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Gelderland
Auf die Plätze, fertig: Schweißen

Gelderland: Auf die Plätze, fertig: Schweißen
Philipp Henkel, Tim Devers und Marek Schaffers (v.l.) gingen bei "Jugend schweißt" im Landeswettbewerb in Kleve an den Start. Schaffers und Devers nehmen im September am Bundeswettbewerb teil. FOTO: Gerhard Seybert (2), Friedel Evers (1)
Gelderland. Drei junge Menschen aus unserem Bereich haben sich für den Landeswettbewerb qualifiziert. Philipp Henkel, Tim Devers und Marek Schaffers zeigen am Freitag ihr Können. Für sie kann es danach auf Bundesebene weitergehen. Von Bianca Mokwa

Philipp Henkel verschwindet hinter einem schwarzen Vorhang. In dem Raum, in dem der Auszubildende arbeitet, zucken helle Blitze durch die Luft. Schwarz auf Gelb steht "Schweißarbeiten" über dem Raum, in dem Philipp Henkel jetzt ist. Der 20-Jährige macht seine Ausbildung zum Industriemechaniker bei der Brauerei Diebels in Issum, die zum InBev-Konzern gehört.

Schweißen ist nur eines von vielen Dingen, die er während seiner Ausbildung lernt. Deswegen mag er den Beruf, er ist vielfältig. In der Berufsschule hat Philipp Henkel davon gehört, dass es einen eigenen Wettbewerb "Jugend schweißt" gibt. Schweißen ist aber nicht gleich Schweißen. In der überbetrieblichen Ausbildung konnte er die verschiedenen Verfahren kennenlernen. An seinem Arbeitsplatz hat er mit dem WIG-Verfahren zu tun. WIG steht für Wolfram-Inertgasschweißen. Geschweißt wird mit dem Edelgas Argon unter Zuhilfenahme von Strom.

FOTO: Seybert Gerhard

Beim Wettbewerb auf Kreisebene belegte Philipp Henkel den ersten Platz. In den elf Jahren, in denen Reiner Demmer Ausbilder bei Diebels ist, ist es das erste Mal, dass einer seiner Auszubildenden daran teilnahm. "Keine Frage, es ist eine gute Sache, wenn sich Leute qualifizieren können", sagt der Ausbilder.

Tim Devers vom Gelderner Unternehmen Michels gehörte ebenfalls zu den Erstplatzierten.

FOTO: Evers Gottfried

Beim Wettbewerb können sich die jungen Schweißer in einer von vier Schweißverfahren beweisen: Lichtbogenhandschweißen, Metall-Aktivgasschweißen, Wolfram-Inertgasschweißen und Gasschweißen. Der 19-Jährige hat im MAG-Schweißen überzeugt. Beim Metall-Aktivgasschweißen wird mittels elektronischer Spannung reguliert. Im Unternehmen Michels kommt das Schweißen gleich in mehreren Bereichen zum Tragen. Im Bereich Fahrzeugtechnik zum Beispiel werden Pritschen- und Kipperaufbauten nach Maß angefertigt.

"Übung macht den Meister", erklärt Jörg Michel vom Unternehmen Michels, warum die Teilnahme beim Schweißwettbewerb ein Gewinn ist, auch für das Unternehmen. "Auch der vierte und sechste Platz sind unsere Leute", sagt Betriebsleiter Heinz Cox stolz. Denn außer Tim Devers waren auch die Auszubildenden Michael Eickens mit einem vierten Platz und David Ronneburg mit einem sechsten Platz vertreten.

Für das Unternehmen ist die Teilnahme das erste Mal, sagt Geschäftsführer Joachim Michels. Auf der Internetseite des Unternehmens sind die Erfolge nachzulesen. Nicht ohne Grund. "Der Trend zu akademischen Berufen hält an", sagen die Praktiker. Mit der Internetseite und den mehr als guten Ergebnissen zeige man, dass man auch im Handwerk gute Chancen auf eine Karriere hat.

Das gängigste Schweißen ist übrigens das MAG-Schweißen, wie es bei Michels durchgeführt wird. Für den Stahlbau findet es Anwendung, erklärt Adolf Schreiber. Er begleitet den Wettbewerb in Kleve. Für die technische Durchführung ist Michael Sahlmen zuständig. Das älteste Verfahren ist das Gasschweißen. "Das hat aber sehr an Bedeutung verloren, gerade im Sanitärbereich", sagt Schreiber.

Beim Straelener Heizungsbauunternehmen Hans van Bebber hat das Gasschweißen eine lange Tradition. Hans van Bebber machte vor 50 Jahren seinen Meister, ein Jahr später seinen Schweißfachmann und war einer der ersten, der die Zulassung hatte, Gasleitungen zu schweißen, als Straelen mit Gas versorgt wurde. Ihm folgte der jetzige Geschäftsinhaber und Enkel Thomas Paes. Der nahm 2002 sehr erfolgreich am Wettbewerb "Jugend schweißt" teil und wurde Zweitbester im Bundeswettbewerb. In seine Fußstapfen tritt Marek Schaffers. Er wurde Erster auf Kreisebene und tritt nun im Landeswettbewerb an. Beim Gasschweißen kommt es auf das richtige Mischungsverhältnis von Acetylen und Sauerstoff an. Da geht es um Nuancen, die mit der Hand per Rädchen gemischt werden. Ein Fauchen der Flamme ist ein sicheres Zeichen für zuviel Sauerstoff. Am 23. Juni muss die Mischung stimmen. Dann geht es um die Platzierung im Landeswettbewerb. Danach kann es für die Besten zum Bundeswettbewerb weitergehen, und danach sogar auf internationaler Ebene.

"Landeswettbewerb ist wie Fußball-Landesliga, weltweit wie Champions-League", zieht Paes den Vergleich und ist schon gespannt, wie Marek Schaffers abschneiden wird. Der macht übrigens seinen Meister. Handwerk hat eben doch Zukunft.

Quelle: RP
 
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