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Geldern
Animationsprogramm am Holländer See

Geldern: Animationsprogramm am Holländer See
Am Holländer See ist sechs Wochen lang das Zeltlager "Castra Nova" aufgebaut. Dort wird Kindern ein abwechslungsreiches Ferienprogramm geboten. Ende ist erst am 4. August, es können also noch Plätze gebucht werden. Ansprechpartner ist Michael Krenn, Telefon 0171 8362424. FOTO: gerhard seybert
Geldern. Sechs Wochen dauert das von der Deutschen Pfadfinderschaft organisierte Ferienlager in Geldern. Die Zelte sind aufgeschlagen und wettertauglich imprägniert. Die Kinder kommen aus ganz Europa. Ein Blick auf den Tagesablauf. Von Bianca Mokwa

Morgenstimmung im Zeltlager. Vier Mädels stehen eng umschlungen nebeneinander, den Schlafsack über die Schultern gezogen. Um den großen Feuerplatz am Holländer Seen sitzen fünf Dutzend Kinder und Jugendliche. Über die Baumwipfel hinweg schallt die Stimme des Mannes, der in der Mitte steht. "Schlafen steht heute nicht auf dem Programm", stellt er klar. Stattdessen kündigt Michael Krenn Zumba mit Anton, Völkerball mit Manni und Blumen basteln mit Monika an. Was es zum Mittagessen gibt, verrät der Lagerleiter auch schon: Kartoffeln, Bratwurst und leckeren Salat. Bei der Ankündigung der letzten Speise ist ein Murmeln zu hören. Salat ist wohl nicht so beliebt, ist ja wie zu Hause, wenn Mutter ankündigt, es gibt was Gesundes.

Dabei sind die Kinder hier in den Ferien. Und das ist schon was anderes. Sechs Wochen lang hat die Deutsche Pfadfinderschaft den Platz am Holländer See für das Zeltlager zur Verfügung. Pfadfinder muss aber keiner der Teilnehmer sein. Das ganze nennt sich auch "Ferien für Kinder" oder auch "Castra Nova". Den Namen hat sich mal ein Betreuer ausgedacht, ein Gymnasiast. Der hat "neues Lager" einfach mal ins Lateinische übersetzt. "Weil es auf Latein schöner klingt", sagt Krenn und lächelt. Aber es stimme ja auch. Jedes Lager sei irgendwie auch neu, mit neuen Kindern und neuen Betreuern. Manche kommen immer wieder.

Zoé, Sven und Jana haben sich fürs Basteln entschieden. FOTO: Seybert, Gerhard (seyb)

Aktuell sind 67 Kinder auf dem Platz, aus Geldern, Hamburg, Brandenburg, andere sind aus Zypern, Russland und Belgien. Verständigung geht zur Not mit Händen und Füßen. "Aber die Sprache, das ist bei Kindern ja weniger ein Problem", sagt Lagerleiter Krenn. Und das Guten-Morgen-Abschlusslied, das können alle mitschmettern. "Fli-Flei-Flo" schallt es jetzt aus vielen Kehlen über den stillen See hinweg. "Das Wichtigste ist aber das Motto am Schluss", betont Krenn. "Das Motto ist: Habt Spaß! Das ist der Grund, warum wir hier sind."

Nach dem Schlachtruf verteilen sich die Kinder, nehmen an den verschiedenen Angeboten teil. Zwei Mädels sitzen über einem Schachspiel, nebenan werden Papierblumen gebastelt. Wie das funktioniert, erklärt Monika van den Boom. Ihr Mann ist bei den Pfadfindern. Gemeinsam mit dem achtjährigen Sohn Sven kommt Monika stundenweise vorbei und erklärt zum Beispiel, wie sich Strohhalme und runde Papierscheiben in eine Blume verwandeln lassen. Zoé hört aufmerksam zu. Die Elfjährige ist zum ersten Mal dabei, ihre Mutter arbeitet in Geldern. Fürs Blumen basteln hat sie sich entschieden, weil sie Völkerball nicht so sehr mag und Zumba schon getanzt hat. Es gibt keinen Zwang, etwas zu tun, aber genug Angebote, um daraus auszuwählen. Es gibt ein Leben jenseits von Fernsehen und Spielkonsolen. Neben Zoé wickelt Jana geduldig türkisgrüne Fäden um ihre Finger, Fingerhäkeln nennt sich das. Vielleicht wird später daraus ein Schal, sagt die Siebenjährige aus Essen. Sie ist auch zum ersten Mal dabei. Eine Freundin hat sie auch schon gefunden, Geena.

Währenddessen schallen aus dem Zelt gegenüber lateinamerikanische Rhythmen. Weil das Zelt zu ist, trauen sich auch Jungs ans Zumbatanzen. Wenige Meter entfernt hat Betreuer Manuel Hesselbart aus Kevelaer zum Völkerball-Battle aufgerufen. Der 18-Jährige ist zum ersten Mal als Betreuer dabei. Auf die Idee hatte ihn ein Freund gebracht. "Klar sind die auch mal frech, aber das ist okay", sagt der Kevelaerer über seine Schützlinge. "Ich denke schon, dass sie mich als Autoritätsperson sehen." Aber wie funktioniert denn nun ein Zusammenleben für mehrere Tage, mit Menschen, die ganz unterschiedlich sind und sich vorher noch nie getroffen haben? "Wir versuchen, uns nicht als Betreuer und Kinder zu sehen, sondern als eine Familie", lüftet Krenn das Geheimnis. "Auch da gibt es große Brüder und kleinere Geschwister." Und abends, am Lagerfeuer beim Stockbrotbacken und Geschichten erzählen, da wird es noch einmal richtig gemütlich.

Quelle: RP
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