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Geldern
Ärzte fürchten um ihre Helferinnen

Geldern. Standort Goch des Berufskollegs auf der Kippe. Ärztekammer in Sorge. Von Anja Settnik

Immer lauter werden die Nachfragen, ob es tatsächlich stimmt, dass das Gocher Berufskolleg in absehbarer Zeit aufgegeben wird. Vom Kreis Kleve als Schulträger gibt es dazu bisher keine klare Auskunft, nur die, dass ein auswärtiges Büro ein Gutachten zum Thema erstellt. Die Ärztekammer Nordrhein, von der möglichen Schließung betroffen, weil dort die medizinischen Fachangestellten ausgebildet werden, hat sich gestern umfassend schriftlich geäußert.

Dr. Wolfram Althoff, Vorsitzender der Ärztekammer Nordrhein mit Sitz in Kleve, gibt zu bedenken, dass 91 Arztpraxen im Kreis etwa 120 Fachangestellte (vorrangig Arzthelferinnen) ausbildeten, zwei Drittel der Praxen befänden sich im Norden des Kreises Kleve. "Der Standort Goch war diesbezüglich hervorragend zentral im Kreis gelegen und erreichbar" - natürlich auch für die Lehrer. Nun sei zu befürchten, dass eine komplette Verlagerung nach Geldern anstehe, weil in Kleve ja schon jetzt 5200 Schüler unterzubringen sind. Gut denkbar auch, dass junge Leute etwa nach Wesel auswichen, was kaum im Interesse des Kreises Kleve sein dürfe.

Wenn im Nordkreis medizinisches Fachpersonal nicht mehr ausgebildet werde, könne das negative Auswirkungen auf die Praxen haben, denn schon jetzt herrscht bekanntlich Ärztemangel im Kreis. "Die Schließung des Standorts Goch ist aus Sicht der Ärztekammer und der Kassenärztlichen Vereinigung Kreis Kleve die falsche Entscheidung", schreibt Althoff. Wenn es aber schon dazu komme, möge dafür gesorgt werden, dass der Ausbildungsgang künftig sowohl in Geldern, als auch in Kleve angeboten werde. Lehrer, Ärztekammer und KV sollten in die Planung einbezogen werden.

Gert Budde als stellvertretender Schulleiter des Klever Berufskollegs sagt, eine Entscheidung sei zwar noch nicht gefallen, es sei aber wohl die Absicht des Schulträgers, den Standort Goch aufzulösen. Wie die derzeit rund 1200 Schüler (und Lehrer) aufgeteilt werden, welche Bildungsgänge nach Kleve, welche nach Geldern kommen - das sei noch offen. "Die neue Struktur könnte frühestens 2019 Realität werden", erklärt Budde. Der Schulleitung sei wichtig, dass es ein möglichst flächendeckendes Angebot gebe, also eine gute Erreichbarkeit der Schule für junge Leute aus dem Südkreis ebenso wie für jene aus dem Norden. "Wir haben allerdings auch Ausbildungsfelder, in denen es so wenige Schüler gibt, dass wir nur eine Klasse bilden können, denn mindestens 16 müssen es sein."

Mit den Arbeitgebern - mit Ärzten ebenso wie mit Bankern oder dem Handel - würden nach und nach Bildungsgangkonferenzen veranstaltet, bei denen das Thema natürlich zur Sprache komme.

Quelle: RP
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