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Issum
1500 Weiden-Sandbienen in Sevelen

Issum. Die Insekten graben fleißig kleine Löcher in den Boden - für ihren Nachwuchs. Darin legen sie dann einen sogenannten Pollenkuchen an. An einem Feldweg am Ballmans-Baggerloch sind aktuell enorm viele von ihnen aktiv. Von Antje Seemann

Sie sind Winzlinge, sind nur elf bis 14 Millimeter lang, haben eine weiß-graue buschige Brust und einen schwarz-glänzenden Hinterleib. Die Weiden-Sandbienen sind auch für Nicht-Insektenforscher leicht von anderen Bienen zu unterscheiden.

Gewöhnlich beobachtet Hermann-Josef Windeln, Vorsitzender der Nabu-Gruppe Issum-Geldern, Schwärme von etwa zehn bis 20 Tieren. Doch was er jetzt entdeckte, erfreut ihn sehr. Am Ballmans-Baggerloch in Sevelen sind in diesen Tagen schätzungsweise 1500 von ihnen unterwegs - das ist für den passionierten Naturschützer schon etwas Besonderes: "Ich finde es toll, dass sie hier noch in dieser Menge vorkommen. Sonst kenne ich in der Region keine Stelle, wo das noch so ist."

Honig produziert diese Bienenart zwar nicht, aber natürlich ist sie für die Umwelt sehr wertvoll. Als Spezialistin bestäubt die Weiden-Sandbiene ausschließlich, wie es ihr Name schon erahnen lässt, Weiden. Die Gattung gehört zwar nicht zu den seltenen Bienenarten, in bewohnten Gebieten sieht man sie allerdings nicht so häufig - schon gar nicht in dieser Anzahl wie an dem Baggerloch am Waldrand. Dort graben sie in den unbefestigten und sandigen Feldweg die Nistplätze für ihren Nachwuchs.

Für Spaziergänger und Radfahrer bedeuten die vielen Bienen keine Gefahr - die meisten Passanten würden sie laut Windeln nicht mal bemerken: "Weiden-Sandbienen sind wenig scheu und stechen nicht. Man könnte sie auch so auf die Hand nehmen, da passiert nichts", beruhigt der Fachmann.

Einen Feind haben die Tiere übrigens ganz in unmittelbarer Nähe: Die Rothaarige Wespenbiene ist sozusagen der "Kuckuck" der Weiden-Sandbiene. Sie sieht aus wie eine kleine schmale Wespe mit gelb-rotem Hinterleib. Genau wie der Vogel legt sie ihre Eier in die Nester anderer Tierarten - in diesem Fall das der Weiden-Sandbiene. Die sind durch die Wespenbienen allerdings nicht gefährdet.

Wer die Tiere in Sevelen noch beim Bau beobachten will, sollte jetzt nicht mehr allzu lange damit warten. Drei bis vier Wochen lebt die Generation noch, dann ist Schluss, sagt der Naturschützer: "Im Moment graben die Bienen die Niströhren für den Nachwuchs, das sind etwa einen halben Meter tiefe Löcher, in den sandigen Boden. Später sammeln sie dann die gelben Weidepollen und kommen schwer beladen mit ihnen zu den Löchern, mit denen sie einen Pollenkuchen im Boden anlegen. Von denen ernähren sich die Bienenlarven etwa 14 Tage." Nachdem die Tiere ihren Nachwuchs mit den Pollen versorgt haben, sterben sie. Danach sieht man nur noch vereinzelte Exemplare.

Die Larven fressen sich satt, verpuppen sich und graben sich im kommenden Jahr aus ihren Niströhren an die Oberfläche.

Und dann gibt es das seltene Naturschauspiel in Sevelen - hoffentlich - auch 2017 wieder zu beobachten.

Quelle: RP
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