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Straelen
Apokalyptische Bilderwelten gegen Terror

Straelen: Apokalyptische Bilderwelten gegen Terror
Schulleiterin Heike Hoßbach und der Künstler Ammar Abdal zeigen im Forum des Gymnasiums eines der Bilder, rechts Dolmetscher Hussein Karwan. FOTO: Evers
Straelen. Bilder der Vertreibung, der Folter und des Todes: Maler Ammar Abdal kämpft mit seiner fantastischen Kunst gegen den Terror des Islamischen Staates. 300 Straelener Gymnasiasten erzählte er die Geschichte hinter den Arbeiten. Von Christoph Kellerbach

Die Ausstellung von Ammar Abdal hieß "Dunkler Wind", und ein kalter Schauer lief den Betrachtern des Städtischen Gymnasiums den Rücken herunter, als sie gestern auf seine Werke blickten: eine Massenhinrichtung, deren Blut sich in einen Fluss ergießt und diesen scharlachrot färbt. Gequälte Seelen, die aufbegehren gegen ihr höllisches Schicksal und doch nur verlacht werden. Und immer wieder ist da das Spirituelle, der Wunsch nach etwas Göttlichem, das vielleicht interveniert, um das hässliche Treiben der Menschen zu stoppen. Mit seiner packenden, regelrecht comichaften Ausdruckskraft und gleichzeitig seinem hyperrealistischen Zeichenstil regte Ammar Abdal bei der Präsentation am Vormittag zum Nachdenken an.

Organisiert wurde das Erlebnis von der Fachschaft Kunst im seit Jahren laufenden Projekt "Künstler in die Schule". Nach der Begrüßung durch Schulleiterin Heike Hoßbach übernahm der Journalist und Direktor des Essener Instituts für Krisenprävention "Iftus" (Institut für Terrorismusforschung und Sicherheitspolitik), Rolf Tophoven, das Mikrofon im Forum. Er führte die rund 300 Anwesenden in das Schicksal der Jesiden ein, Angehörige einer religiösen Minderheit im nördlichen Irak, die zu tausenden von den Verbrechern des Islamischen Staats verschleppt und getötet wurden. Nach einführenden Worten zur Ausstellung durch die Kunst-Fachkonferenzvorsitzende Beate Klenner lag der Fokus ganz auf Ammar Abdal. Dieser stellte sich den Fragen, als Dolmetscher half Hussein Karwan von der Stadt Straelen.

So verriet Abdal, dass er 34 Jahre alt ist, zwei Brüder und zwei Schwestern hat, wovon ein Bruder Arzt in Schweden ist, und dass er früher in Mossul eine Kunstschule geleitet hat. Als die IS-Kämpfer 2014 in die Stadt einfielen, wohnte er in einem dreizehn Kilometer entfernten Vorort.

Er bekam mit, was für furchtbare Taten Menschen im Namen des Islams verübten. Dabei hätten sie "bei allem, was sie tun, einen islamischen Hintergedanken, doch dieser ist bei ihnen total verdreht". Abdal floh zu seiner Familie, die weiter im Norden wohnte. Dort traf er Geflohene, die ihm von weiteren bestialischen Unglaublichkeiten berichteten. Dies war für ihn die Initialzündung zu malen. Da das Haus, in dem er lebte, so voll war von Flüchtlingen, lebte er im dortigen Badezimmer und fing einfach an: Junge Geschwister, die einander begruben. Frauen, die zu tausenden in einer großen Moschee in Mossul ausgezogen, verkauft und vergewaltigt wurden. Mütter, die durch Massengräber wandern, um ihre Kinder ein letztes Mal in den Arm schließen zu können. Die Kraft seiner Bilder blieb nicht lange unentdeckt. Er musste seine Familie verlassen, da er wegen seinen Arbeiten zahlreiche Drohungen bekam. Über eine Messe in Barcelona, zu der er eingeladen wurde, landete er schließlich in einem Flüchtlingsheim in Grefrath.

"Die Werke führen so lebensnah an das Thema heran, sie gehen einem richtig nahe", fand Lina Maria Islam (18), die Abdals Vortrag nicht losließ. "In seinen Augen konnte man die ganzen Emotionen sehen, seine Traurigkeit. Das war wirklich bewegend." Auch Anna-Lena Sieben musste das Gezeigte noch verarbeiten: "Es ist eine sehr starke Geste des Künstlers, so mit seinen Werken gegen den IS zu kämpfen." Abschließend hatte Ammar Abdal eine Botschaft an die jungen Zuhörer: Er rief zur Wachsamkeit auf, damit Zustände wie bei ihm zu Hause hier niemals eintreten: "Passt auf euer Land auf und seid für es da!"

Quelle: RP
 
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