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Geldern
50 Jahre: Arzthelferin aus Leidenschaft

Geldern: 50 Jahre: Arzthelferin aus Leidenschaft
Gisela Weise (links) wusste nichts von der Überraschung zu ihrer 50-jährigen Tätigkeit in der Gelderner Arztpraxis. Überrascht wurde sie von ihrem Arbeitgeber Dr. Arno Kleinstäuber. FOTO: Gerhard Seybert
Geldern. Gisela Weise ist aus der Praxis von Dr. Arne Kleinstäuber nicht mehr wegzudenken. Sie hat schon beim Senior Dr. Gero Kleinstäuber gearbeitet und ist mit Wissen aus fünf Jahrzehnten unersetzlich. Dafür gab es eine kleine Feierrunde. Von Bianca Mokwa

Wenn sie es gewusst hätte, hätte sie es verhindert. Gisela Weise mag es nämlich gar nicht, wenn viel Aufhebens um ihre Person gemacht wird. Deswegen haben ihre Kolleginnen nichts gesagt, und als ihr Chef mit einem großen Blumenstrauß vor ihr stand, dämmerte Gisela Weise, dass es kein Zurück mehr gibt. Dafür gab es viele Umarmungen. Lieber hätte sie sich einfach wieder hinter den Tresen zurückgezogen, ihrem Arbeitsplatz seit 50 Jahren in der Arztpraxis von Dr. Arne Kleinstäuber.

Der war damals gerade acht Jahre alt, als Gisela Weise bei seinem Vater als Arzthelferin anfing. Die familiäre Atmosphäre, das ist es bis heute, was die Walbeckerin an ihrem Arbeitsplatz so sehr schätzt. "Es ist eine richtige Landarztpraxis, das liegt auch daran, dass das Zuhause des Doktors direkt nebenan ist", sagt Gisela Weise. "Seine Mutter war auch so, wenn sie einen Kuchen gebacken hatte, stand für uns auch immer was", sagt die Arzthelferin. Arne Kleinstäuber hat sie aufwachsen sehen, heute freut sie sich über die regelmäßigen Besuche seiner Tochter Mareile. Das gehört einfach zum Praxisalltag dazu.

Als sie damals anfing, hieß der Beruf noch Arzthelferin, heute heißt der Medizinische Fachangestellte. "Es war noch kein richtiger Lehrberuf, man ging zur Berufsschule nach Krefeld", erinnert sich Gisela Weise. Blut abnehmen, Spritzen setzen, das habe sie alles beim Senior, bei Dr. Gero Kleinstäuber gelernt. Und auch bei Geburten durfte sie dabei sein. "Praktischer Arzt und Geburtshelfer" stand auf dem Praxisschild von Dr. Gero Kleinstäuber. Nicht nur deswegen kennt sie viele der Patienten von klein auf. Fünf Jahrzehnte sind einfach auch eine sehr lange Zeit. "Für mich ist sie ein wandelndes Lexikon aus der Vor-Computerzeit", sagt ihr Chef Dr. Arne Kleinstäuber lachend. "Der Computer ist ungefähr 25 Jahre in der Praxis, alles was davor ist, ist Gisela. Sie weiß ohnehin mehr, als mein Computer an Kapazität hat." Gisela Weise lächelt auch. Die Arbeit in der Praxis, die begleitet sie auch noch nach der offiziellen Arbeitszeit. Sie kommt aus Geldern, wohnt seit einigen Jahren in Walbeck. Es kommt nicht selten vor, dass sie mit Menschen, die sie aus der Praxis kennt, im Supermarkt ins Gespräch kommt und den wieder verlässt, ohne etwas einzukaufen. Dann war das Gespräch in dem Moment einfach wichtiger. "Dieses Mütterliche", nennt es ihr Chef, wie sich Gisela Weise um die Auszubildenden kümmert. Vertrauenswürdig, schießt es einem durch den Kopf, wenn man Gisela Weise gegenübersitzt. "Es gehört charakterliche Stärke dazu und Empathie für die Patienten, sonst geht es gar nicht", sagt Dr. Kleinstäuber, was man für die Arbeit in einer Arztpraxis mitbringen muss. "Geistige und körperliche Fitness", fügt er noch hinzu. Für die körperliche fährt Gisela Weise jeden Tag mit dem Fahrrad von Walbeck zur Arbeit nach Geldern. "Geistig fit bleibe ich durch die Patienten", sagt sie.

Ans Aufhören ist bei der 67-Jährigen noch lange nicht zu denken. "Ich bin ja noch nicht Rentner", sagt der 58-jährige Dr. Kleinstäuber. "Die muss noch ein bisschen bleiben." Und das fällt Gisela Weise nicht schwer, garantiert.

Quelle: RP
 
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