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Geldern
Abschied von Fritz Kox: Mit ihm verliert Geldern ein Original

Geldern. Der Schneidermeister schrieb unzählige Gedichte, Liedtexte und gereimte Gratulationen "op Geldersch Platt". Von Dirk Möwius

Für die Einweihung des "Originale"-Brunnens an der Issumer Straße im Sommer 1993 schlüpfte Fritz Kox in die Rolle von "Marelle-Köb". Auch "Spül-Leen" (Tony Meyer), "Thei Piepenül" (Gerd Lange) und "Tute-Mahnes" (Günter Schraetz) wurden an diesem Tage noch einmal lebendig. Nun ist Fritz Kox im Alter von 84 Jahren verstorben - und damit hat Geldern ein weiteres Original verloren. Denn das war der Schneidermeister mit seinem unermüdlichen Einsatz für seine Heimatstadt und die alte Sprache ohne Zweifel.

Fritz und sein Zwillingsbruder Heinz wurden am 28. März 1933 in Geldern, Hartstraße, geboren. Vater ist Jean ("Schäng") Kox und Mutter ist Gertrud Kox, geborene Küsters. Die Jungs besuchen die Michaelschule. Ihre Schulentlassung ist 1947. Heinz Kox erlernt den Beruf des Malers, Fritz Kox wird Schneider.

In die Lehre ging er "beij Vader Schäng", der auch schon in der zweiten Generation im Schneidersitz sein Geld verdiente. Die Vorfahren mütterlicherseits waren in dem Handwerk sogar schon seit dem Jahre 1648 tätig, als nach dem Dreißigjährigen Krieg die Schneiderzunft zu hoher Blüte kam. "Eck hebb Schneiderblut geervt", sagte Fritz Kox unserer Redaktion kurz vor seinem 70. Geburtstag. Und so arbeitet er - oft im Schneidersitz - weit übers Rentenalter hinaus in seinem Geschäft am Westwall.

Von Vader Schäng erbte er auch die Liebe zur Mundart. "Op Geldersch Platt" schrieb Fritz Kox unzählige Gedichte und gereimte Gratulationen für Jubiläen und Hochzeiten - mit viel Witz, wie er Autor dieser Zeilen als damaliger Nachbar am Polterabend selbst erlebte. Assistiert wurde er von Ehefrau Cilly. Dazu kam der Gesang. Über 40 Jahre war er im Vorstand des MGV, in dem er seit 1951 sang. Bei Bedarf holt man ihn auf die Bühne, so als Bierbrauer in dem Stück "1851", in dem er aus Anlass des 150-jährigen Bestehens des "Historischen Vereins" sein Schauspieltalent bewies. Und bis zuletzt gab es zum Karneval "Liedjes" im Duett mit Hubertus Janssen. Sein langjähriger Weggefährte schrieb unserer Redaktion: "Dän häät en Kopp wien Rathüss", hieß es, weil es ihm in die Wiege gelegt war, Gedichte und Lieder spontan vorzutragen. Viele seiner Vorträge bei den früheren Karnevalssitzungen des Chores seien Allgemeingut geworden. Die letzten Jahre verbrachte er im Adelheid-Haus, wo er sich trotz nachlassender Sehfähigkeit für die Pflege der Geselligkeit einsetzte. Ihm war es vergönnt, noch drei Tage vor seinem Tod das Konzert seines Chores zu erleben. Sein letzter Gruß an uns alle: Macht et euch schön, solange ihr könnt. "Man wird dieses Geldernsche Urgestein nicht nur im Chor vermissen." Den Worten von Hubertus Janssen können wir uns nur anschließen.

Wer Abschied von Fritz Kox nehmen möchte: Die Eucharistiefeier ist am Donnerstag, 19. Oktober, 9.45 Uhr in der Pfarrkirche St. Maria Magdalena. Im Anschluss findet auf dem Friedhof die Beisetzung statt.

Quelle: RP
 
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