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Geldern
Anwohner bleibt auf Sperrmüll sitzen

Geldern: Anwohner bleibt auf Sperrmüll sitzen
Wolfgang Sendek stellte Sperrmüll an die Duisburger Straße. Der wurde jedoch nicht abgeholt, und in den nächsten Tagen wuchs der Berg immer weiter. FOTO: Privat
Geldern. Eigentlich wollte Wolfgang Sendek aus Hartefeld Sperrmüll loswerden. Dass er stattdessen noch karrenweise fremden Abfall wegräumen würde, das hätte er sich nicht träumen lassen. Er ist unzufrieden mit der Reaktion der Stadt. Von Sina Zehrfeld

Zum jüngsten Abholtermin hatte Wolfgang Sendek Sperrmüll angemeldet. Der 67-Jährige wohnt am Goorweg, fast an der Ecke Duisburger Straße. Um es den Abholern leicht zu machen, stellte er seine Sachen - ein paar zerlegte Schränke, eine alte Hammond-Orgel und einige Regalbretter - am Abend vor dem Abfuhrtermin an der Duisburger Straße ab, gemeinsam mit den Dingen eines Nachbarn. "Wir dachten, dann liegt da nur ein Haufen statt mehrerer, das wäre praktisch. War ein Fehler von uns", sagt Wolfgang Sendek.

Denn über Nacht - so berichtet Sendek - ereignete sich die wundersame Müllvermehrung. Die Hammond-Orgel war schon weg. Dafür war der Müllberg gewachsen, auch um allerlei, das nicht in den Sperrmüll gehört.

Stadt-Sprecher van Stephoudt: "Riesenmenge Kram". FOTO: Archiv

Die Folge: Die Mitarbeiter der Firma Schönmackers, die für die Sperrmüll-Abfuhr zuständig ist, ließen den Berg stehen, wie er war. Und so wuchs er weiter - bis auf eine Länge von etwa 15 Metern auf dem Grünstreifen neben dem Radweg. "Da stand alles Mögliche rum": Matratzen, alte Toilettenschüsseln und anderer Bauschutt, Gläser, Töpfe, Plastikschüsseln, Restmüll und zertrümmerte Möbel, zählt Sendek auf.

Er wandte sich an die Stadt. Deren Antwort: Seine Nachbarn und er selbst sollten den Müllhaufen zum Wertstoffhof schaffen. Spermüll wird dort kostenfrei angenommen, Restmüll und Bauschutt wird man dort gegen Geld los. Schön fand Wolfgang Sendek das nicht. Aber er sagt: "Ich will keinen Krach haben, auch nicht mit der Stadt." Also räumten seine Nachbarn und er schlussendlich selbst auf. Sie brachten Müll weg, entsorgten einiges über den Restmüll, lagerten anderes auf den eigenen Grundstücken zwischen. Wolfgang Sendek schaffte unter anderem Bretter, zwei fremde Matratzen und Reste von sanitären Einrichtungen in seine Garage und brachte die Sachen später mit dem Anhänger zum Wertstoffhof.

Was ihn wirklich ärgert: Er findet, dass die Stadt sich aus der Affäre gezogen hat. "Bin ich für den Müll anderer Leute verantwortlich, wenn die ihn da abstellen?", fragt er. "Da kommt nachts einer, stellt mir Müll vors Haus, und ich muss das dann wegmachen?"

Nein, prinzipiell ist das nicht der Fall, verneint die Stadt. Sie verweist aber auf die Aussagen der Mitarbeiter der Firma Schönmackers. Die sagen nämlich: Schon, als sie am Morgen ankamen, sei der Müllberg an der Straße viel zu groß gewesen. "Selbst, wenn man zwei Haushalte zugrunde legt, wäre man nicht klargekommen", erklärt Stadt-Sprecher Herbert van Stephoudt, was die Firma Schönmackers zu dem Fall mitgeteilt hat. "Das war eine Riesenmenge Kram."

Und abgesehen von der Menge sei auch von Anfang an alles mögliche dabei gewesen, was nicht unter die Kategorie "Sperrmüll" fällt.

Wenn die Fahrer den Eindruck hätten, dass zu einer Sperrmüll-Ladung einfach irgendetwas dazugestellt worden sei, seien sie oft kulant und nähmen den "ordentlichen" Sperrmüll mit. "In diesem Fall sei es aber so gewesen, dass alles wild durcheinander lag", so van Stephoudt. Das sei schon untypisch dafür, dass einfach etwas wild abgeladen worden sei. Und auf keinen Fall würden die Schönmackers-Mitarbeiter dann am Straßenrand das Sortieren beginnen: "Die fangen nicht an, im Müll zu wühlen", so van Stephoudt.

Wer nun tatsächlich was an der Duisburger Straße entsorgt hat, "das ist jetzt natürlich schwer nachzuvollziehen", sagt van Stephoudt. Prinzipiell sei es natürlich nicht so, dass ein Hausbesitzer wegräumen müsse, was ihm irgendwer an den Straßenrand stellt. Van Stephoudt: "Das wäre einfach wilder Müll, für den letztendlich die Kommune zuständig wäre."

Dass Wolfgang Sendek seinen Sperrmüll am Vorabend des Abfuhrtermins an die Straße gebracht hat, ist laut Stadt in Ordnung. Auch ist es zulässig, dass ein anderer Standort gewählt wird als die eigene Adresse; zum Beispiel, weil an der Straße vor der Haustür kein Platz ist. Das muss dann lediglich bei der Anmeldung angegeben werden.

Quelle: RP
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