| 00.00 Uhr

Wachtendonk
Baustelle ärgert die Wachtendonker

Wachtendonk: Baustelle ärgert die Wachtendonker
Warnbaken und Hinweisschilder verwehren fast allen die Durchfahrt auf der L 140, hier mit Blick auf Wankum. Der Dauerfrost legt die Baustelle lahm. Die Maschinen kurz vor dem Ortseingang von Wankum wurden gestern nicht bewegt. FOTO: Klatt
Wachtendonk. Bürger aus beiden Ortsteilen sind sauer darüber, dass die L 140 wegen der Sanierung des Radwegs gesperrt ist. Laut Verwaltung war aus verschiedenen Gründen keine andere Lösung möglich. Der Frost sorgt für Verzögerungen. Von Michael Klatt

Die Fahrerin in dem VW Golf mit Mönchengladbacher Kennzeichen vollführt eine sportliche Wende. Sie hatte wohl die Schilder nicht bemerkt, die anzeigen, dass die Fahrt von Wankum nach Wachtendonk am Netto-Markt endet. Rot-weiße Baken verhindern die Weiterfahrt über die L 140. Für die Reise zwischen den beiden Ortschaften sind derzeit Umwege erforderlich, weil die Landstraße wegen der Sanierung des Radwegs mehrere Wochen lang für fast alle gesperrt ist. Ausnahme: unmittelbare Anwohner, Busse, Feuerwehr und Rettungsdienste.

Eine Maßnahme, die für viel Ärger sorgt. Den bekommt teilweise Tobias Hußmann ab. Der 22-Jährige ist Auszubildender in der Aral-Tankstelle Wachtendonk. "Hier beschweren sich viele, weil ihrer Meinung nach die Sperrung beider Fahrbahnen überflüssig ist. Auch finden sie die Beschilderung für die Umleitung schlecht." Hußmann gibt sein Bestes, um zu helfen. "Ich komme aber nicht aus dem Ort." Die Tankstelle hat wegen der Baustelle die Öffnungszeiten eingeschränkt. Es gebe Einbußen, so Hußmann.

Tobias Hußmann berichtet von Einbußen für die Aral-Tankstelle. FOTO: Klatt

Auch auf der anderen Seite der Baustelle gibt es Grund zur Klage. "Wir haben weniger Kunden und weniger Umsatz", sagt Anne Stegers, Leiterin des Netto-Marktes in Wankum. Zwar blieben die Wankumer treu, aber "Wachtendonk und Kempen sind abgeschnitten". Eine 52-jährige Wankumerin macht ihrem Unmut auf dem Supermarkt-Parkplatz Luft. "Warum reicht eine einspurige Sperrung nicht? Warum wird das nicht per Baustellenampel geregelt?" Und sie verweist auf eine Sitzung des Wankumer Heimatbundes, in der Bürgermeister Hans-Josef Aengenendt erklärt habe, die Bäume möglichst zu erhalten. "Und jetzt hat man die doch abgesäbelt."

Dass die Situation für die Verkehrsteilnehmer nur schwer hinnehmbar ist, ist auch für Bürgermeister Aengenendt keine Frage. Wie er bekräftigt, haben im Vorfeld ausführliche Gespräche mit allen Beteiligten stattgefunden, um die Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten. Öffentliche Verkehrsbetriebe, Polizei, Straßenverkehrsbehörden (Straßen.NRW und Straßenverkehrsamt) sowie die Baufirma und die Gemeindeverwaltung hätten jedes Für und Wider sorgfältig abgewägt und letztlich die Entscheidung für die Vollsperrung treffen müssen. "Nur so konnte sichergestellt werden, dass der öffentliche Linienverkehr ungehindert laufen kann und die Anwohner sicher zu ihren Wohnhäusern gelangen."

Ramona Faets findet die Umleitung nicht gut. FOTO: Klatt

Die Kosten für die umfangreiche Sanierungsmaßnahme trägt laut Aengenendt der Landesbetrieb Straßen.NRW, der bei der Festlegung der Vorgaben für die Umsetzung maßgeblich zu beteiligen war. So habe der Landesbetrieb eine alternative Ausführung, nämlich die Einrichtung mehrerer Bauabschnitte, als zu kostenintensiv abgelehnt. Hier sah man erhebliche Kosten durch den mehrfachen Transport der großen Baumaschinen auf sich zukommen. "Gegen die Lösung mit einer Ampel sprachen ebenfalls die Kosten und weiter der bei hohem Verkehrsaufkommen zu erwartende Rückstau."

Auch eine Einbahnstraßenregelung musste, so der Bürgermeister, schließlich verworfen werden. "Der ÖPNV-Linienverkehr hätte nicht in beide Richtungen fahren können, was den Fahrplan komplett auf den Kopf gestellt und zwangsläufig zu Problemen für Schüler und Arbeitnehmer geführt hätte. Eine Ampel- oder Einbahnstraßenregelung hätte darüber hinaus die Rettungsdienste vor erhebliche Probleme gestellt."

FOTO: Klatt

Als Ausweichstrecke werden von vielen ortskundigen Verkehrsteilnehmern der Laerheiderweg und der Netteweg gewählt. Diese beiden Wege sind weder gesperrt noch erfolgen Kontrollen durch die Polizei. Das Befahren der beiden Wege ist ausdrücklich erlaubt. "Totaler Mist", urteilt Ramona Faets über die Umleitung. Die 32-Jährige aus Wankum ist dort unterwegs, um zum Beispiel die Kinder zum Fußball zu bringen. Auf dem Laerheider Weg sei es zu eng zum Ausweichen.

Die Durchfahrt auf dem Rochusweg ist laut Verwaltung nur für den landwirtschaftlichen Verkehr zugelassen. Der Rochusweg sei ausgewiesener Schulweg für Kinder; auch seien hier viele Spaziergänger und Fahrradfahrer anzutreffen. Deshalb werden hier vermehrt Kontrollen durchgeführt und Verstöße geahndet.

Bürgermeister Aengenendt bittet um Verständnis für die Unannehmlichkeiten. Die Verwaltung erwartet die Fertigstellung der Maßnahme im derzeitigen Ausbauabschnitt je nach Wetterlage Ende März oder Anfang April. Doch zurzeit sorgt der Frost für Verzögerungen. Gestern lag die Baustelle still.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Wachtendonk: Baustelle ärgert die Wachtendonker


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.