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Kerken
Amüsanter Familienkrach auf der Bühne

Kerken: Amüsanter Familienkrach auf der Bühne
Hier ist offensichtlich dicke Luft in der gutbürgerlichen Stube. Doris Keysers und Hans Onkels verkörpern Ottilie und Otto Neureich. In witzigen Dialogen spielen sie einander die Bälle zu. Das Publikum hatte seine helle Freude an dem Stück. FOTO: Thomas Binn
Kerken. Wie verträgt sich blaues Blut mit Erbsensuppe? Dieser Frage gibt das Nieukerker Mundart-Theater des Heimatvereins im diesjährigen Schwank "Blau Bluut on Ärtetsup" eine sehr unterhaltsame Antwort. Von Anne Klatt

Am Freitag war die Premiere im ausverkauften Nieukerker Adlersaal. Nach einer kurzen Begrüßung durch Peter Völker, Regisseur und Hauptorganisator des Theaters, präsentierte der sich öffnende Vorhang den Mundart-Freunden im Saal ein detailverliebtes Bühnenbild, das ein gutbürgerliches Wohnzimmer zeigte.

In drei Akten erzählten acht Schauspieler die Geschichte der Familie Neureich, die durch eine Erfindung des Vaters, Imbissbudenbesitzer Otto Neureich, zu millionenschwerem Reichtum gelangt sind. Während Otto, gespielt von Hans Onkels, und seine Tochter Bettina, gespielt von Adelheid Mevissen, trotz der Millionen auf dem Boden geblieben sind, versucht Ottilie Neureich, toll verkörpert von Doris Keysers, krampfhaft, in elitäre Bekanntenkreise aufgenommen zu werden. Als sie auf die Idee kommt, ihre Tochter gegen deren Willen mit dem wohlhabenden Grafen von Romandeaux zu verkuppeln, versinkt das von Otto geliebte normale Familienleben in einem Chaos. Ottilie will "blaues Bluut met ons Pomes-Frittes-Blut vermischen".

Einzig Hausmädchen Susi, gespielt von Simone Fink, merkt, dass Bettina eher Augen für den neu angestellten Butler Johann (Markus Smeets) hat. Als wäre die Aufregung nicht schon genug, hat Ottilie nun noch mit einer größenwahnsinnigen Köchin Berta (Kathi Quinders) zu kämpfen. Die größte Überraschung hält jedoch der Besuch von Gräfin Adele Romandeaux, gespielt von Beate Seliger, und ihrem Sohn Hugo, verkörpert durch Andreas Notz, bereit.

Das Ensemble, das sich seit Februar mit dem Stück beschäftigt hat, überzeugte vom ersten Akt an und hatte mit pfiffigen Dialogen und wahren Schlagabtauschen mit Worten wie "Kniisbüül", "Greesfot" und "Schprääkbaas" das Publikum schnell auf seiner Seite. Originell wirkten außerdem die fein gesetzten lokalen Bezüge auf das Nieukerker Umland. Besonders interessant war die aufmerksame Teilnahme des Publikums, das einzelne Wörter aufschnappte und amüsiert untereinander wiederholte.

Über diese Beobachtung freute sich auch Regisseur Völker, der den Schwank von Dieter Adam eigens vom Süddeutschen ins Naikirksch Platt übersetzt hatte: "Das ist ein textgebundenes Stück, und das Publikum geht voll mit! Das ist toll!"

Einige Gäste begleiten das Mundart-Theater bereits seit seinem Beginn vor über 20 Jahren. So auch Marlene und Joachim Bänsch aus Veert, die es vor allem toll finden, "wenn man die bekannten Schauspieler wieder sieht". Marlene Bänsch hob den besonderen Humor des Theaters hervor, es sei "immer zum Lachen".

Dass das Mundarttheater auch mit der diesjährigen Aufführung den Humor seiner Fans getroffen hat, zeigten begeisterte Unterhaltungen in den Pausen, die sich um "Ärtetsup" aber auch um den ein oder anderen Kraftausdruck des Stückes drehten.

Am kommenden Wochenende wird das Stück freitags und samstags jeweils abends um 19.30 Uhr und am Sonntag mit Kaffee und Kuchen um 17 Uhr aufgeführt. Am kommenden Mittwoch, 25. November, findet von 18 bis 19 Uhr der Vorverkauf für die letzten Karten in der Heimatstube "Schpöötenhüske" statt.

Quelle: RP
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