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Geldern
Augenblicke der Hoffnung im Krieg

Geldern. Fotojournalistin Ursula Meissner berichtete aus den Krisengebieten der Welt. Von Werner Stalder

Ursula Meissner berichtete in der Wasserburg Rindern als Fotojournalistin in den Kriegs- und Krisengebieten der Welt über "Augenblicke der Hoffnung." Eingeladen hatten die "Gesellschaft für Internationale Begegnungen e.V. Kleve" und die "Deutsche Atlantische Gesellschaft e.V.- Regionalkreis Niederrhein."

Die beiden Sprecher, Dr. Kurt Kreiten und Michael K. Urban, hießen die renommierte Fotojournalistin, die seit 1992 weltweit als freie Fotojournalistin arbeitet, zum Sonntag-Morgen-Gespräch im Katholischen Bildungszentrum in Rindern willkommen. Es gab einige Momentaufnahmen, die das Thema "Augenblicke der Hoffnung" spürbar werden ließen. In Afghanistan gab es während der Besatzung durch die Amerikaner und auch bei der Präsenz der Bundeswehr viele Friedensprojekte. Eines davon ist das "Rosenprojekt". Es sollten mehr Rosen in Nangahar blühen als Mohn für Opium. Aus den Rosenblättern wurde Rosenöl gewonnen, das auf dem Weltmarkt ungefähr so viel wie Opium kostet.

Ein anderes Beispiel der Hoffnung: Gilboa und Jenin, zwei Bürgermeister, einer aus Israel und einer von der palästinensischen Seite. Beide sind Freunde, besuchen sich gegenseitig bei Familienfesten, machen Tourismus zusammen und haben einen Pakt geschlossen. "Alleine hätten sie weniger Erfolg - eine Sensation", sagt Ursula Meissner. Und ein drittes Beispiel: Zwei Jungen, ein Afrikaner und ein Araber aus dem Sudan, sind Freunde. Ihre Väter kämpfen noch heute gegeneinander. Meissner hatte eine kleine Auswahl ihrer Reportagenbilder mitgebracht.

"Meistens freuen sich die Menschen über mich oder meine Kollegen vor Ort. Sie hoffen, dass durch die Berichterstattung und die Bilder der Krieg nicht lange dauert. Wenn aber der Krieg doch länger anhält als erwartet, dreht sich die Hoffnung zu Enttäuschung", sagt die Fotojournalistin. Ihre erste Reise nach Afghanistan war 1986. Bis 2014 war sie zwanzigmal dort. Sie fotografierte Flüchtlinge, die apathisch und kraftlos unter einer Decke mit Holzstäben im Schatten Kraft sammelten, um dann weiter über die Berge bei Tag und Nacht auf dem Weg ins Nirgendwo zu wandern. Sie trugen alles bei sich, was ihnen geblieben war. Szenenwechsel: Bilder in Not, das zerstörte Sarajewo, die schreckliche Krankenhaussituation in Bosnien. Und ihr berühmtestes Foto, das um die Welt ging: Der Cellist in Sarajewo. Vedran spielt in den Ruinen für seinen gefallenen Bruder und alle anderen "Yesterday" von den Beatles. Die Bilder aus dem Irak und aus Libyen sind ebenso ausdrucksstark. Beispielsweise: Während im Irak die Bomben der Amerikaner in einem Teil der Stadt fielen, gab es Orte, an denen die Menschen wie immer zum Eisessen fuhren. Oder die Drusen auf dem Golan: "Ich habe dort die letzte Hochzeit fotografiert." Etwa 800 Kilometer lang ist die Mauer in Palästina. Ursula Meissner fotografierte eines der berühmtesten Graffiti "Sister you need more."

Packend waren die Bilder aus Afrika, zum Beispiel eine Szene aus dem Flüchtlingslager im Sudan 2006. Und auch die hoffnungsvollen Fotos aus Indien, wo es vor allem für die Frauen Augenblicke der Hoffnung gibt: Junge Männer, die ein anderes Frauenbild haben und sich zusammenschließen, um Frauen zu helfen.

Quelle: RP
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