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Geldern
Ärger um Flüchtlingsheim: Nachbar wirft Stadt Ignoranz vor

Geldern. Gerd Bloemen, Anwohner der Friedrich-Spee-Straße, wirft der Gelderner Stadtverwaltung vor, die Probleme mit der Flüchtlingsunterkunft in der Nachbarschaft systematisch und wissentlich kleinzureden. Von der Einrichtung gingen quasi ständig massive und dauerhafte Lärmbelästigungen aus. Das sei keineswegs lediglich wegen unbeaufsichtigt spielender Kinder der Fall, sondern auch durch die Erwachsenen, schildert Bloemen. Beispiele seien etwa lautes Telefonieren spät in der Nacht, Streitereien oder geräuschvolle Tätigkeiten rund ums Haus.

"Das geht über Stunden", so Bloemen. Die Anlieger würden ernsthaft in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt und psychisch belastet, und da sie intensiven Kontakt zum Ordnungsamt hielten, wüssten die Vertreter der Stadtverwaltung das auch.

Er ist auch davon überzeugt, dass die Stadt Risiken verharmlost. Wenn Steine oder Stahlkugeln durch Hecken flögen, wie bei einer Anwohnerin geschehen, dann könnten Menschen verletzt werden. "Was ist denn, wenn da etwas passiert?", fragt Bloemen. "Wer haftet dafür?" Seiner Ansicht nach stiehlt sich die Stadt den Anwohnern gegenüber aus der Verantwortung. Und dass es keine aggressive Stimmung in dem Haus gebe, mit dieser Annahme sei die Stadt "sicherlich nicht auf dem neuesten Stand der Angelegenheit". Die Verwaltung vernachlässige ihre "Sorgfaltspflicht" gegenüber den Bürgern.

Die Stadt Geldern versichert, man nehme "Äußerungen oder auch Beschwerden aus der Nachbarschaft immer ernst". Von systematischem Kleinreden könne keine Rede sein. Bürgermeister Sven Kaiser werde in den nächsten Tagen gemeinsam mit Vertretern des Ordnungsamtes das Gespräch mit den Bewohnern der Notunterkunft suchen, kündigte Stadt-Sprecher Herbert van Stephoudt an.

"Selbstverständlich müssen Lärmbelästigungen zum Beispiel durch lautes Telefonieren spät in der Nacht nicht sein", so van Stephoudt. Kaiser werden solche Vorwürfe ansprechen "und sich dafür einsetzen, den gegenseitigen Respekt der Menschen zu stärken".

Den Vorwurf der Untätigkeit oder der Vernachlässigung von Pflichten weise man aber zurück. Um die Lage in der Notunterkunft zu beruhigen, wurden kurzfristig Umzüge arrangiert. Zwei Familien mit insgesamt 14 Personen haben das Haus verlassen, eine vierköpfige Familie soll das Anfang August tun, weitere Umzüge sind vorbereitet.

(szf)
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