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Geldern
Alte Totenzettel erzählen Geschichte und Geschichten

Geldern: Alte Totenzettel erzählen Geschichte und Geschichten
Heimatforscher Willi Tissen hat für seine Sammlung 8500 Totenzettel aus der Region um Pont und Geldern erfasst. FOTO: Möwius
Geldern. Es begann mit dem Totenzettel von Maria Römmen. Die Haushälterin von Lambert Janßen war wie ihr Arbeitgeber "von ruchloser Hand gewaltsam aus dem Leben" gerissen worden, hieß es im Text. Ein Doppelmord in Pont im Jahr 1925. Willi Tissen wurde neugierig und recherchierte. Von Dirk Möwius

Und arbeitet die Details der Geschichte auf: Von der Kate, die als Schmugglertreff diente, über die Entdeckung der Leichen im Jauchekeller bis zur Verhaftung der drei Täter und dem anschließenden Prozess in Kleve. Für den "Geldrischen Heimatkalender 2002" schrieb er die Geschichte auf. Die Totenzettel ließen ihn seitdem nicht mehr los. 8500 Stück aus der Region um Pont und Geldern hat er mittlerweile erfasst, die 10.000 Grenze dürfet kein Problem sein.

Wobei er dabei nicht allein ist: Monika Eggerling, seine Cousine, kümmert sich um die elektronische Verarbeitung der Sammlung. Totenzettel, die nur leihweise zur Verfügung gestellt werden, scannen die Sammler ein und drucken Kopien aus. Der größte Teil liegt aber im Original vor. Vor allem, weil Willi Tissen geduldig die Bauernhöfe der Region abklappert. Nicht immer übergibt man ihm beim ersten Besuch die privaten Bestände, aber wenn er öfters vorbeikommt und erzählt hat, was sich alles mit den Totenzetteln machen lässt, findet er viel Entgegenkommen. "Es ist ein bisschen, wie auf Jagd gehen ... einfach spannend", beschreibt er die Suche nach neuem Material.

Denn die Totenzettel machen Geschichte lebendig. Vor allem, wenn man sich die Mühe macht, die Daten mit anderem historischem Material zu verbinden und so mehr über die Menschen herauszufinden. Tissen: "Man kann den Menschen nahe kommen, weil oft das Leben der Verstorbenen in wenigen Sätzen zusammengefasst wurde. Für Familienforscher eine wahre Fundgrube." Davon kann man sich am Volkstrauertag und am Samstag davor (18. und 19. November) in Pont überzeugen. Als Ur-Ponter widmet sich Tissen, der heute in Veert lebt, intensiv seinem Heimatort. Und so werden nicht nur die Totenzettel zu sehen sein, sondern auch Ausstellungsstücke wie Trauerkleidung und ein Totenbrett. Dazu gibt es Hinweise auf die Gefallenen beider Weltkriege und eine Sammlung von Flugblätter, die von den Alliierten am Niederrhein aus der Luft abgeworfen wurden. Sein Bruder Gerhard Tissen stellt zudem Kriegsliteratur und Plattdeutsch-Bücher vor.

Für die Ausstellung wird auch auf Niederländisch geworben. Willi Tissen: "Im Nachbarland kannte man Totenzettel, so genannte Bitprendjes, viel früher als im deutsch-sprachigen Raum." Das wird man auch in der Ausstellung sehen. Seit etwa Anfang 1700 kennt man die Tradition, oft wurden zunächst Heiligenbildchen oder Spielkarten mit den Daten des verstorbenen beschriftet. Der älteste Totenzettel in der Sammlung Tissen stammt aus dem Jahr 1746.

In Arbeit ist auch ein Buch, dass auf gut 250 Seiten die Sammlung dokumentieren soll. Zur Ausstellung soll es druckreif sein. Da es nur nach Bedarf produziert werden wird, kann man es jetzt schon unter totenzettel-pont@t-online.de bestellen. Der Preis liegt noch nicht genau fest, er wird etwa bei 45 Euro liegen.

Ausstellung Totenzettel aus Pont und Umgebung, Altkreis Geldern sowie angrenzende Niederlande erzählen Geschichte und Geschichten. Samstag, 18. November, 13 bis 18 Uhr, Sonntag, 19. November, 10 bis 17 Uhr. Haus der Vereine in Pont.

Quelle: RP
 
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