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Franziska Müllers aus Straelen
(Alb-)Traum Modeln: Blick hinter die Kulissen

Franziska Müllers aus Straelen: (Alb-)Traum Modeln: Blick hinter die Kulissen
Franziska Müllers beim Foto-Shooting. Das Geschäft mit der Schönheit führt ins Rampenlicht und vor ruppige Designer. Und man kann vor der Kamera in Rollen schlüpfen und am Ende - wie man hier sieht - hat man schöne Bilder. FOTO: Thomas Zuschlag
Geldern. Franziska Müllers aus Straelen ist in einer Dokumentation für das WDR-Fernsehen zu sehen. Thema: Die Wahrheit über das Modelleben. Im Interview erzählt die 22-Jährige von den Dreharbeiten.

Welche Erfahrungen konntest du als Model schon vor den Dreharbeiten sammeln?

Franziska Ich hatte sowas schon ein paar Mal aus Spaß gemacht, anfangs hatte ich mal ein Fotoshooting mit Freundinnen. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht. Dann habe ich noch ein paar Shootings gemacht, und irgendwann habe ich einen Job bei einem Brautdesigner bekommen und bin für ihn auf einer Brautmesse auf dem Laufsteg gelaufen und habe auch Fotos in Brautkleidern gemacht, teilweise auch wirklich gut bezahlt. Das war aber immer nur ein Hobby, ich habe das nie wirklich ernst genommen, und ein Nebenjob war es auch nicht, weil ich das so selten gemacht habe. Laufstegshows habe ich glaube ich so vier bis fünf gemacht. Dadurch hatte ich natürlich ein paar Kontakte - jetzt nicht in die gehobene Klasse der Branche, aber in Düsseldorf kenne ich zum Beispiel ein paar Models und Designer, die man auf diesen Shows dann trifft.

Wann hast du angefangen zu modeln?

Franziska Angefangen hat das, da war ich noch in der Schule. Also so mit 17, 18, zum Ende der Schulzeit.

Wie war dein Eindruck von der Modelbranche vor den Dreharbeiten?

Franziska Ich fand die Branche nicht besonders ansprechend, man hört halt immer nur Negatives. Das war auch ein Grund, warum wir beim Film gesagt haben: Das wäre doch nicht schlecht, wenn ich selber mal in die Szene eintauche - mal schauen, ob sie wirklich so ist. Für den Film habe ich mir auch eine Modelagentur gesucht und bin selbst nochmal als Model aktiv zu sehen. Ich habe aber auch mit anderen Models gesprochen, eine war für drei Monate in New York, sie modelt hauptberuflich. Da ging es aber nicht um die Frage, warum man überhaupt modelt, sondern um alles, was man in dem Zusammenhang vermutet: Essstörungen, Bezahlung oder wie ist das eigentlich mit der Würde - fühlt man sich da nicht als "angezogener Kleiderständer"?

Wie konntest du denn selbst aktiv werden, welche Jobs hast du gemacht?

Franziska Für den Film habe ich ein Fotoshooting gemacht, zwei Laufstegjobs und ein Casting.

Wie hast du das Modelleben denn dann tatsächlich am eigenen Leib erlebt?

Franziska Ich habe erlebt, dass die Modelbranche wirklich nichts für mich ist. Das wusste ich eigentlich schon vorher, aber ich habe das da jetzt nochmal richtig gemerkt. Es ist super cool, wenn du es mal als Hobby machst, weil man ganz viele neue Leute kennenlernt. Aber wenn ich mir vorstelle, ich hätte eine Agentur und ich werde dann angerufen, heute musst du nach Hamburg und dann musst du wieder nach München und weißt nicht mal 24 Stunden vorher, was passiert... so war das häufig bei Models auf internationaler Ebene. Dann sind die Designer auch nicht immer nett, was mir mehrere Models erzählt haben. Sie sehen dich nur als Objekt. Du musst gut aussehen, gut laufen, gut posen - dann bist du gut. Aber was in dir drin ist, zählt nicht wirklich. Das ist das Problem, das ich damit habe.

Diese Erfahrungen werfen ja ein eher schlechtes Licht auf das Modelleben. Gibt es auch einen Aspekt, den du toll fandst, der dir Spaß gemacht hat?

Franziska (lacht) Wie gesagt, ich habe halt Jobs im kleinen Rahmen gemacht. Das hat mir super viel Spaß gemacht! Bei so einer Show sind dann mal 30 Models, die sind alle nicht zickig, das sind alles Nachwuchsmodels, die das wie ich als Hobby machen. Fotoshootings machen mir auch Spaß, du kannst dich austoben und bist vor der Kamera jemand ganz anderes. Und am Ende hast du schöne Fotos.

Konntest du im Rahmen der Dreharbeiten auch einen Blick in das internationale Geschäft werfen?

Franziska Wir haben mit einem Model gedreht, das ich auch von einer Show kannte. Sie ist dunkelhäutig, hat ganz kurze Haare, also insgesamt ein exotischer Typ. Bei ihr stand zur Debatte, dass sie auf der London Fashion Week läuft, was echt eine große Nummer ist. Sie hatte zuvor drei Monate in London gelebt, um sich da zu etablieren. Doch für die Fashion Week hätte sie stark an Gewicht verlieren müssen - und sie ist schon echt ein Strich in der Landschaft. Sie hat es nicht geschafft und wollte es aus gesundheitlichen Gründen auch nicht. Ich bin für den Film trotzdem mit ihr nach London geflogen, und dort waren wir gemeinsam auf einer Show der London Fashion Week.

Wie hast du die Unterschiede zwischen deinen kleineren Jobs in Düsseldorf und der großen Fashion Week in London wahrgenommen?

Franziska Die Mädels waren teilweise echt sehr kindlich, da bin ich mir nicht sicher, ob die wirklich alle über 18 waren. Es waren unterschiedliche Nationalitäten, es war ein ganz anderes Flair, auch die Besucher. Da war einer im kompletten Latexanzug, auch im Gesicht mit aufblasbaren Haaren, das war ein bisschen wie Karneval (lacht). Dieses Verkleidete - das ist für mich keine Mode, wenn jemand mit einer Badekappe kommt. Das muss man mit einem gewissen Humor sehen. Das war ein echter Unterschied. Bei meinen Jobs war es noch absolut im Rahmen. Als zu dick hat mich zum Glück niemand bezeichnet. Was bei mir nicht fürs Modeln reicht: Ich habe eine "zu breite" Hüfte, also ich passe nicht in eine Hose in Größe 34. Der Fashionbereich ist also nichts für mich, die Modelagentur hat mich eher im Commercial-Bereich gesehen: Also Werbung und Prospekte beispielsweise. Gekränkt hat mich das aber nicht. Ich bin sehr gut behandelt worden, also die Klischees haben sich nicht bestätigt - im semiprofessionellen Bereich.

Du hast für dich festgestellt, dass du kein Model werden willst. Gibt es Tipps für Mädels, die sich das aber unbedingt wünschen?

Franziska Ich glaube, mit dem Alter kommt auch so ein bisschen die Vernunft, dass das Modeln nicht das Einzige sein kann. Man muss sich klarmachen: Wenn du nicht absolutes Topmodel wirst, bist du spätestens mit Mitte 30 raus - und was dann? Was ich definitiv sagen kann, ist, dass es im Internet ganz viele Seiten mit Modelkarteien gibt, da muss man extrem aufpassen, vor allem was man für Bilder reinstellt. Es gibt viele schwarze Schafe. Es ist echt gefährlich, da blind irgendwo zuzusagen. Man sollte nicht zu naiv und blauäugig sein. Gerade in der Branche kann das schnell nach hinten losgehen.

SINA HONNEN FÜHRTE DAS INTERVIEW

Quelle: RP
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