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Wachtendonk
Aragon kämpft gegen seine Angst

Wachtendonk: Aragon kämpft gegen seine Angst
Patricia Hummen und Uwe Friedrich geben wertvolle Tipps für den Umgang mit verhaltensauffälligen und traumatisierten Hunden. FOTO: Thomas Binn
Wachtendonk. Hundetrainer Uwe Friedrich zu Gast in der Wachtendonker Hundepension Tierreich. Geldernerin Monika Hanßen stellt ihren Mischlingsrüden vor. Er kommt aus einer spanischen Tötungsstation und ist verhaltensauffällig. Von Bianca Mokwa

So ganz geheuer ist Aragon die Situation in der Wachtendonker Hundepension nicht. "Aragon, wie bei ,Herr der Ringe', nur mit einem ,r' weniger", stellt Monika Hanßen ihren Mischlingsrüden vor. Im September wird der Hund drei Jahre alt, bei der Gelderner Familie wohnt er seit April 2015.

"Aragon hat Angst vor Taschen, Händen, Lederjacken, Männern", zählt die Hundebesitzerin auf. "Vielleicht ist er mal in eine Tasche gepackt worden", überlegt sie laut. Wissen kann sie es nicht. Der Hund kam aus einer spanischen Tötungsstation zu ihnen, musste sich vorher irgendwie durchs Leben schlagen. Gebissen hat er noch niemanden. Aber er hat Angst vor fremden Menschen, will nicht gestreichelt werden. "Wenn Besuch kommt, sage ich schon immer: ,Das ist aber kein Streichelhund'", schildert Hanßen ihr Problem.

Bei Menschen, die Hunde nicht so mögen, kommt Aragon in einen anderen Raum. Hundetrainer Uwe Friedrich nimmt dem die Spitze. "Die Leute müssen den nicht anfassen", sagt er. Zwei Tage ist er in der Hundepension und -tagesstätte Tierreich von Patricia Hummen in Wachtendonk zu Besuch. Vier Mensch-Hund-Gespanne haben sich eingefunden, um an "Verhaltensauffälligkeiten" zu arbeiten. Zu verbessern gebe es immer etwas, gibt sich der Trainer optimistisch. Er bleibt aber auch fair. "Einen Zehn-Tages-Kursus machen und alles ist gut, das ist Augenwischerei." Und die zwei Tage, die könnten vor allem eines: Orientierung geben.

"Mir geht es um Bindung, dass ich für Aragon der sichere Hafen bin", formuliert Monika Hanßen ihr Ziel. Und dann lässt sie ihn von der Leine. Und Aragon bemerkt erst kurze Zeit später, weil er viel lieber hüpfend auf und ab läuft, dass dort ein großer Schäferhund steht. Er geht zurück zu seinem Frauchen, wieder vor und schnüffelt, gibt ein wütend klingendes Bellen von sich. "So ganz sicher bin ich mir nicht, aber: ,Hau ab!'", übersetzt der Hundetrainer.

Dann hat Aragon schon das Interesse verloren und wendet sich dem Teich auf dem Gelände zu. Der Schäferhund war nur eine Attrappe. Der Trainer wollte erst einmal testen, wie Aragon reagiert. Für ihn steht fest: Aragon ist ein A-Typ, wie er im Buche steht, agil, neugierig, aber leicht zu stressen.

Dann ist da wieder so eine Alltagssituation. Ein Mann sitzt auf der Bank, unweit von Monika Hanßen. Die hat Aragon vor sich. Der Mann streckt die Hand aus, als ob er den Mischlingsrüden streicheln wolle. Der erschrickt, bellt. Automatisch schiebt die Hundebesitzerin Aragon hinter sich. Schimpft nicht. "Ich muss den Hund schützen", erklärt sie ihr Handeln. Da war sie wieder, Aragons Furcht vor Männerhänden. "Ich habe die Verantwortung für die Situation und den Hund", erklärt die Besitzerin.

Das gelte für alle Hundehalter, sagt Friedrich. "Dass der Hund mich beschützt, das ist so eine Meinung", sagt der Trainer. Aber zunächst müsse der Hund vor allem eines bekommen: Orientierung. Die kann dem Hund nur der Halter geben. Deswegen spricht er gerne vom Hundeführer, der wie ein Vorgesetzter in einer Firma für Orientierung sorgt. "Führung heißt nicht Gewalt, sondern Gefahrenabwehr." Das macht Monika Hanßen jetzt noch bewusster. Sicherheit statt Stress. Ein wichtiger Baustein sei die Bindung. "Bindung ist der hilfreichste Stabilisator in Stresssituationen", zitiert sie den Trainer. Der Satz war ihr so wichtig, den hat sie sich aufgeschrieben.

Die gelernte Krankenschwester arbeitet in der Elternberatung. Da gebe es viele Parallelen. "Kinder und Hunde brauchen beide Leitfiguren und Orientierung", sagt die Geldernerin. "Mit dem Unterschied, dass Kinder irgendwann in die Selbstständigkeit entlassen werden, die Hunde aber in der Unterordnung bleiben." Für Aragon sieht der Hundetrainer gute Chancen, dass er eines Tages entspannt liegen bleiben kann, auch wenn männlicher Besuch kommt. Als A-Typ verfüge Aragon auch über eine hohe Lernfähigkeit und eine große Portion Neugierde.

Quelle: RP
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