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Erkrath
Wie aus Wellpappe Kunst wird

Erkrath: Wie aus Wellpappe Kunst wird
Hyacinta Hovestadt macht aus Wellpappe Kunst. FOTO: Janicki, Dietrich
Erkrath. Die Erkrather Künstlerin Hyacinta Hovestadt schafft Skulpturen, mal raumgreifend, mal auch für die Vitrine geeignet. Als neues Material hat sie jetzt Kokos für sich entdeckt. Von Susann Krüll

"Ist Kunst Arbeit?" - lautet die Frage, die Hyacinta Hovestadt und ihre Künstler-Kolleginnen, Ludmilla von Arseniew und Uta Clement, anlässlich der Vernissage zu ihrer gemeinsamen Ausstellung am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, mit ihren Besuchern diskutieren möchten.

Die Erkrather Künstlerin, die für ihre beeindruckend organischen Skulpturen aus Wellpappe unter anderem den Publikumspreis der Lokart 2011 erhielt, beantwortet diese Frage für sich mit einem klaren "Ja". Denn ihre mal raumgreifenden, mal auch für ein Regal oder eine Vitrine geeigneten papierenen Skulpturen erarbeitet sie sich im wahrsten Sinne des Wortes: "Es hat so viele Fehlversuche gebraucht, bis ich das Gefühl hatte, das ist Kunst und nicht erst auf dem Weg dahin", so Hyacinta Hovestadt, die ihre Werke selbst ebenso kritisch betrachtet wie die von Anderen.

"Die Bezeichnung Künstlerin oder Künstler wird mir manchmal zu inflationär gebraucht", gibt sie unumwunden zu. Sie sei eben eine Perfektionistin und so landeten auch heute noch Arbeiten in der Mülltonne, denen sie mit dem Cutter-Messer nicht die gewünschte Form verleihen konnte. "Und das ist echt frustrierend, eben wie bei jeder anderen Arbeit auch", so die heute 61-Jährige, die zuerst in Münster und später in Düsseldorf an der Kunstakademie Malerei, Kunsterziehung und Kunstwissenschaften studierte.

"Dass ich damit auch Kunstlehrerin werden konnte, hat den Schock für meine Eltern ob dieser Studienwahl ein wenig gemildert", schmunzelt sie und fügt hinzu: "Den nächsten Schock haben sie bekommen, als ich für die Fraktion der Grünen in den Rat der Stadt Erkrath gegangen bin". Eingetreten in die Partei sei sie allerdings erst nach dem Ausscheiden aus dem Rat. Den Entschluss fasste sie, als sie das Gefühl bekam, neben der Arbeit nicht genug Zeit für eine umfassende Vorbereitung zu haben. Eine frühere konsequente Entscheidung traf sie, als sie nach sechs Jahren ihre Stelle als Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Kunstsammlung aufgab. Das "elitäre Gebaren einiger sogenannter Kunstfreunde und -förderer" habe ihr die Arbeit vergällt und auch der Wunsch, selbst wieder Kunst machen zu wollen, habe zu dem Entschluss beigetragen.

"Kinder und auch Erwachsene an Kunst heranzuführen, hat mir total viel Freude bereitet und viel gegeben." Eines ihrer schönsten Erlebnisse sei gewesen, eine Klasse voller desinteressierter 14- und 15-Jähriger dazu gebracht zu haben, sich mit den Kunstwerken auseinzusetzen. "Ich habe sie in Gruppen losgeschickt, um das für sie schlechteste Bild der Ausstellung zu suchen." Bei der Diskussion, welche Gruppe dieses gefunden habe, hätten sich die Jugendlichen dann mit Feuereifer in die Diskussion gestürzt. "Niemand muss Kunst gut finden und jeder kann sie auch belanglos finden. Aber erst, nachdem sie oder er sich mit ihr beschäftigt hat", so die engagierte Künstlerin, die viele Motive für ihre Skulpturen bei den gemeinsamen Walking-Runden mit ihrem Mann durch das Neandertal entdeckt.

"Seit ich 1998 nach Hochdahl gezogen bin, kann ich mich an der faszinierenden Natur hier nicht sattsehen. Egal zu welcher Jahres- oder Tageszeit, das Tal zeigt mir immer wieder neue Facetten", sagt Hyacinta Hovestadt.

Eine neue Facette ihrer Kunst wird Hyacinta Hovestadts in der nächsten Ausstellung ab Freitag zeigen. Sie hat Kokos als neues Kunst-Material für sich entdeckt. Eines der ersten Werke, das in seiner Form an einen Mantel erinnert, trägt übrigens den passenden Titel "Kokos Schanel".

Quelle: RP
 
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