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Geldern
Alt trifft neu: Tischler zeigen die schönsten Gesellenstücke

Geldern. Die Tischlerinnung stellt im Museum Haus Koekkoek die besten Arbeiten vor. Ausbildungsbetriebe in Wachtendonk und Kevelaer. Von Matthias Grass

Keine Verschlüsse oder Öffnungen stören die klare Linie. Tischlergeselle Matthias Staudt baute einen Schrank, in dem Eiben-Furnier und Schleiflack eine glatte Fläche bilden. An der Unterkante gleitet die Hand in die glatten Griffmulden, um Schranktür und Schubladen zu öffnen. Zieht man die Schubladen ein Stück heraus, schließen sie an die Furnierlinie des vorspringenden Schränkchens an. Es ist die Reduktion auf das Wesentliche, die den Charme des Sideboards ausmacht, das jetzt als bestes Stück der Gesellenprüfung auserkoren wurde. Ausbildungsbetrieb: Deckers aus Wachtendonk.

Mahagoni war das Holz der Tischler des 19. Jahrhunderts, teils massiv, meist aber furniert auf Weichholz - also Fichte oder Kiefer. Diese "Biedermeier"-Möbel stehen heute als besondere Stücke herausgehoben da. Meist hochglanz-poliert, liebevoll im Detail gearbeitet. Wie die mächtige Kommode im Haus Koekkoek mit ihren Messingkapitellen und Basen, den Leisten. Rheinisch sei sie, sagt Ursula Geisselbrecht, die künstlerische Leiterin des Hauses. Oder die wundersame Eckvitrine, auch sie Mahagoni. Das war damals eben der letzte Schrei in den Salons des Bürgertums. Auch sie rheinisch, vielleicht auch niederländisch, von 1820, das gute Stück mit "Viertelrund und Fadeneinlagen und Schinkeldach", wie Geisselbrecht das 200 Jahre alte, so wunderschön bürgerliche Eckmöbel beschreibt.

Im alten Künstlerpalais B. C. Koekkoek-Haus stehen heute neben den Bildern des Landschaftsmalers auch einmal die Möbel im Fokus. Denn die im Schnitt 200 Jahre alten Stücke in den Koekkoek-Salons treffen auf ihre modernen Zeitgenossen. Die Tischlerinnung des Kreises Kleve stellt in dem Klever Museum die besten Gesellenstücke der Prüfung 2015 vor. "Die gute Form" heißt die Präsentation, die Arbeiten der 17 besten der insgesamt 47 neuen Gesellen ausstellt, erklärt der Obermeister der Innung, Heinz-Josef van Aken aus Kevelaer. Es sind Arbeiten, mit denen die Gesellen ihr Können in Verbindungen und Verschlüssen nachweisen, aber auch ihr Verständnis von Form ausdrücken können. Das reicht von einem aufwendigen Garderobenmöbel mit einem interessanten Materialmix über Phono-Schränke bis hin zum Tisch. In diesem Jahr haben sich viele Gesellen für Hängeschränke entschieden, frei schwebende Möbel, darunter viele Phono-Möbel. Aus den 17 Stücken hat jetzt eine Jury nochmals die fünf besten ausgewählt. Auf Platz eins kam als bestes Stück der diesjährigen Ausstellung der klar gezeichnete Hängeschrank von Matthias Staudt.

Den zweiten Platz erreicht ein Weinschrank mit allen Raffinessen bis hin zur Schublade, die sich als Tablett benutzen lässt. Ihn schuf Robin Peuyn von Möbelbau Hendrix aus Kevelaer. Der dritte Platz ging schließlich an einen Tisch von David Volk von Haus Freudenberg in Kevelaer. Der Dialog zwischen alt und neu ist bis 12. Juli zu sehen.

Quelle: RP
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