| 00.00 Uhr

Post Skriptum Die Woche in unserer Stadt
Was wird jetzt aus Detlef Ehlert?

Post Skriptum Die Woche in unserer Stadt: Was wird jetzt aus Detlef Ehlert?
ls Bürgermeisterkandidat in Erkrath hat sich der SPD-Kandidat mit 28 Prozent am vergangenen Sonntag eine ziemliche Packung abgeholt. FOTO: Janicki, Dietrich (jd-)
Meinung | Erkrath. Warum ist der SPD-Kandidat so klar bei der Wahl zum Bürgermeister in Erkrath geschlagen worden? Von Oliver Wiegand

So richtig viel ist von Detlef Ehlert in den vergangenen Tagen nicht mehr zu hören. Als Bürgermeisterkandidat in Erkrath hat sich der SPD-Kandidat mit 28 Prozent am vergangenen Sonntag eine ziemliche Packung abgeholt. Christoph Schultz (CDU), den vor einem Jahr in Erkrath so gut wie niemand kannte, erhielt bei der Wahl 53,7 Prozent der Stimmen - nahezu doppelt so viel wie Ehlert.

So lief die Bürgermeisterwahl in Erkrath FOTO: Janicki, Dietrich

Das ist nichts anderes als ein absolutes Desaster für Ehlert, der 2009 gegen den damaligen Amtsinhaber Arno Werner nur mit 6,8 Prozent der Stimmen unterlag. Vor sechs Jahren gab es noch keine Stichwahl. Werner trat seine letzte Amtszeit mit gerade mal 41,5 Prozent der Stimmen an. Was hat Ehlert falsch gemacht?

Davon war bislang von seiner Seite nichts zu hören. Doch ein Argument führte er ins Feld: "Die Wahlbeteiligung macht mir Sorgen", sagte Ehlert. Es ist aber kaum ernsthaft zu vermuten, dass Ehlert-Fans oder SPD-Stammwähler ausgerechnet am letzten Sonntag zu Hause geblieben sind.

Gewinner und Verlierer der Stichwahlen in NRW FOTO: dpa, rwe fpt

Was dann? Richtig beliebt hat sich Ehlert bei der Mehrheit der Bevölkerung in den vergangenen Wochen und Monaten nicht gemacht. Schon gar nicht mit seinen "persönlichen Briefen", die kurz vor der Wahl noch viele Erkrather Haushalte erreichten. Die Bürger waren entsetzt, dass Ehlert offenbar ihre Adressen kannte und sie namentlich anschrieb. Dabei ist das Verfahren durchaus legitim. Parteien oder Kandidaten können über das Einwohnermeldeamt an die Adressen der Erkrather gelangen. Das hat Ehlert getan - doch das Schreiben ist eben bei den Bürgern nicht gut angekommen. Ob das allerdings wahlentscheidend war? Auf keinen Fall! Denn laut gemeckert haben nur die, die ihn eh nicht wählen wollten.

Dann gab es noch eine Gruppe von Erkrathern - ob mit CDU-Parteibuch oder nicht - die ihm mehr oder weniger offen die nötigen Qualifikationen für das Amt des Bürgermeisters absprachen. Ehlert hat nie ein großes Geheimnis daraus gemacht, dass er Jura studiert hat und eigentlich mal Richter werden wollte. Nachdem er das Jura-Studium abgebrochen hat, machte er eine Fortbildung zum Facilty-Manager. Doch ihn dafür verspotten und verhöhnen, weil ein Hausmeister kein Bürgermeister werden kann oder darf? Unterste Schublade!

Was hat er sonst falsch gemacht? Vielleicht hätte er gar nicht erst noch mal antreten sollen? Doch in diesem Punkt - da war Ehlert absolut von sich selbst überzeugt. Vor genau einem Jahr hatte er auf einmal mächtig Gegenwind innerhalb der SPD. Die Hochdahlerin Sabine Lahnstein machte ihm die Kandidatur innerhalb der Partei streitig. Mehr als offensichtlich: Die Ortsverbände in Erkrath und Hochdahl sind untereinander völlig zerstritten. Noch offensichtlicher: Es gibt innerhalb der Partei auch so etwas wie eine herzliche Abneigung gegen Ehlert. Doch als die SPD sich auf einer Mitgliederversammlung entscheiden musste - da trumpfte Ehlert groß auf.

"Ich bin die Stimme der SPD. Das kommt nicht von ungefähr, das ist das Ergebnis harter Arbeit und langjähriger Erfahrung", sagte er in einer sehr emotionalen Rede. Und: "Ich liebe diese Stadt, Erkrath ist meine Heimat, ich mag die Menschen hier." Die Mitglieder glaubten ihm und gingen den Weg des geringsten Widerstands. Der damals 55-Jährige setzte sich mit 66:36 Stimmen gegen seine Konkurrentin Sabine Lahnstein durch. Als Ehlert 2009 das erste Mal zum Bürgermeisterkandidaten der SPD nominiert wurde, sah das noch ganz anders aus. 42 der damals 47 anwesenden SPD-Mitglieder stimmten für Ehlert, es gab nur vier Nein-Stimmen. Keine 36 wie nur fünf Jahre später.

Jetzt könnte man das "Was wäre wenn Spiel" spielen. Wäre Sabine Lahnstein gegen Schultz angetreten, hätte sie es geschafft? Klares Nein! Aber Reinhard Knitsch von den Grünen wäre möglicherweise nicht angetreten. Bei nur zwei Kandidaten zur Wahl wäre die SPD nicht so glasklar untergegangen.

Doch nach so einer Wahlniederlage muss man sich natürlich auch mal fragen, wie es denn weiter geht. Kann Ehlert die SPD noch weiter anführen? Hat die SPD in ihren Reihen überhaupt jemanden, der bürgermeistertauglich ist? Denn wenn Christoph Schultz jetzt nicht das Tafelsilber klaut, wird es ganz schwer, den dann nicht mehr ganz jungen Mann in fünf Jahren schon wieder vom Thron zu schubsen. Der Wähler hat entschieden. So wie es aussieht, waren 16 Jahre Arno Werner und damit 16 Jahre CDU den Erkrathern noch nicht genug.

Und Ehlert? Wird er Fraktionsvorsitzender bleiben, im Stadtrat die Arbeit der CDU weiter kritisch begleiten? Also einfach das tun, was er eigentlich immer schon gemacht hat.? Ich denke schon!

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Post Skriptum Die Woche in unserer Stadt: Was wird jetzt aus Detlef Ehlert?


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.