| 00.00 Uhr

Dienstag kam die Ausländerbehörde
Abschiebung statt Ausbildung

Dienstag kam die Ausländerbehörde: Abschiebung statt Ausbildung
Xhordi (17) sitzt auf gepackten Taschen. Wäre der Flug nicht überbucht gewesen, er wäre wieder in Albanien. FOTO: bimo
Issum. Das Schicksal des 17-jährigen Xhordi bewegt die Issumer. Er ist in der hochgelobten Mannschaft SV Issum International, hat einen Ausbildungsplatz. Am Dienstag sollte er nach Albanien abgeschoben werden, nur durch Zufall ist er noch da. Von Bianca Mokwa

Am Dienstagmorgen um vier kam die Ausländerbehörde. Der Familie blieb eine halbe Stunde Zeit, um in der Issumer Unterkunft an der Lindenau das Nötigste zusammenzupacken. Dann sollte sie abgeschoben werden. Mittendrin der 17-jährige Xhordi. "Psychoterror beim SV Issum" titelt die Facebookseite des SV Issum International, bei dem der junge Mann aus Albanien nicht nur Mitglied, sondern Leistungsträger in der A-Jugend ist.

Die Stimme klingt brüchig, als Trainer Uwe Tebeck auch den Mitgliedern des Ausschusses für Jugend, Soziales, Kultur und Sport die Lage schildert und den Schrecken. "Abends sitzt man noch zusammen und dann kann man noch nicht einmal Tschüss sagen", wird seine Frau Gaby später erzählen.

Um die Mittagszeit war die Familie am Dienstag übrigens wieder da. Das Flugzeug, dass sie nach Albanien bringen sollte, war überbucht. "Die Familie weiß, dass sie zurück muss", so Trainer Tebeck. Einen offiziellen Asylgrund gibt es nicht, in Albanien herrscht kein Krieg. Die Eltern hätten das akzeptiert, so Tebeck. Alles, was sie wollten, sei, dass lediglich der 17-jährige Xhordi in Deutschland bleiben darf. Denn der hat seit dem 1. September einen Ausbildungsplatz im Gelderner Unternehmen Metall Vos. Er ist voll integriert, seit mehr als zwei Jahren in Deutschland, und er ist im Sportleben des SV Issum International nicht mehr wegzudenken. Eine Issumer Familie hat angeboten, die Vormundschaft zu übernehmen, wenn seine Angehörigen weg sind. "Es entstehen doch keinerlei Kosten für die Allgemeinheit", sagt Tebeck. Er hat die Gemeindeverwaltung gebeten, etwas gegen die Abschiebung zu unternehmen. "Ich war fassungslos", lautete die Reaktion von Issums Bürgermeister Clemens Brüx, als er von der Abschiebung erfuhr. "Ein Stück weit ist das auch Gewalt." Susanne Hackstein von der Gemeinde Issum stellt klar: "Der Kreis ordnet das an, wir müssen das zur Kenntnis nehmen." Der Kreis Kleve wiederum wollte aus Gründen des Datenschutzes keine Stellungnahme abgeben. Aber diejenigen, die für ein Bleiberecht für Xhordi kämpfen, fragen, warum der Ermessensspielraum nicht genutzt wurde.

"Für mich ist das reiner Bürokratismus", sagt Peter Vos. Er ist der Chef von Xhordi. Solange ihm die Abschiebung droht, darf Xhordi nicht zur Arbeit. "Wir würden ihn gerne wieder aufnehmen", sagt sein Chef. Denn es werde immer schwieriger, gute Auszubildende zu bekommen. Und Xhordi, der hatte einen sehr guten Eindruck hinterlassen und deswegen die Ausbildungsstelle als Metallbauer in der Fachrichtung Konstruktionstechnik bekommen. Diese Zukunftschance liegt jetzt brach.

Die Ehrenamtler, die sich um die Flüchtlinge kümmern, sind enttäuscht. "Erst wird man hochgejubelt", sagt Tebeck mit Blick auf die Auszeichnung "Sterne des Sports" für die Mannschaft vom SV Issum International - und dann das. "Liebe Leute, wenn man das Ehrenamt einfordert, dann muss man solche Fälle auch begleiten, sonst geht das Ehrenamt flöten", warnt Matthias Hilscher, der in der Flüchtlingshilfe aktiv ist. Auf der Facebookseite des SV Issum International wurde der Beitrag über Xhordi vielfach geteilt und kommentiert. Der Tenor: "Es trifft immer die Falschen." Gaby Tebeck ist am Tag nach dem Abschiebe-Schock zu Besuch bei Xhordi. Die Familie sitzt immer noch auf gepackten Koffern. Auf dem Tisch liegt der Ausbildungsvertrag. "Wir reden hier doch nicht über einen Fall, sondern über einen Menschen", betont Gaby Tebeck und schaut zu Xhordi. Der sitzt ziemlich zusammengesunken auf dem Sofa. Eigentlich gehört er an seine Ausbildungsstelle und dann auf den Fußballplatz. Sein einziger Wunsch: Bleiben.

Mehr auf Panorama

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Dienstag kam die Ausländerbehörde: Abschiebung statt Ausbildung


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.