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Issum
Alte Bauernhöfe und ihre Geschichte(n)

Issum: Alte Bauernhöfe und ihre Geschichte(n)
Clemens Brüx und Gerd Halmanns mit den Autoren Guido Tersteegen, Heinz Dieter Bonnekamp und Jürgen Kwiatkowski (v.l.). FOTO: sey
Issum. Auf mehr als 600 Seiten berichten Guido Tersteegen, Heinz Dieter Bonnekamp und Jürgen Kwiatkowski akribisch über Issums Herrengüter, Höfe und Katen. Das Buch ist im Handel erhältlich und die Jahresgabe des Historischen Vereins. Von Dirk Möwius

Es ist ein schweres Werk geworden. "Das kann man gar nicht im Bett lesen, wir hätten wohl doch besser zwei Bände gemacht", meint Jürgen Kwiatkowski schmunzelnd. Zum Glück ist es aber nicht schwer zu lesen, sondern es macht ausgesprochen Spaß, sich durch die mehr als 600 Seiten zu arbeiten. Unter dem Titel "Herrengüter, Bauernhöfe, Katen - Die Geschichte der Issumer Bauernschaften und ihrer Bewohner" hat Issums Gemeindearchivar gemeinsam mit Guido Tersteegen und Heinz Dieter Bonnekamp akribisch geforscht und aufgeschrieben, was über Generationen auf den Höfen passiert ist. Das Buch ist nicht nur im Handel erhältlich. Die Mitglieder des Historischen Vereins für Geldern und Umgegend erhalten es als Jahresgabe.

Zwei Beispiele für die lebendige Erzählung: Im umfangreichen Kapitel um Haus Issum wird vom Ball in Issum bei Wirt Carl Fabry an der Neustraße berichtet - am 14. September 1848. Da "belästigt" Wilhelm Metzges aus Geldern die Balldamen von Johann Aenstoots und Paul Hannen. Es fallen Worte wie "Bauernlümmel", und es kommt zur Schlägerei, bei der auch Paul Hannen einiges abbekommt. Zwei Tage später erklärte er aber, dass sich alle gütlich geeinigt haben, und nimmt seine Klage zurück. Seine Balldame Anna Margaretha Kleinmans heiratet er denn auch ein Jahr später und wird Bauer auf dem Layerhof.

Ein Feuer wütet dagegen 1869 auf dem Hof Kaiser, Pousen im Hamsfeld. "Mutter, was es hier auf unserem Zimmer doch so hell", weckt Tochter Adelheid gegen 1 Uhr die Familie. Die Wohnstube brannte. Adelheid und ihre elfjährige Schwester Mechtild schliefen im Schlafzimmer der Eltern. Zum Glück konnte sich Familie Nepecks komplett retten, auch alle Tiere (ein Pferd, vier Kühe, zwei Kälbchen und zwei Schweine) wurden gerettet. Nachbar Dietrich Bennekamp ritt nach Issum, um drei Uhr war die Brandspritze im Einsatz. Das Wohnhaus wurde teilweise zerstört.

Solche Geschichten finden sich reihenweise in dem Buch, das nach der Lage der Höfe von Hamsfeld über Lamerong, Hoch- und Niederwald, Bönninghardt bis Brückerheide geordnet ist. Fünf Jahre Arbeit steckt in dem Werk, das Guido Tersteegens Idee war - motiviert auch durch das Buch über Kapellens Höfe von Udo Oerding und Stefan Frankewitz. Tersteegen besuchte die Höfe und kam so an die Hofakten, die von Heinz Dieter Bonnekamp transkribiert wurden. Kwiatkowski wertete das Material der Archive aus. Die Höfe sind, wenn man von der erst ab Ende des 18. Jahrhunderts besiedelten Bönnighardt absieht, fast alle sehr alt und waren überwiegend Lehnshöfe der Herren von Haus Issum, Haus Steeg, Haus Eyll in Kamp-Lintfort, der Herren von Alpen, des Stifts Xanten, des Klosters Nazareth Geldern oder der Grafen und Herzöge von Geldern.

Bürgermeister Clemens Brüx zeigte sich bei der Vorstellung des Buches im Ratssaal begeistert von dem Werk. "Wer seine Heimat liebt, will mehr über sie erfahren", so der Verwaltungschef. Für den Historischen Verein dankte Vorsitzender Gerd Halmanns neben den Autoren (für die es kein Honorar gibt) besonders den Sponsoren, die es ermöglichten, das Buch für 25 Euro anzubieten. Zu ihnen gehören neben der Sparkasse Krefeld der Landschaftsverband, der Förderkreis für Geschichte und Mundart im Kreis Kleve, der Verkehrsverein Issum und die Familie Bösken-Diebels.

Quelle: RP
 
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