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Wachtendonk
Auf den Spuren des alten Gelderlands

Wachtendonk. In der Dorfstube Wankum wird an die Zeit erinnert, als unsere Region und Holland noch ein Sprachraum waren. Die Ausstellung trägt den Titel "Het Overkwartier van Gelre". Anschaulich wird der Alltag im Mittelalter dokumentiert. Von Bianca Mokwa

Das Sprachgewirr bei der Ausstellungseröffnung am Sonntag in der Dorfstube Wankum hätte nicht passender sein können. Gesprochen wurde Hochdeutsch, Niederländisch und etwas dazwischen. Immerhin trägt die neue Ausstellung den Titel "Het Overkwartier van Gelre" und erinnert an die Zeit, als diesseits und jenseits der niederländischen Grenze ein gemeinsamer Kultur- und Sprachraum bestand.

Wachtendonks Bürgermeister Udo Rosenkranz wies darauf hin, dass die Ausstellung sinnigerweise 200 Jahren nach dem Wiener Kongress stattfindet. Der schüttelte 1815 Strukturen gehörig durcheinander. Statt gewachsener Räume folgten starre Grenzen. Rosenkranz hofft, "dass die Grenzen im Kopf fallen". An die Besucher der Ausstellung erging der Ruf: "Europa ist unsere Zukunft."

Da es gut ist, die Vergangenheit zu kennen, um die Gegenwart zu verstehen und Zukunft zu planen, ist die Ausstellung für jeden interessant, der sich für Geschichte interessiert, aber auch einfach für alle, die am Niederrhein zu Hause sind. Die großformatigen Bildtafeln geben einen Einblick in das Leben der Menschen im Mittelalter. Aufgefrischt wird die Ausstellung durch Exponate, zum Beispiel Kanonenkugeln und eine Ritterrüstung.

Konzipiert wurde die Ausstellung vom Franz-Pfanner-Haus Arcen. Dort war sie bereits zu sehen. Das Ehepaar Marie-Louise und Wolfgang Posten vom Geschichtskreis Wankum übersetzte die niederländischen Texte ins Deutsche. Mit im Boot ist außerdem der Verein "Overkwartier van Gelre".

Wolfgang Posten ist es ein Herzensanliegen, "in die Geschichte unserer Region zu blicken, bevor die Grenzen gezogen wurden". Tatsächlich zeigt die Karte, dass Weeze, Goch, Venlo, Geldern, Wachtendonk und Straelen im Oberquartier Geldern vereint waren. Das Gebiet um Geldern, Venlo und Roermond hatte Roermond als "Hauptstadt". Durch Kriege, Landnahme, Schenkungen und Heirat wuchs das Gebiet zu beachtlicher Größe. Interessantes und teils Kurioses lässt sich über die Bevölkerung erfahren. "Das Wort Hygiene war noch unbekannt", ist nachzulesen. Zur Erinnerung: Die Besucher der Ausstellung werden ins tiefste Mittelalter geführt. "Wasser war nicht trinkbar. Zu jeder Mahlzeit trank man daher Bier." Mit einem Schlag war das Miteinander nach dem Wiener Kongress vorbei.

Die Folgen hat Marie-Louise Posten noch erlebt, das Warten an der Grenze zu Holland, gerade an Feiertagen, wenn Bekannte in den Niederlanden besucht werden sollten. Das ist heute schon wieder anders geworden. Die Grenze ist so nicht mehr fühlbar. Aber alle Initiatoren der Ausstellung sind sicher: Da geht noch mehr, um auch die Grenzen im Kopf abzubauen.

Quelle: RP
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