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Gelderland
Am Sonntag geht es um die Rathäuser

Gelderland: Am Sonntag geht es um die Rathäuser
Jörg Grahl, Geldern FOTO: Seybert, Gerhard (seyb)
Gelderland. Enorm spannend, enorm emotional, mitunter aufwühlend war der Wahlkampf der letzten Wochen. Am Sonntag gehen die Bürger an die Urnen. Spannend wird es vor allem in Geldern und Issum - da gibt es jeweils vier Bewerber. Von Unserer Redaktion

Gegen 19.30 Uhr wird am Sonntag vermutlich feststehen, wer in den nächsten fünf Jahren in den Rathäusern das Sagen hat. Zumindest in jenen Kommunen, in denen es einen klaren Sieger gibt: Ein neuer Bürgermeister muss die "absolute Mehrheit" haben. Das heißt, er muss mehr als die Hälfte aller abgegebenen Stimmen auf sich vereinen. Klappt das nicht, geht's in die Stichwahl.

GELDERN Besonders spannend wird es überall dort, wo es mehrere Bewerber gibt. So in Geldern. Dort tritt Jörg Grahl für SPD, Grüne, Linke und Piraten an. Hanneke Hellmann ist Einzelbewerberin. Ebenso wie Bürgermeister Ulrich Janssen, der als Amtsinhaber an den Start geht. Unterstützt wird er von der FDP. Für die CDU will Sven Kaiser das Rathaus erobern.

Der Wahlkampf ist mit harten Bandagen geführt worden. Letzte dramatische Zuspitzung: Die Kommunalaufsicht musste nach einer Beschwerde die Gelderner Stimmzettel prüfen; erst seit Donnerstag steht fest, dass die Wahl am Sonntag überhaupt stattfindet. Davor unterzeichneten alle Parteien außer der FDP den Vorwurf, Ulrich Janssen nutze städtische Einrichtungen für seine Zwecke. Grund war unter anderem seine Wahlwerbung auf Bussen. Janssen erklärte die Anschuldigungen für haltlos.

Alle vier Kandidaten wollen Sonntagabend im Bürgerforum des Rathauses am Issumer Tor sein, wo sie sich dann bejubeln oder trösten lassen werden - je nachdem, wie's ausgeht. Kommt keiner von ihnen auf über 50 Prozent der Stimmen, dann wird am Sonntag, 27. September, die Stichwahl zwischen den beiden Kandidaten mit der höchsten Stimmenzahl ausgetragen.

WACHTENDONK In Wachtendonk beginnt eine neue Zeitrechnung. Bürgermeister Udo Rosenkranz, seit 1997 auf dem Chefsessel im Rathaus, tritt nicht mehr an. Ein Zweikampf ist entbrannt - auch wenn die Gemeinde von einer echten Schlacht im Vorfeld des morgigen Urnengangs wie in Geldern verschont geblieben ist. CDU-Bewerber ist der in Verwaltungsarbeit erfahrene Hans-Josef Aengenendt, derzeit Kämmerer von Kempen. Der 54-Jährige betrachtet die neue Aufgabe als Herzensangelegenheit, wie er auf der Podiumsdiskussion der KAB jüngst verkündete. Sein Konkurrent ist der parteilose Berthold Perret, der von der SPD unterstützt wird. Er will Wachtendonk für Touristen bekannter machen, der Wiederaufbau der Burgruine schwebt ihm vor, und er träumt von einem mittelalterlichen Brauhaus.

ISSUM Spannend wird es ebenfalls in Issum. Vier Kandidaten treten an. Politische Beobachter gehen davon aus, dass es in 14 Tagen zur Stichwahl kommen wird. Stefan Vester, bereits Mitglied im Gemeinderat, wurde von der CDU nominiert. Der parteilose Clemens Brüx kann auf die Unterstützung von SPD und FDP zählen, die ihn zum Kandidaten ernannt haben. Ebenfalls über die CDU wollte Bernd Deckers sich um das höchste Amt in der Gemeinde bewerben. Da die Christdemokraten das nicht wollten, ist er aus der Partei ausgetreten, hat sein Ratsmandat niedergelegt und tritt nun auch als Parteiloser an. Hans-Theo Deckers, ebenfalls parteilos, vervollständigt das Kandidatenquartett in Issum. Der Wahlkampf sei sehr fair verlaufen, fanden Beobachter und Kandidaten.

KERKEN Recht einfach stellt sich die Situation in Kerken dar. Dirk Möcking war vor sechs Jahren von SPD, FDP und BVK nominiert worden und zog ins Rathaus ein. Nach einer gelungenen Wahlperiode ist er nun der einzige Kandidat, da die CDU auf einen eigenen Bewerber verzichtete. Trotzdem warb der Bürgermeister in den vergangenen Wochen intensiv darum, dass die Kerkener an die Wahlurne gehen.

Für alle Gemeinden gilt: Wie die Stimmen am Sonntag ausgezählt werden, ist genau vorgeschrieben. Die Helfer in den Wahllokalen machen sich als erstes an die Ergebnisse der Landratswahl. Danach geht es um die Bürgermeisterwahl. Weil der Aufwand aber recht übersichtlich ist - beispielsweise gibt es keine Erst- und Zweitstimme - rechnen die Wahlleiter damit, dass die Auszählung zügig läuft.

Großes Thema ist die Frage nach der Wahlbeteiligung. Eine reine Bürgermeister-Wahl ist Neuland. Niemand weiß, ob die Menschen dafür sogar besonders begeistert an die Urne gehen oder ob sie fernbleiben. Allerdings liegt eine ordentliche Wahlbeteiligung nahe: Von den Briefwählerstimmen zu schließen dürfte sie ähnlich sein wie bei den Kommunalwahlen, bei denen es um die Stadt- und Gemeinderäte ging.

Quelle: RP
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