begleitete die Mutter nach Essen ins Krankenhaus. "Heute habe ich den Dank zurückgekriegt", sagte sie nach dem Unfall. Gott sei Dank ist Sohn Robin inzwischen wieder auf dem Weg der Besserung. Und die Mutter darf sich wieder für andere einsetzen.

Annette Mues vom Kreis "Die Werkstatt Erkrath" töpfert mit Flüchtlingskindern. FOTO: privat, dj, teph

Ragahd (13) freut sich über den Besuch und möchte den von ihr getöpferten Teller zeigen, der aber noch im Brennofen ruht. Der Ofen ist jedoch tabu für die Kinder, die wöchentlich in der Werkstatt in der Albert-Schweitzer-Schule töpfern - den darf nur Annette Mues öffnen, unter deren Anleitung dort gewerkelt wird. Ihr offener Kursus ist keiner wie viele, sondern einer, der den Kindern der im Geschoss darüber lebenden Flüchtlingsfamilien vorbehalten ist. Kinder wie Ragahd, die mit ihren Eltern aus Syrien geflohen ist und bleiben will, bis der Krieg zu Ende ist. Sie spricht schon sehr gut Deutsch und verschenkt die selbstgemachten Töpfer-Teller als Dank an ihre Lehrer. Schöne kleine tönerne Geschenke mit Tieren und Blumen in leuchtenden Farben. "Ich lasse die Kinder gewähren, helfe aber ein bisschen, wenn einer etwas Besonderes machen möchte", sagt Annette Mues, die Buchhalterin ist, sich nebenbei aber zum Kinder- und Jugendcoach ausbilden ließ. Ihr eigener Nachwuchs sei aus dem Haus, aber die Arbeit mit Kindern mache ihr eben Spaß. Die Töpfergruppe ist groß, es sind mehr Jungen dabei als Mädchen, die viel mehr in der Familie helfen müssen und weniger Freizeit haben. Da gibt es natürlich auch mal Streit. Annette Mues sagt dann: "Ihr müsst nicht zanken. Seid froh, dass ihr hier seid und etwas Schönes machen könnt."

Ein Herz für Tiere und Menschen: Karin Blomenkamp und Michelle. FOTO: Bruchhausen

Karin Blomenkamp vom Naturschutzzentrum Bruchhausen hat schon von Amts wegen viel mit Schäfchen zu tun. Gerne nimmt sie aber auch hilfsbedürftige Zweibeiner unter ihre Fittiche und hilft ihnen dabei, wieder Spaß am Leben und Lust aufs Lernen zu bekommen. In diesem Jahr ist ihr das beispielsweise bei Michelle gelungen. Die 15-Jährige hatte nach der Trennung der Eltern und dem ständigen Hin-und Hergerissensein zwischen Vater und Mutter einen Tiefpunkt erreicht, die Schule geschmissen und ihre Tage mit Alkohol und Handy-Spielereien vertan. Dann griff das Jugendamt ein und der Sozialdienst SKFM vermittelte Michelle, die schon immer sehr tierlieb war, ein Praktikum bei Karin Blomenkamp im Naturschutzzentrum. Es lief so gut, dass Michelle mittlerweile beschlossen hat, Tierpflegerin zu werden. Sie weiß jetzt wieder, warum sie zur Schule geht und wofür sich das Lernen lohnt.

 

Quelle: RP
 
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